Wetter : Mit blauem Auge davongekommen

Am Wochenende herrschte an der Mosel-Hochwasserfront weitgehend Ruhe. Die Pegel verharrten auf hohem Niveau.

Bernkastel-Kues‘ Stadtbürgermeister Wolfgang Port konnte am Samstagabend zum Neujahrskonzert gehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Am Wochenende herrschte an der Hochwasserfront an der Mittelmosel Ruhe - wenn auch angespannte. Die Pegel stagnierten. Zum Teil fiel das Wasser auch leicht. Aber eher marginal, bemerkte Ports Traben-Trarbacher Amtskollege Patrice Langer. „Momentan sieht es entspannt aus“, sagte der Traben-Trarbacher Stadtchef am Samstagabend.

Gut zehn Zentimeter weniger wurden im Verlauf des Tages am Pegel Zeltingen gemessen. Das brachte den Feuerwehren zumindest eine Verschnaufpause. „Am Wochenende war keine Feuerwehr im Hochwasser-Einsatz“, vermeldete Wehrführer Thomas Edringer.

Nachdem man bereits zwei Tage zuvor in Kesten und Lieser die Dammtore geschlossen habe, sei die Lage „absolut ruhig“, so der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Alles, was über den Pegel hinaus geht, der erwartet wurde, betrifft wieder viel mehr Orte.“
Für Port gilt sowieso: „Jeder Zentimeter zählt!“ Denn mit jedem Zentimeter laufe irgendjemand irgendwo ein Keller voll. Das individuelle Leid sei deshalb auch bei einem, wie Port es einschätzt, mittleren Hochwasser groß.

„Ich bewundere, mit welcher Routine die Leute da rangehen“, sagte Patrice Langer, der sein erstes Hochwasser als Stadtbürgermeister erlebt. „Die Geschäftsleute haben alles leergeräumt und wir haben alles an der Moselpromenade hochwasserfest gemacht. Zell war auf das Wasser vorbereitet“, erzählte der Bürgermeister der Schwarze-Katz-Stadt Hans Schwarz.
Überall in Ufernähe waren bereits vor dem Wochenende tiefgelegene Räume mit Brettern und Sandsäcken gesichert und Pumpleitungen verlegt worden. Das Ausräumen von gefährdeten Räumen ist aber nur das eine. Wenn sich das Wasser zurückzieht, geht die Arbeit weiter. Schlamm und Schlick müssen beseitigt werden, bevor sie trocknen. Sonst werden sie hart wie Beton. Wenn dieses Hochwasser etwas Gutes hat, dann der Zeitpunkt.

 Ungewohnter Blick am Moselufer in Bernkastel-Kues: Braune Wellen am Wegesrand.
Ungewohnter Blick am Moselufer in Bernkastel-Kues: Braune Wellen am Wegesrand. Foto: Holger Teusch, Unterm Bergfried 20, 54538 Bausendorf, Telefon 06532/954022/Holger Teusch

„Zum Glück kommt es Anfang des Jahres. In der Saison wäre es schlimmer“, erklärt Port. Langer ist „heilfroh, dass der Wein-Nachts-Markt“ gerade die Pforten zur Traben-Trarbacher Unterwelt geschlossen hatte, als das Wasser stieg. „Auf Trabener Seite sind die Uferstraßen überflutet“, erklärt er. „In Trarbach haben wir noch Luft. Das Schott an der Unterführung ist geschlossen und am Kreisel haben wir die Spundwände aufgebaut.“ Die kritische Marke für Zell von 8,70 Meter am Pegel Trier wurde nicht erreicht. „Wir waren vorbereitet, aber wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, atmete Schwarz am Sonntagnachmittag auf.