Mit Draht zur Jugend und liberal

BERNKASTEL-WITTLICH. (sos/sim/cb) Die Kardinäle beginnen heute mit dem Konklave, der Wahl des Nachfolgers von Johannes Paul II. Der TV hat Menschen aus der Region befragt, welche Erwartungen sie an den neuen Papst haben.

Etwas mehr Liberalität und Hinwendung zur Moderne, das ist allen Befragten ein Anliegen an den Nachfolger von Papst Johannes Paul II. Und: Die katholische Kirche soll sich auch mehr für Frauen öffnen. Ein wichtiges Anliegen ist vielen Menschen aus der Region die Fortsetzung der Jugendarbeit. Ein Wittlicher, der zufällig in Rom Urlaub machte und dort selbst Abschied von Johannes Paul II. nehmen konnte, sagt: "Das war ein einmaliges Erlebnis. Eigentlich sollte der Neue so weiter machen wie bisher. Nur in Bezug auf das, was Frauen und Kinder anbelangt, hoffe ich, dass er etwas moderner wird." In jedem Fall werde er an dem gemessen, was sein Vorgänger geleistet habe. Deshalb solle er fortführen, was Johannes Paul II. angestoßen und noch nicht zu Ende habe führen können. Während besonders Frauen wünschen, dass die "Kirche endlich reformiert wird" oder "mehr für die Ökumene getan wird", gibt es auch Kritik an Details. "Ich interessiere mich nicht für das Thema. Aber ich habe mitbekommen, dass drei Gewänder genäht werden. Dass man dafür Geld ausgibt, kann ich nicht verstehen. Das hat mich beschäftigt", sagt eine Geschäftsfrau. Hans Müller, Wittlich: "Wir haben als Laien keinen Einfluss auf die Wahl. Der eine dürfte ein bisschen besser, ein anderer ein bisschen schlechter sein. In manchen Dingen, etwa Frauen in der Kirche, sollte der neue Papst etwas liberaler sein." Axel Thiel, Wittlich: "Nach außen erwarte ich eine Fortsetzung dessen, was bisher gelaufen ist. Im Innern der Kirche erwarte ich mehr Liberalität. Außen und Innen, das passte bisher nicht zusammen. Meiner Meinung nach ist die Zölibatsgeschichte etwas antiquiert. Auch Frauen in der Kirche: Warum sollte das nicht sein? Die evangelische Kirche macht ja vor, dass es geht." Ruth Fatter, Wittlich: "Zum einen bin ich dafür, dass die Kirche reformiert wird. Aber ich hoffe, dass es es so bleibt, dass auch der neue Papst die Fähigkeit hat, besonders die Jugendlichen anzusprechen, so wie das Johannes Paul II. getan hat." Ingmar Bartz, Traben-Trarbach: "Ich wünsche mir, dass mit einem neuen Papst verkrustete Strukturen in der katholischen Kirche aufgebrochen werden. Hoffentlich bekommen wir einen weltoffenerer Papst." Felice Palazzolo, Traben-Trarbach: "Papst Johannes Paul II. war ein guter Papst. Er war beliebt bei der Jugend und hat viele Länder bereist. Der neue Papst sollte genauso sein." Christel Hegner, Bernkastel-Kues: "Das Priesteramt soll auch Frauen offen stehen, das Zölibat abgeschafft werden. Der neue Papst soll die Friedenspolitik von Johanns Paul II. fortsetzen und innerkirchlich den Priestern vor Ort bei ihrer Basisarbeit den Rücken stärken. Und er muss die Jugendarbeit fortsetzen Sonst wird die Kirche aussterben." Anna Reuter, Bernkastel-Kues: "Der neue Papst soll etwas fortschrittlicher sein und auch etwas für die Frauen tun. Sie sollen Priester werden. Auch bei Verhütung und Aids soll er sich anpassen." Karl-Heinz Zewe, Lieser: "Ich möchte, dass der neue Papst bei der Jugendarbeit den Stil seines Vorgängers Johanns Paul II. fortführt, die Nähe zu den anderen Religionen sucht und offen ist zu den Christen. Es darf nicht sein, dass die Kirche weiterhin eine mittelalterliche Denkweise hat. Der neue Papst soll auch dabei helfen, dass reiche Länder den armen helfen." Jutta Lord, Bernkastel-Kues: "Die Kirche muss sich für Frauen öffnen - nicht nur bei den Ehrenämtern, sondern auch bei den Entscheidungsträgern. Die gute Jugendarbeit von Johannes Paul II. muss sein Nachfolger genau so fortsetzen." RENATE SALZBURGER, MANDERSCHEID: "Der neue Papst sollte in die Fußstapfen von Johannes Paul II. treten, was die Jugend in der Welt angeht. Er sollte aber auch etwas modernere Ansichten beim Thema Verhütung vertreten." Fotos: Clemens Beckmann (4) Sonja Sünnen (3), Winfried Simon (2), Stephan Sartoris (1)