Mit Argusaugen bewacht

MALBORN. (red) In jüngster Zeit besinnen sich viele wegen der unablässig steigenden Preise für Heizöl und Erdgas wieder auf den Rohstoff "Holz".

Die Gemeinde Malborn verfügt bekanntermaßen über einen stattlichen Waldbestand von rund 860 Hektar, über dessen Nutzung die Gemeindeväter vergangener Tage mit Argusaugen wachten. Für die Menschen war die ausreichende Deckung des Brennholzbedarfs lebens-wichtig. Die Entnahme von Brennmaterial aus dem Malborner Gemeindewald wurde gerade in Zeiten wirtschaftlicher Not - wie Mitte des 19. Jahrhunderts - akribisch überwacht, zumal wenn die ungeliebten "Colonisten" aus Thiergarten Anträge auf die Zuweisung von Holz-kontingenten stellten. So befand der strenge Gemeinderat in seiner Sitzung am 3. November 1853, in der als einziger Tagesordnungspunkt das Gesuch des Johann B. aus Thiergarten um Brennholz aus dem Gemeindewald behandelt wurde, es "könnte … kein Brennholz verabfolgt werden." Begründet wurde der Beschluss mit der angespannten finanziellen Situation des Dorfes, denn "der Wald der Gemeinde Malborn wird auf vielerlei Art in Anspruch genommen wie wirklich jetzt nochmal eine Wohnung des Herrn Lehrer fehlt und bereits schon angekauft ist und aus dem Wald bezahlt werden muss". Konnte dem bescheidenen und berechtigten Wunsch des Thiergartener Bürgers nach einigen Scheiten Brennholz wegen des Erwerbs eines eigenen Lehrerwohnhauses tatsächlich nicht entsprochen werden, oder bestimmten wieder einmal Vorbehalte gegen die Einwohner aus Thiergarten das Handeln der Gemeindevertreter? Auf jeden Fall wird sich Johann B. das Brennholz auch "ohne Consens" des Rates aus dem Wald besorgt haben. Hermann Arend, Vorstandsmitglied des Kulturgeschichtlichen Vereins Hochwald und Redakteur der Vereinszeitschrift "Der Schellemann"

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