Mit dem Aufzug zu den Gleisen

Was lange währt: Nach 13 Jahren Planung gibt der Kreistag den Startschuss für den Umbau des Cochemer Bahnhofs. Vor allem die Barrierefreiheit zu allen Bahnsteigen war lange Zeit Streitpunkt. Jetzt werden drei Aufzüge den Rollstuhlfahrern die Wege erleichtern.

Cochem. (red) Bereits im Juni beginnt voraussichtlich der Umbau des Cochemer Bahnhofs. Einstimmig hat der Kreistag die Sanierung der Bahnsteige, die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und des Busbahnhofes mit Wendeplatz beschlossen. Große Teile des maroden Bahnhofsgebäudes werden allerdings nicht saniert. Denn die Bahn ist derzeit vergeblich auf der Suche nach einem Käufer für das historische Haus. Laut einem Sprecher der Bahn soll zunächst nicht in eine Renovierung des alten Gebäudes investiert werden.

Der jetzt geplante Umbau von Gleisfeld und Vorplatz beläuft sich auf rund vier Millionen Euro. Davon trägt der Kreis höchstens 310 000 Euro und die Stadt 353 000 Euro. Der Rest wird unter anderem über Zuschüsse von Land und Bund finanziert.

Im ersten Bauabschnitt sollen zunächst die Bahnsteige und das Gleisfeld erneuert werden (2,9 Millionen Euro). Mit drei Aufzügen werden in Zukunft Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen problemlos zu den Gleisen gelangen. Rechts von der großen Treppe im Bahnhofsgebäude wird der Aufzug für Gleis eins sein. Mit den beiden weiteren Aufzügen wird man von der Unterführung aus auf das mittlere Gleis und zum Park-und-Ride-Parkplatz gelangen.

Hilfe für Menschen mit Behinderungen



Alle drei Fahrstühle sind "maschinenraumlos" und verglast. Der elektronische Antrieb ist im oberen Teil des Aufzugs untergebracht. Bei Hochwasser besteht keine Gefahr. Darüber hinaus kündigt die Bahn an, dass künftig eine "Task-Force", also Eingreif-Gruppe zur Verfügung steht, die Rollstuhlfahrern beim Einstieg in die Züge hilft. Früher mussten Menschen mit Handicap in Koblenz anrufen und Hilfe anfordern, jetzt soll bald an der gesamten Mosel die eigens dafür gegründete Gruppe bereitstehen.

Die Gleise am Cochemer Bahnhof werden im Zuge der Sanierung auf eine Länge von 270 Metern umgebaut und gleichzeitig erhöht - auch ein Vorteil für Menschen mit Behinderung. Es werden außerdem taktile Punkte installiert, um auch Blinden die Orientierung auf den Bahnsteigen zu erleichtern. Darüber hinaus werden Bodenbeläge erneuert, Gleis eins und die Hintertreppe zum Parkplatz werden überdacht und die gesamte Unterführung wird ebenfalls in neuem Glanz erstrahlen. Die Bahn rechnet damit, dass die Arbeiten bis etwa 2012 fertig sind.

Die Gestaltung des Busbahnhofes mit neuen Busbuchten, Taxistand und Wendehammer kostet nach bisherigen Planungen 1,15 Millionen Euro. Die Kapazität des Busbahnhofes reicht derzeit kaum aus. Mehr als 130 An- und Abfahrten von öffentlichen Linienbussen belasten den Vorplatz.

Mit dem Umbau wird auch die räumliche Kapazität des Platzes besser ausgeschöpft. Die Sanierung wird allerdings nicht vor 2011 beginnen, da der Ausbau der Bahnsteige Priorität hat. Alle Fraktionen begrüßen die "dringend nötige" Sanierung der Bahnsteige und des Vorplatzes. Andreas Peifer (CDU) lobt, dass die Barrierefreiheit bei der Planung an erster Stelle stand und bezeichnet den künftig umgebauten Bahnhof als "Visitenkarte des Kreises".

Knackpunkt bleibt das alte Bahnhofsgebäude. VG-Bürgermeister Helmut Probst (CDU) prophezeit der Bahn: "Sie werden das Gebäude in diesem Jahr nicht mehr los. Es gibt bereits viele Leerstände - auch in Cochem." Er weist darauf hin, dass das marode Haus nicht gerade zur Zufriedenheit der Bahnkunden und Touristen beitrage.

Gebäude-Planung steht noch immer aus



Auch Heike Raab (SPD) mahnt: "Der jetzt gefasste Beschluss hat bereits 13 Jahre gedauert. Wann beginnen wir mit der Planung für das Bahnhofsgebäude?" Eine Antwort darauf gibt es nicht. Ob der Cochemer Bahnhof eines Tages vielleicht zu einem "neuen Zentrum der Kreisstadt" wird - wie es sich Landrat Manfred Schnur vorstellen könnte -, steht bis jetzt noch in den Sternen. Hintergrund Drei Bahnhöfe profitieren vom Konjunkturpaket: Aus einem Sondertopf des Konjunkturpakets II fließen 17 Millionen Euro für mehr oder weniger große Sanierungen an 176 rheinland-pfälzischen Bahnhöfen. Davon profitieren auch drei Bahnhöfe im Kreis Cochem-Zell: Cochem, Treis-Karden und Müden. In Cochem und Treis-Karden wird dabei die Informationsqualität für die Bahnkunden verbessert. Die Bahn denkt dabei an Fahrgastinformationsanlagen, dynamische Schriftanzeiger (DSA) und Informationstafeln. Der Bahnhof Müden profitiert aus den Töpfen zur "Ertüchtigung kleiner Stationen" und zur "Verbesserung des Wetterschutzes". Das Maßnahmenpaket reicht - je nach Bedarf - von Bahnsteigaufhöhungen über neue Bahnsteigkanten sowie neue oder zu sanierende Bahnsteigbeläge bis hin zu Ergänzung oder Austausch von Ausstattungsgegenständen und zur Sanierung der Bahnsteigdächer. Bei Bedarf werden auch neue Wetterschutzhäuser gebaut. (red)