Mit dem Bus auf neuen Wegen

Der Wittlicher Rufbus soll attraktiver werden. Dafür setzt die Stadt auf ein innovatives Konzept eines jungen Tochterunternehmens der Deutschen Bahn.

Wittlich Etwas mehr als 15 000 Kilometer und 3662 Kunden: Das sind die Zahlen, die Jan Mußweiler, als Fachbereichsleiter bei der Stadt zuständig für den Rufbus, dem Stadtrat in der zurückliegenden Sitzung als Jahresbilanz des Projekts (siehe Info, der TV berichtete mehrfach) präsentiert.Zwar lässt sich mit den Zahlen für August und September mit 401 (August) und 431 Fahrgästen im September pro Monat eine leicht steigende Tendenz erkennen, dennoch ist man seitens der Stadt nicht vollends zufrieden mit dem im vergangenen Sommer gestarteten Projekt. Und deshalb wird jetzt in mehreren Bereichen nachgebessert.Gemeinsam mit dem noch jungen Unternehmen ioki aus Frankfurt soll das Angebot in den kommenden Monaten sukzessive verändert werden. Und das nicht zu knapp, wie sich aus der Präsentation von ioki-Mitarbeiter Markus Pellmann-Janssen erkennen lässt.Stufe eins der Neuorientierung soll Mitte November beginnen. Testkunden, die sich freiwillig melden und das Angebot gratis testen können, sollen dann zusätzlich zum bestehenden Telefonangebot mit einer Smartphone-App ihre Fahrten buchen können. Zudem sollen die bisher bestehenden Haltestellen namentlich angepasst und durchnummeriert werden, um besser zuordbar zu sein, und der Dialog vonseiten des Anbieters mit den Kunden soll stetig gesucht werden, um Verbesserungspotenziale auszuloten.In einer zweiten Stufe soll das bestehende System auch zeitlich erweitert werden. Unter anderem sollen die Fahrzeiten des Rufbusses ausgedehnt werden, die dann zwei bis drei Fahrzeuge sollen kontinuierlich zwischen 6 und 22 Uhr fahren statt wie bisher von 8 bis 12 sowie von 14 bis 18 Uhr. Eventuell soll der Bus auch am Wochenende verkehren. Zudem soll es einen regelmäßigen Zubringer zum Hauptbahnhof mit Anschluss an den Regional Express nach Trier geben. In Stufe drei sollen schließlich Kooperationen mit weiteren Mobilitäts-Angeboten wie Fahrradverleihen sowie mit Vereinen oder Einkaufszentren das Angebot ergänzen. Und der Rufbus soll im Regelbetrieb fahren. Ein ständiger Austausch sowie eine Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsprüfung begleitet alle drei Stufen.Bei den Stadtratsfraktionen und bei Bürgermeister Joachim Rodenkirch findet das Konzept von ioki an diesem Abend großen Anklang. "So gestaltet man Zukunft, sie haben uns an ihrer Seite", sagte der Stadtchef in Richtung der Verkehrsplaner.Die Kosten erhöhen sich für die Stadt durch die Zusammenarbeit mit ioki nicht. Die Firma mit Sitz in Frankfurt, dessen Name die Abkürzung für Input Output Künstliche Intelligenz ist, ist eine Tochter der Deutschen Bahn (DB). Mit diesem Unternehmen möchte die DB Angebote nach Bedarf (On Demand) und autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr etablieren. ioki analysiert den Bedarf nach solchen Lösungen, bietet zum Beispiel Kommunen wie Wittlich entsprechende Konzepte sowie digitale Plattformen wie Smartphone-Apps an. Wittlich ist eine der ersten Gemeinden in Deutschland, die mit dem Unternehmen, das derzeit rund 40 Mitarbeiter hat, zusammenarbeitet.Wer Rufbus-Tester werden möchte - Tester fahren gratis - kann sich per E-Mail an markus.pellmann-janssen@deutschebahn.com melden oder bei Jan Mußweiler von der Stadtverwaltung Wittlich, E-Mail jan.mussweiler@stadt.wittlich.de KommentarMeinung

Innovativ!Der Rufbus Wittlich ist im ersten Jahr nicht so erfolgreich wie gewünscht. Und darauf reagiert die Stadt sehr umfangreich, statt zu resignieren und den Bus einzustellen. Mit dem Unternehmen ioki hat Wittlich einen Partner gefunden, der innovative Lösungen anbietet, die das Auto auch in Mittelzentren wie Wittlich überflüssig werden lassen können. Wenn jetzt noch der Kunde mitspielt, könnte Wittlich in Sachen Mobilität zum Vorreiter für viele Kommunen werden - und auch in vielen anderen Bereichen profitieren. p.willems@volksfreund.deExtra: DER WITTLICHER RUFBUS

Der Rufbus fährt seit dem 1. August 2016 Fahrgäste durch Wittlich. Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre festgelegt und kostet die Stadt 135 000 Euro, 67 500 Euro pro Jahr. Der Bus fährt bisher montags bis freitags von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr auf telefonische Bestellung rund 70 Haltestellen in der Stadt an. Eine Fahrt kostet drei Euro. Im ersten Jahr war der Mai mit 399 Fahrgästen der am stärksten frequentierte Monat, im Oktober fuhren mit 243 Kunden die wenigsten Menschen mit. Im zweiten Halbjahr gab es laut Jan Mußweiler insgesamt betrachtet "deutlich mehr Frequenz" als in Halbjahr eins. Im ersten Halbjahr lag der Zuschuss pro Fahrgast bei 20,73 Euro, im zweiten nur noch bei 16,59 Euro. Die beiden am häufigsten genutzten Haltestellen waren der Zentrale Omnibusbahnhof mit 683 Kunden und das Krankenhaus mit 635 Kunden. Am wenigsten genutzt wurde die Haltestelle Fallerweg mit 62 Kunden.

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