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Menschen: Mit Kreativität durch die Krise

Menschen : Mit Kreativität durch die Krise

Claudia Cartellieri ist Theaterpädagogin, Bühnenbildnerin, Schauspielerin und hat Orgelbau gelernt. In der alten Bahnmeisteri alten Bahnhof in Wittlich-Wengerohr, in der ihr Mann eine Galerie leitet, hat sie sich ein Atelier eingerichtet. Sie arbeitet momentan am Bühnenbild für ein Kindertheater.

Er sieht imposant aus und regt zum Nachdenken an: der Thron der bösen Hexe, an dem Claudia Cartellieri, von ihrem Umfeld „Geia“ genannt, gerade arbeitet. Die Sitzfläche ist aus alten Autoreifen, die Rückenlehne aus Plastikflaschen, mit Wäscheklammern und Bändern verziert. Cartellieri überlegt, ihn mit floralen Elementen zu verzieren, was sie aber nach Absprache mit Florian Burg, dem Regisseur von „Undine, die kleine Meerjungfrau“ wieder verwirft.

Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet sie mit Florian Burg zusammen, der die Kindertheater im Lottoforum und in der Tufa produziert und die alle zwei Jahre unter der Schirmherrschaft des „Sommerheckmeck“ stehen. Geia Cartellieri: „Erst war ich als Schauspielerin mit dabei, dann habe ich mich um die Requisiten gekümmert und kam so auch zur Gestaltung des Bühnenbilds.“ Ihr handwerkliches Geschick, das sie bereits bei ihrer Ausbildung zur Orgelbauerin, ausgelebt hat, kommt ihr dabei zugute. Sie sagt: „Im Orgelbau arbeitet man ja für die Ewigkeit. Auf das Handwerkliche, das ich gelernt habe, greife ich gerne zurück. Aber fürs Theater, wo es auch mal improvisiert sein darf, brenne ich“, sagt sie mit Nachdruck.

Die Corona-Krise war auch für sie nicht einfach: „Meine Kreativität hat mir geholfen. Alleine sieben Decken habe ich in dieser Zeit gehäkelt“, berichtet sie. Für sie war es schwierig, dass einige Stücke, wie etwa das Tufa-Märchen „Jeder, der Schneemann“ oder „Ein Känguru wie du“, indem es um Toleranz geht, nicht in Trier aufgeführt werden konnten. „Das war kein schönes Gefühl. Man hat sich nicht mehr getraut, sich auf etwas zu freuen, weil man nicht schon wieder durch eine Absage frustriert werden wollte“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. 

Doch jetzt scheint es zu klappen. Für Juli ist im Lottoforum auf dem Petrisberg im Rahmen des Sommerheckmeck das Kindertheater „Undine, die kleine Meerjungfrau“ geplant - mit Cartellieris Bühnenbild. Wie sie zu ihren Ideen kommt, Blumen aus Tetrapaks oder Spatzen aus gestrickten Pulswär­mern mit Wäscheklammern zu fertigen, weiß sie selbst nicht. „Ich lese mir das Drehbuch zu dem geplanten Stück durch und die ersten Bilder entstehen. Beim zweiten Lesen achte ich auf die Requisiten, die im Text stehen.“

Im anschließenden Gespräch mit dem Regisseur bringt sie ihre Vorstellungen ein und fängt an zu basteln. „Zwischendurch gehen Bilder hin und her, bis es für beide Seiten passt.“ In die heiße Phase geht es aber erst, wenn die Proben im Lottoforum beginnen. „Bei Undine wird man dort erst sehen, ob die Meereslandschaft, die aus drei Meter langen Ballonstoff-Bahnen gefertigt sind und die nach den Vorstellungen weggeräumt werden müssen, funktionieren – technisch und inhaltlich.“ 

Wichtig ist Cartellieri bei ihrer Arbeit, dass sich das Bühnenbild und die Requisiten im Spiel entwickeln. Als Beispiel nennt sie das Stück „Spatz Fritz“, bei dem es eine Wäscheleine gab, auf der allerlei Dinge hingen, die immer wieder in verschiedenen Szenen im Stück, genutzt wurden.

In der Galerie alte Bahnmeisterei in Wittlich-Wengerohr hat sie ihr Atelier. Das Gebäude teilt sie sich mit ihrem Mann, der dort eine zeitgenössische Galerie betreibt und die momentan eine Ausstellung von Clas Steinmann zeigt. In der Galerie sind neben wechselnden Ausstellungen auch Postkarten von Sonja Sünnen erhältlich, die sie gemeinsam mit Galeriebesitzer Daniel Hermann gestaltet.

Am 10. Juli ist Premiere von „Undine die kleine Meerjungfrau“ im Lottoforum auf dem Trierer Petrisberg. Anschließend wird bis zum 25.Juli täglich gespielt. Vorverkauf bei Ticket Regional.