Mit der Ruhe war's rasch vorbei

IDAR-OBERSTEIN. Rainer Brüderles flammende Rede stand im Mittelpunkt des FDP-Parteitages des Bezirksverbandes Eifel-Hunsrück in der gelb-blau dekorierten Idar-Obersteiner Göttenbach-Aula. Wie nicht anders zu erwarten, erteilte Brüderle der rot-grünen Politik eine deutliche Absage.

Die gelb-blaue Dekoration in der Göttenbach-Aula ließ keineZweifel offen: Die FDP präsentierte sich nicht nur nach außen hinselbstbewusst. Rainer Brüderle, Landesvorsitzender, undstellvertretender Bundesvorsitzender, verbreitete mit seiner RedeAufbruchstimmung, die Mitglieder dankten es "ihrem Rainer" mitlanganhaltendem Applaus. Deutlich wurde - nicht zuletzt beim historischen Exkurs des neuen Landrates Axel Redmer bis in die Weimarer Republik - , dass der Kreis Birkenfeld als liberale Hochburg galt und gilt.

Extra-Applaus gab\\'s für den Kreisvorsitzenden Thomas Wild, der bei der Landratswahl im September das von der FDP auf Bundesebene angepeilte Ziel (18 Prozent) fast erreichte. "Ein sensationelles Ergebnis", bescheinigte ihm Bundestagsabgeordnete Marita Sehn aus Kirchberg.

"Ganz schön gewirbelt" haben müsse Wild im Kreis Birkenfeld, wo die FDP 29 neue Mitglieder - im Bezirksverband sind\'s unterm Strich 41 - zu verzeichnen habe, lobte die Vorsitzende des Bezirksparteitages. "Wir müssen uns mit unseren Ergebnissen nicht verstecken", bezog sie sich auf die Wahlen in Hessen, Niedersachen und Schweswig-Holstein und griff dem neuen Optimismus der Liberalen voraus, den Rainer Brüderle untermauerte.

Hatte er zu Beginn der Veranstaltung noch gelassen lächelnd die Parteifreunde und Gäste per Handschlag begrüßt, so war\\'s bei seiner Rede mit der Ruhe rasch vorbei. Eine deutliche Absage erteilte er der Steuerpolitik der rot-grünen Regierung. "Es geht nicht, dass die Leute immer noch stärker belastet werden." Der Kanzler operiere mit dem Bild "der ruhigen Hand". Laut Brüderle "alles Quatsch mit Soße". Was dem Land fehle, sei "eine bewegte Hand, wir müssen jetzt den Hintern hochkriegen", wütete der Liberale.

Brüderle: Lahme Ente Deutschland

Es sei keine Lösung, die weltwirtschaftliche Lage bei, "wenn man\\'s genau nimmt, rund sechs Millionen Arbeitslosen" für alles verantwortlich zu machen. Brüderle warnte davor, den eingeschlagenen Kurs einzuhalten, Deutschland laufe Gefahr, in Europa als lahme Ente aus dem Rennen geworfen zu werden. Den Unternehmen mehr Verantwortung zu geben und Mut zu echten Reformen findet Brüderle "überfällig".

In seinem Grußwort hatte Oberbürgermeister Hans Jürgen Machwirth die Gäste in der "guten Stube der Stadt" willkommen geheißen. Der OB nutzte die Gelegenheit, vor allem dem Besuch aus Berlin und Mainz die Erfolge der Stadt bei dem Projekt "Arbeit statt Sozialhilfe" zu präsentieren: 200 neue Arbeitsverträge auf dem ersten Arbeitsmarkt seien unterschrieben worden. Am Rednerpult gab sich die FDP-Prominenz die Ehre: Fraktionsvorsitzender Werner Kuhn, Bundestagsabgeordneter Dieter Thomé und Justizminister Herbert Mertin.