Mit 240 Sachen zum Patienten

WITTLICH. 30 Jahre Christoph 10 am St. Elisabeth-Krankenhaus: 22 000 Einsätze ist der Rettungshubschrauber in dieser Zeit geflogen, Tendenz steigend. Am Wochenende lädt die Luftrettung zum Tag der offenen Tür ein.

Es ist immer ein Wettlauf mit der Zeit. Wenn bei der Rettungsleitstelle ein Notruf eingeht, heißt es, rasch das Richtige in die Wege zu leiten: Lebensbedrohliche Situation oder nicht, Notarztwagen oder Hubschrauber, einer oder mehrere Verletzte? Nach einer festen Indikationsliste werden in Trier die Entscheidungen getroffen. Und wenn Christoph 10 alarmiert wird, geht alles ganz schnell. Innerhalb von zwei Minuten muss die Besatzung in der Luft sein, so lautet die Vorgabe, die meist sogar unterschritten wird. Rein in die Kiste, den Rotor angeworfen, im Laufschritt rückt der Notarzt aus dem Krankenhaus an, und ab geht es mit viel Radau.Mal eine "Bo", mal eine "Bell"

Im Lauf der 30 Jahre, die die Rettungsstation nun in Wittlich besteht, waren unterschiedliche Modelle im Einsatz. Mal flog eine "Bo", mal eine "Bell", mal waren sie vom Innenministerium, mal von den Heeresfliegern, seit neun Jahren sind sie vom ADAC gestellt. Seitdem leistet ein moderner Eurocopter EC 135 treue Dienste: Leiser, leichter und wendiger (10,20 Meter Rotordurchmesser) als seine Vorgänger, sorgt er dafür, dass er immer häufiger eingesetzt werden kann.

Mit 240 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit eilen je ein Notarzt, ein Pilot und ein Rettungsassistent, der im Hubschrauber "HEMS-Crew-Member" heißt, zur Einsatzstelle. Alle haben spezielle Zusatzkurse absolvieren müssen. "Mit Abstand führend sind inzwischen internistische Notfälle", berichtet Joachim Klockhaus, seit 1997 als Pilot in Wittlich beschäftigt. Nur noch in 15 Prozent der Fälle werden sie zu Verkehrsunfällen gerufen. Er habe inzwischen wohl alles Schreckliche gesehen, was in seinem Beruf möglich sei, meint Klockhaus. Das mache ihm nichts mehr aus. Was ihn aber bis heute erschüttere, seien die Schicksale, die hinter den "Fällen" stecken, und von denen er oft genug die Details erzählt bekommt. Während Notarzt und Assistent am Verletzten arbeiten, schütten die Verwandten beim Piloten ihr Herz aus, bedrängen ihn mit Fragen, wollen von ihm wissen, ob Mutter oder Vater, Tochter oder Sohn noch zu retten sind.

Sein Job sei hart, dennoch wolle er keinen anderen, denn meistens könnten er und seine beiden Pilotenkollegen schließlich dazu beitragen, Leben zu retten. An die unregelmäßigen Arbeitszeiten von 7 Uhr früh bis Sonnenuntergang gewöhne man sich irgendwann. Zudem arbeite Christoph 10 am Standort Wittlich unter guten Bedingungen: Zum Team gehören 15 Fachärzte, allesamt Anästhesisten, und sechs "HEMS-Crew-Members" vom Deutschen Roten Kreuz. Am Sonntag hat der Hangar zum Geburtstag für alle Bürger geöffnet. Am Tag der offenen Tür werden von 14 bis 18 Uhr mehrere Hubschrauber und Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, DRK, ADAC-Luftrettung und von der Luxemburger Air-Rescue zu besichtigen sein. Außerdem können Interessierte in einem Hubschrauber-Modell einmal selbst Pilot spielen. Um 15.30 Uhr simulieren die Rettungsdienste zudem realitätsnah die Bergung und Rettung von Unfallopfern - samt Start und Landung des Hubschraubers.