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Menschen: Mit Gebärdensprache zu den Böhsen Onkelz

Menschen : Mit Gebärdensprache zu den Böhsen Onkelz

Cindy Kling aus Maring-Noviand ist seit ihrem dritten Lebensjahr hörbehindert. Sie übersetzt Songs in Gebärdensprache. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben.

„Wer nicht sehen kann, trennt sich von Dingen, wer nicht hören kann, von den Menschen“, - das ist ein Sprichwort, dem Cindy Klink zustimmt. Es klingt sehr hart, aber sie hat es selbst erfahren. 30 Prozent Hörfähigkeit hat sie noch und mit ihren 21 Jahren, und schon einiges an persönlicher Ausgrenzung erfahren. Das fing schon im Kindergarten an. Sie war eine Außenseiterin „mit den bunten Ohren“, wie sie in ihrem Buch „Hören wird überbewertet“ schreibt. „Freunde hatte ich dort keine, ich erhielt gehässige Blicke und man warf mir Beleidigungen an den Kopf“, ist in einem Kapitel ihres Buches zu lesen. Heute meint sie: „Das ist schon fast 20 Jahre her und ich denke, heute würde man mit einem anderen Verständnis mit meiner Behinderung umgehen und den Kindern es besser erklären.“

Im Alltag sind es beispielsweise Durchsagen an Bahnhöfen, die Cindy Klink nicht hören kann, weswegen sie schon einmal in den falschen Zug eingestiegen und nach Dresden statt nach Frankfurt gefahren ist. Telefonieren geht ebenfalls nicht, deshalb kann sie manche Ärzte nicht kontaktieren, da diese nur ihre Telefonnummer angegeben haben, oder auf E-Mails kaum reagieren.

Cindy Klink spricht sehr gut und deutlich und kann damit mit dem Vorurteil, dass gehörlose Menschen nicht sprechen können, ganz schnell aufräumen. Ihre Großmutter hat ihr das Sprechen beigebracht, und sie erklärt: „Ich bin meiner Großmutter bis heute sehr dankbar, dass sie so hartnäckig mit mir gearbeitet hat. Aber auch alle anderen gehörlosen Menschen können mit Logopädie sprechen lernen.“ Durch Lippenlesen und die Gestik und Mimik ihrer Gegenüber kann sie problemlos Gespräche führen. Nur in Gruppen fällt es ihr schwer mitzukommen. „Das ist schade, wenn man dann so wenig Rücksicht nimmt. Ich muss die Menschen ansehen, damit ich sie verstehe. Wenn mehrere gleichzeitig sprechen, habe ich keine Chance am Gespräch teilzuhaben, aber viele interessiert das nicht.“ Deshalb besteht ihr Freundes- und Bekanntenkreis fast ausschließlich aus Hörgeschädigten. Das Buch hat sie geschrieben, um über Vorurteile gegen gehörlose Menschen aufzuklären und um zu zeigen, was es mit einem macht, ausgegrenzt zu werden.

Cindy Klink, hat neben ihrer Ausbildung in der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach ein großes Hobby - und das ist die Musik. „Ich kann die Musik durch die Bässe, das Tempo des Stücks und die Bewegungen der Musiker, beispielsweise wenn ausdrucksstarke Bläser dabei sind, gut spüren“, sagt sie. Zu ihren Lieblingsgruppen gehören die Böhsen Onkelz und Kontra K. Ihre Musik übersetzt sie in einem eigenen Internetkanal in Gebärdensprache. In den Videos ist sie draußen oder in ihrem Zuhause zu sehen, und sie übersetzt, während die Musik läuft, den Text in die Sprache der Gehörlosen. Bis zu 20 000 Menschen haben den Videos schon ein „Daumen hoch“ gegeben. „Viele Menschen schauen die Videos auch, weil sie die Gebärdensprache lernen wollen, weil es eine sehr ausdrucksstarke Zeichensprache ist“, erklärt sie. Auch die Böhsen Onkelz sind auf ihre Clips aufmerksam geworden. Sie haben sie eingeladen, zu einem „Meet and Greet“ und einem anschließenden Konzert. Ein großer Traum von ihr wäre, bei einer Band dabei zu sein und den Solisten während des Auftritts in Gebärdensprache zu begleiten.

Ihr 90-seitiges Buch hat sie innerhalb eines halben Jahres geschrieben und bisher viel Zustimmung erhalten. „Viele fanden es mutig und auch traurig, was ich geschrieben habe“, berichtet sie.

Das Buch mit dem Titel „Hören wird überbewertet“, ist im Jahr 2018 im Hirnkost-Verlag erschienen. Es hat 90 Seiten, 22 Kapitel und kostet zwölf Euro. Im Buchhandel ist es erhältlich unter der ISBN-Nummer: 9783947380107.