Mit hartem Stahl und viel Gefühl

Ausnahmezustand im Trierer Hafen: Trotz zugefrorener Wasseroberfläche müssen Schiffe versorgt werden. Die Rettung bringt das Bunkerboot "Günther", das der TV bei seiner Mission begleitet hat.

Trier-Ehrang. Nichts geht mehr an diesem Morgen. Der Eisbrecher steckt selbst im Eis fest. Mit schweren Eisenstangen hacken Schiffsführer Joachim Zimmermann und Matrose Christoph Tischer auf die gefrorene Wasseroberfläche rund ums Boot. Langsam, Zentimeter um Zentimeter, schaukelt sich das Bunkerboot frei. Am Kai gegenüber wartet die Kundschaft, um Treibstoff und mehr zu "bunkern".

Neben Koblenz ist der Trierer Hafen (siehe Extra) die einzige Schiffs-Tankstelle an der deutschen Mosel. Diesmal will die Besatzung des polnischen Frachtschiffs "Grunwald" die Dienste der Graue GmbH Bremerhaven und ihres Trierer Bunkerboots in Anspruch nehmen. "Meist betanken wir die Schiffe während der Fahrt auf der Mosel, damit sie keine Zeit verlieren", erklärt Zimmermann. Die "Grunwald" liegt jedoch in Ehrang vor Anker, um 1600 Tonnen Metallschrott der Firma Theo Steil zu laden und zum Recycling nach Frankreich zu bringen.

Wie schafft es ein Brecher durchs Eis? Bei dickeren Schichten steuert der Kapitän mit dem besonders stabil gebauten Bug auf die Eisscholle und zerdrückt sie durch das Eigengewicht des Schiffs. So geht es immer ein Stückchen weiter. Dabei dürfen keine Eisschollen in die Antriebsschrauben gelangen. "Man muss mit Gefühl rangehen und spüren, was möglich ist", erklärt Zimmermann. An der Seite der "Grunwald" wird die "Günther" mit Tauen festgebunden. Über Schläuche werden 13 000 Liter Diesel und 3000 Liter Wasser aufs Frachtschiff gepumpt. Außerdem im Angebot: Gasflaschen zum Kochen, Schmieröle, Farben, Filter, Reinigungsmittel und vieles mehr. Auch dringend benötigte Ersatzteile gelangen so an Bord.

"Günther" soll später zum Museumsschiff werden



"1997 war das Eis sogar 30 Zentimeter dick", erinnert sich Joachim Zimmermann. "Damals war die Mosel-Schifffahrt wochenlang komplett gesperrt." Geschichtsträchtig ist auch das Bunkerboot selbst. 1943 in Mannheim als Schlepper und Eisbrecher gebaut, wurde es 1952 umgebaut und seit 1963 im Trierer Hafen eingesetzt. Geht es eines Tages außer Dienst, möchte Zimmermann es gerne übernehmen und zu einem Museumsschiff machen. Der 52-Jährige aus Börfink im Hunsrück besitzt und betreibt das ehemalige Postschiff "Telegraaf IV", das als Party-Boot in Schweich ankert.

Zwei Motoren mit jeweils 125 Kilowatt und sechs Zylindern treiben die 22 Meter lange "Günther" an. Bei voller Kraft voraus fährt das Boot 16 Stundenkilometer.

2006 verkaufte Josef Bauer das gute Stück an die Graue GmbH. Administrator Christoph Tischer kümmert sich um die Abwicklung der Geschäfte vor Ort. Die Kunden bekommen einen Lieferschein und später eine Rechnung zugeschickt.

"Gut, dass uns das Bunkerboot trotz der Eisdecke beliefern kann", sagt ein Mitglied der "Grunwald"-Besatzung. Mit allem Nötigem versorgt und beladen, kann das Schiff seine Reise bald fortsetzen. Seite 16 EXTRA Hafen Trier: Die Trierer Hafengesellschaft wurde 1962 gegründet. Die Trägerschaft teilen sich heute das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt Trier und der Landkreis Trier-Saarburg. 1964 wurde die Mosel-Schifffahrt offiziell eröffnet. Es folgten Ansiedlungen zahlreicher Firmen im Hafen. 1995 begann die Errichtung des Güterverkehrszentrums Trier. 1997 wurde die Trierer Container Terminal GmbH gegründet. 2003 folgten die Vergrößerung des Hafenbeckens und der Bau einer neuen Umschlagstelle. Für 2008 meldet der Hafen einen Rekord: Der Jahresumschlag stieg auf, 1,16 Millionen Tonnen. (cus)