Mit dem Übersetzer zum Arzt
Wittlich · Der Arbeitskreis Integrationspartner Wittlich will einen Dolmetscherpool aufbauen. Ehrenamtliche sollen künftig Menschen, deren Sprachkenntnisse nicht ausreichen, bei der Kommunikation mit sozialen Einrichtungen oder Ämtern helfen. Ein vergleichbares Projekt gibt es in der Region bisher nicht.
Ein Termin auf dem Amt oder beim Arzt oder ein Gespräch mit dem Lehrer des eigenen Kindes - wer Sprachprobleme hat, für den kann das richtig kompliziert werden. Bei etwa zehn Prozent liegt der Ausländeranteil in Wittlich. Für die Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt setzt sich seit 2009 der Beirat für Migration und Integration (siehe Extra) ein. Und Übersetzungshilfe sei immer wieder nötig, erzählt der Vorsitzende des Beirats, Siddik Simsek. In letzter Zeit sei die Nachfrage noch gestiegen.
Simsek versteht die Nöte der Menschen: "Wie sollen die das alleine schaffen?" Und wo Hilfe erforderlich ist, da "müssen wir etwas tun", sagt er. Die Idee: ein Dolmetscherpool. Ehrenamtliche Übersetzer sollen die Kommunikation zwischen fremdsprachigen Menschen und Behörden oder sozialen Einrichtungen erleichtern - ein Gewinn für beide Seiten. Denn auch Einrichtungen können bei Bedarf auf das Angebot zurückgreifen.
Den Aufbau eines solchen Pools hat der Beirat für Migration und Integration gerade erst beschlossen, der Arbeitskreis Integrationspartner Wittlich - das ist ein Zusammenschluss mehrerer Institutionen, die Migrationsarbeit machen - wird sich gemeinsam dafür starkmachen. "Jetzt sind wir auf der Suche nach Dolmetschern, die ehrenamtlich diese Aufgabe übernehmen wollen", erklärt Simsek. Acht Freiwillige haben sich bereits gefunden - darunter Simsek selbst.
Um die 20 bis 30 Übersetzer, die zunächst in Wittlich und Umgebung eingesetzt werden sollen, stelle man sich idealerweise vor, sagt Marlene Merkes, die beim Deutschen Roten Kreuz in Wittlich für die Organisation und Vermittlung zuständig ist. Alles solle in einem überschaubaren, rein ehrenamtlichen Rahmen bleiben. Das bedeute auch, dass es sich um "informelle Übersetzungen" handle: Die Dolmetscher sind nicht vereidigt und übernehmen daher auch keine amtlichen Sachen. Kosten, erklärt Merkes, entstehen so keine.
Ein wichtiges Thema aber ist der Datenschutz: "Jeder muss beispielsweise eine Vereinbarung zur Schweigepflicht unterschreiben", sagt Merkes.
Mit der interkulturellen Arbeit kennt Simsek sich als Beiratsvorsitzender aus: Neben der Arbeit im Gremium macht er Beratungsstunden und gibt kostenlos Sprachkurse. Er wolle auch kein Geld, etwa um Spritkosten abzudecken. "Es geht einfach um Menschlichkeit", sagt er. Auch wenn er dieses Jahr nicht wieder in den Beirat gewählt werden sollte, wolle er sich engagieren.
Das Angebot eines Dolmetscherpools sei jedoch nicht als ein Ersatz für einen Sprachkurs zu verstehen, stellt er klar. Wer sich integrieren will, müsse langfristig auch die Sprache erlernen.Extra
Der Beirat für Migration und Integration besteht aus zehn Mitgliedern. Sie setzen sich für die Migranten in der Stadt Wittlich ein. Das Gremium wurde im November 2009 auf fünf Jahre gewählt. Neuwahlen stehen also Ende dieses Jahres an. Wahlberechtigt ist jeder mit Migrationshintergrund. Beiratsmitglieder sind derzeit: Siddik Simsek (Vorsitzender), Andrea Kien (stellvertretende Vorsitzende), Ahmet Altiparmak, Ali Damar, Hacer Sarioglu, Ibrahim Polat, Mehmet Yigit, Mustafa Dogan, Tahir Dogan, Yilmaz Yildiz. eib Info: www.bmi-wittlich.de