Mit Besen und Schaufel in den Wingert

Mit Besen und Schaufel in den Wingert

KRÖV/KINHEIM. Es ist ein Ärgernis in allen Weinbaugemeinden: Radwege und asphaltierte Weinbergswege, die von Einheimischen und Gästen gerne zum Wandern benutzt werden, sind häufig mit Erdreich verschmutzt. Verursacher sind Winzer, die mit Schmalspurschleppern durch die Zeilen fahren und beim Wenden den Dreck in die Wege ziehen.

Brigitte und Hans-Günther Gantenberg aus Kinheim fahren viel Rad und gehen gerne durch die Weinberge spazieren. Vor 13 Jahren ist das Rentnerehepaar nach Kinheim gezogen, und es fühlt sich richtig wohl in der schmucken Gemeinde. Doch ein Ärgernis stört die beiden schon seit längerem. Immer wieder, so Brigitte Gantenberg, stoße sie bei ihren Radtouren und Wanderungen auf verdreckte Wege. "Manchmal kommt man nicht einmal durch, ohne vom Rad zu steigen", berichtet die 68-Jährige. Zuletzt sei der Radweg zwischen Kinheim und Kröv fast komplett mit Humus zugeschüttet gewesen. Auch auf der anderen Moselseite zwischen Kinheim-Lösnich und Rachtig sehe es nicht besser aus. Manchmal seien die Wege rutschig wie Schmierseife. Die Gantenbergs wollen nicht als notorische Meckerer dastehen. Sie wissen, dass die Arbeit im Weinberg gemacht werden muss. Doch ein bisschen mehr Rücksicht auf Radler und Spaziergänger sollten die Winzer schon nehmen. Brigitte Gantenberg: "Die Winzer sind doch auf die Gäste angewiesen, die den Wein kaufen und die Zimmer mieten." Mit dem Problem verschmutzter Weinbergs- und Radwege schlagen sich die Bürgermeister der Winzerorte schon seit langem herum. Immer wieder setzen sie Aufforderungen in die amtlichen Mitteilungsblätter und halten die Winzer an, den von ihnen verursachten Dreck wegzumachen. Der Kröver Ortsbürgermeister Elmar Trossen schrieb in der jüngsten Ausgabe des Kröver Mitteilungsblatts: "Auch bei der Bodenarbeit ist auf eine pflegliche Sauberkeit und Ordnung zu achten. Besen und Schaufel gehören zur Standardausrüstung des Fahrzeuges." Trossen verweist auf die Satzung zur Benutzung der gemeindlichen Wirtschaftswege, die bereits 1967 erlassen wurde. Demnach sind die Angrenzer gemeindlicher Wirtschaftswege verpflichtet, Bodenmaterial oder Pflanzenteile und sonstige Abfälle, die auf den Weg gelangen, zu beseitigen. Verunreinigungen sind unverzüglich zu beseitigen, andernfalls kann die Gemeinde den Dreck auf Kosten des Verursachers beseitigen. Bislang hat Kröv davon noch keinen Gebrauch gemacht. Eine Strafe musste noch niemand zahlen. Trossen hat kürzlich mehrere Winzer persönlich aufgefordert, die Wege vor ihren Weinbergen zu säubern. Trossen: "Das hat was gebracht." Auch Kinheims Ortsbürgermeister Günter Jacoby will auf die Winzer, die die Wege verschmutzen, mehr Druck ausüben. Das Thema wurde kürzlich kontrovers im Gemeinderat diskutiert. Ein Teil der Ratsmitglieder meinte, das bringe sowieso nichts. Dennoch hat Jacoby nun die Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf als Ortspolizeibehörde gebeten, den Verschmutzern Strafen anzudrohen, falls die Satzung über die Benutzung von Feld- und Weinbergswirtschaftswege nicht eingehalten werde. Eine ganze Reihe von Schmutzverursachern wurden ausgemacht, sie erhalten in Kürze ein Schreiben der VG-Verwaltung Kröv-Bausendorf. Dort wird detailliert aufgeführt, welche Mängel festgestellt wurden - zum Beispiel "Wegerinne nicht gesäubert", "Weinbergsfläche verwildert", Wasserrinne nicht freigehalten" und "Mauerkämme nicht frei von Bewuchs/Geröll". Den Betroffenen wird eine Frist gesetzt, die aufgeführten Mängel zu beseitigen. Wenn nichts geschieht, so die Ortspolizeibehörde, "sehen wir uns veranlasst, eine gebührenpflichtige Ordnungsverfügung mit der Androhung von Zwangsgeld beziehungsweise Ersatzmaßnahmen zu erlassen".