Mit einer App gegen die Verschwendung von Essen

Kostenpflichtiger Inhalt: Nachhaltigkeit : Mit einer App gegen die Verschwendung

Dirk Mertes sammelt in seinem Geschäft in Lieser als erster Bäcker im Kreis jeden Abend die übriggebliebenen Backwaren und verkauft sie dann günstiger über eine Handy-App. Und das ist nicht das Einzige, was er gegen Essensverschwendung unternimmt.

Bäcker Dirk Mertes hält eine große Papiertüte mit Brötchen und Teilchen in der Hand und tippt auf seinem Handy. Nach Ladenschluss waren in der Bäckerei Mertes in Lieser noch zwei der großen Tüten voll Backwaren übrig. Die würden eigentlich im Müll landen – gäbe es nicht die Handy-App „Too Good To Go“ („zu gut, um zu gehen“). Diese Menge trägt Mertes jeden Abend in die App ein und macht die Angaben dann für jeden sichtbar. „Das sind immer etwa zwei dieser großen Tüten mit sechs bis acht Teilchen oder Brötchen drin. Manchmal ist aber auch eine Packung Quark oder Joghurt dabei“, sagt der Bäcker.

Der Inhalt hat meist einen Warenwert von rund zehn Euro, über die App kosten sie aber nur noch drei Euro. Mertes erklärt: „Ich suche immer nach neuen Wegen, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun. Ich habe von Kollegen gehört, die schon mit der App arbeiten und habe dann auch damit angefangen.“ Und obwohl die Bäckerei erst seit dem 30. September dabei ist, läuft es laut dem Bäcker sehr gut: „Nach knapp vier Wochen mit der App waren wir schon bei über 50 verkauften Päckchen.“

Vor der Arbeit mit dem Konzept hat Mertes beispielsweise übriggebliebenes Brot zerkleinert und wieder zu einem bestimmten Anteil im neuen Brot verarbeitet. „Das dürfen bis zu sechs Prozent sein, das ist gesetzlich so festgelegt. Aber zum Beispiel mit Kuchen, den wir am Ende des Tages zu viel haben, können wir das ja nicht machen. Deswegen habe ich nach weiteren Möglichkeiten gesucht“, sagt er.

In den vier Jahren, in denen der Bäcker bereits in dem Geschäft arbeitet, hat er auch schon andere Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung in Betracht gezogen. Beispielsweise gibt es in Wittlich eine Tafel, zu der man Lebensmittel bringen kann, die noch genießbar sind. Mertes erklärt: „Es ist für uns aber ein unverhältnismäßiger Aufwand, die Sachen einzupacken, nach Wittlich zu fahren, dort abzugeben und wieder zurückzufahren.“

Die App kann sich jeder auf sein Handy herunterladen. Foto: Angelina Burch

Der Einsatz der App sorgt also nicht nur dafür, dass weniger Backwaren weggeworfen werden, sondern aufgrund der Regionalität auch in einigen Fällen dafür, dass die Rettung der Lebensmittel weniger Zeit kostet und dafür weniger Benzin gebraucht wird. Und noch etwas hat der Bäcker sich ausgedacht: „Wir haben aus alten Kaffeesäcken Brottüten nähen lassen, die man wiederverwenden kann. Die gibt es hier bei uns im Laden zu kaufen.“ Mertes selbst hat sich in der App auch schon seine Lieblingshändler in der Umgebung markiert – über diese Funktion ist man als Nutzer immer auf dem neuesten Stand darüber, ob der bevorzugte Laden gerade etwas anbietet und wie viel.

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