Kommunikation : Digitale Dörfer - Warum Traben-Trarbach mit einer App auf Funk-Sendung gehen will

Traben-Trarbach beteiligt sich am Projekt „Digitale Dörfer“: Ziel ist es, die Bürger besser zu vernetzen und zu informieren. Der Stadtrat hat eine erste Interessensbekundung beschlossen.

Der Vulkaneifelkreis funkt schon, und bald gehen auch die Bürger im Landkreis Bernkastel-Wittlich „auf Sendung“ – allerdings nicht mit CB-Sprechfunkgeräten, wie man sie aus den 1980er Jahren kennt, sondern mit einer App auf dem Smartphone.

Im Traben-Trarbacher Stadtrat hat Sarah Haussmann von der Kreisverwaltung unlängst das Projekt „Digitale Dörfer“ vorgestellt, das unter anderem die Einrichtung eines Netzwerks für den Austausch innerhalb der Gemeinden ermöglicht.

 „Wir sind zwar kein Dorf, können aber auch an diesem Projekt teilnehmen, Manderscheid und Bernkastel-Kues sind auch dabei,“ warb Traben-Trarbachs Stadtbürgermeister Patrice Langer für das Projekt in seinem Stadtrat, der für die Teilnahme dann auch schlussendlich eine Interessensbekundung beschloss.

„Es passiert viel im Dorf, aber niemand erfährt davon. Wie werden Bürger vor Unwettern und Straßensperrungen gewarnt? Wie werden Zugezogene besser integriert?“ – das seien häufig die Kommunikationsprobleme von Dörfern und kleineren Ortschaften, erläutert Sarah Haussmann.

Das soll sich mit dem Projekt „Digitale Dörfer“ bessern, das die Kreisverwaltung anbietet, und dem sich der benachbarte Vulkaneifelkreis bereits angeschlossen hat. Es handelt sich dabei um eine digitale Plattform im Baukastenprinzip, die vom Fraunhofer Institut in Kaiserslautern, einer Forschungsgesellschaft, entwickelt wurde.

Dazu zählen Homepages für Gemeindeverwaltungen und eine App für Android- und Apple-Geräte. Diese App kann man kostenfrei herunterladen und sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren. Diese App bietet dann, so Haussmann, eine Art digitales Gemeindeblatt mit verschiedenen interaktiven Funktionen, wie einer Tauschbörse, Veranstaltungsankündigungen, Chat-Gruppen, News- und weitere Funktionen. Es biete demnach ähnliche Funktionen an wie Facebook oder eine Whatsapp-Gruppe, wobei die Daten allerdings auf deutschen und nicht auf ausländischen Servern gespeichert werden.

In dieser „Dorffunk-App“ kann jeder Beiträge schreiben und melden, es ist aber auch ein Ausschluss von Personen möglich, zudem müsse der Klarnamen verwendet werden. In der Dorffunk-App im Vulkaneifelkreis werde zum Beispiel der Belegungsplan der Grillhütte einer Gemeinde gezeigt, womit sich zum Beispiel Grillparties leichter terminieren lassen. Mit der Einstellung „Empfangsstärke“ kann man den Radius der Infos wählen, die man erhalten will  – je nachdem, wie weit die Dörfer entfernt sind.

Im Untermenü „Dorfnews“ werden Infos des Amtsblatts wiedergegeben. Diese sind auf der Ebene der Verbandsgemeinde gebündelt. Dabei wird eine Hierarchie vorgegeben – vom „Chefredakteur“, in der Regel dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde über „Redakteure“ (Ortsbürgermeister) bis zum „Reporter“ (Vereins-Schriftführer oder Vorsitzender). Im Menüpunkt „Gruppen“ vernetzen sich zum Beispiel Vereine, aber auch die unterschiedlichsten Freizeitgruppen.

Zudem gibt es weitere, nachrüstbare Module für die App, darunter „FahrBar“ für Mobilitätslösungen, „BestellBar“ als digitaler Dorfladen, „LieferBar“ für Lieferservices und „LösBar“ als direkte Kontakt-App zur Verwaltung.

In einem weiteren Schritt bietet die Plattform auch die Gestaltung von Internet-Seiten der einzelnen Ortsgemeinden an. Diese seien leicht zu pflegen, die Inhalte können selbst eingegeben werden, sie bieten Schnittstellen zu den anderen Modulen und werden vom Fraunhofer Institut gewartet.

Der Landkreis Bernkastel-Wittlich übernimmt für die nächsten drei Jahre die Kosten für die Bereitstellung der Plattform, die Dorffunk-App für alle interessierten Gemeinden und finanziert zudem Workshops und die Unterstützung für die Gemeinden. Dazu können sich auch „Kümmerer“ melden – für Wolf und Kautenbach sei das schon erfolgt, erklärt Haussmann. Die Förderung läuft über das Leader-Projekt der Europäischen Union. Nach drei Jahren wäre dann beim Fraunhofer Institut eine Grundnutzungsgebühr für den Dorffunk von 50 Euro für die gesamte Region fällig.  Für die Unterkategorien „Dorfnews“ 40 Euro pro Installation und für „Dorfpages“ 50 Euro pro Installation.