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Mit Einfallsrreichtum zu neuen Perspektiven

Mit Einfallsrreichtum zu neuen Perspektiven

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt man bekanntlich. Mit seinen künstlerischen und musikalischen "Interventionen" realisiert das Nikolaus-von-Kues Gymnasium nicht nur ein Projekt musischer Erziehung. Es ist auch eine Aufforderung, selbst aktiv zu werden und sich Gedanken zu machen.

Bernkastel-Kues. Diesmal wirft die Birke keinen dunklen, sondern einen weißen Schatten auf den schwarzen Asphalt des Schulhofs. Oben am Dach des Fahrradschuppens bewachen die modernen Nachfahren steinerner Ungeheuer, wie man sie von gotischen Kathedralen kennt, die Gruppe der Zweiräder. Hinten auf der Wiese blühen zwischen grünen Büschen fröhliche Kunststoffblumen. Geheimnisvolle bunte Hände winken von der Treppe.
"Do it yourself" - nimm es selbst in die Hand. Die alte Heimwerkerregel hatten sozusagen auch die Schüler der Klassen neun bis elf des Nikolaus-von Kues-Gymnasiums in Bernkastel-Kues im Hinterkopf, als sie beschlossen, mit ihren künstlerischen Eingriffen im altvertrauten Außen- und Innenraum ihrer Schule für neue Akzente zu sorgen.
Unter der Leitung von Kunsterzieher Peter Scholz, der auch in der Schule den Vorsitz im Fach Kunst führt, wurden sie selbst aktiv. Mit Witz und Phantasie peppten sie die eher graue Alltagsarchitektur ihrer Schulgebäude auf. Gelungen sind ihnen dabei ansehnliche Überraschungseffekte und Aha-Erlebnisse für Schulgemeinschaft und Besucher.
Natürlich geht es bei den schulischen "Interventionen" nicht nur um farbenfreudige Abwechslung. "Im Rahmen des Projekts sollten sich die Schüler mit dem Gebäude auseinandersetzen und überlegen, wie Veränderungen durch künstlerische Eingriffe möglich sind", erklärt Scholz.
Eine Initiative, die auch den Schülern gefällt. "Es ist schön wenn man selbst etwas verändern kann", findet Felix. Der Schüler aus dem Jahrgang 12 ist auch Mitglied der Musik AG Kammerensemble. Mit den musikalischen "Interventionen" von John Cage war das Ensemble zur Vorstellung des Kunstprojekts in althergebrachte Musiziergewohnheiten eingebrochen und hatte neue Hörerfahrungen und Klangerlebnisse vermittelt.
Mit Hilfe von ein paar alten Radioempfängern und unterschiedlicher Frequenzen spielten die jungen Musiker ein viersätzíges Konzert.
Für Musiklehrer Bernhard König, der das Ensemble leitet, das sich gleichermaßen mit alter wie zeitgenössischer Musik auseinandersetzt, sind die Cage Interventionen eine wichtige Herausforderung. Genaues Hinhören ist gefragt, ebenso wie Phantasie, Einfallsreichtum und die Fähigkeit, wie beim Jazz zu improvisieren und auf andere einzugehen. Und außerdem: "Es macht Spaß, das Radio als musikalisches Medium zu nutzen und dass die Stücke jedesmal anders klingen", freut sich Ensemble-Mitglied Nils.