Mit Leib und Seele Deutscher und engagiert

Mit Leib und Seele Deutscher und engagiert

Wahlkreiskandidat Ali Damar möchte für die Partei die Linke in den Landtag. Und auch zuhause ist das Thema Politik bestimmend. Zeit für Bücher und seinen Garten hat er trotzdem noch.

Wittlich. Es ist eben nichts anders als bei vielen anderen Wittlicher Familien. Darauf legt Ali Damar großen Wert. Er möchte für die Partei die Linke in den Mainzer Landtag. Und auch wenn er weiß, dass es mit dem Direktmandat im Wahlkreis Wittlich schwierig wird, ist er mit großem Ernst bei der Sache. "Politik hat schon immer mein Leben bestimmt", sagt der 40-Jährige, der in Süd-Anatolien geboren wurde. Politik ist ein Dauerthema im Hause Damar. Sie bestimmt sein Leben so sehr, dass es seiner Frau Ayse manchmal schon ein wenig zu viel wird, wie er zugibt. Auch bei einem Treffen mit dem TV-Redakteur, der eigentlich etwas über den Privatmann Ali Damar erfahren möchte.

Ein wenig anders als in vielen anderen Wittlicher Familien ist es dann doch. Während es bei Gesprächen dieser Art meist einen Kaffee und Plätzchen gibt, hat die Dame des Hauses dieses Mal ein Essen vorbereitet, dass nicht nur das Ehepaar Damar sowie Tochter Derya und Sohn Mehmet mehr als satt macht, sondern vermutlich auch noch für Mehmets gesamte D-Jugend-Mannschaft reichen würde. Dazu gibt es schwarzen Tee - am besten mit viel Zucker, mehrere Sorten Gebäck, Salat und weitere türkische Gerichte. Hungrig verlässt wohl kein Gast die Wohnung der Familie, in der Gastfreundschaft groß geschrieben wird.

Zu Beginn des Besuchs ist erst einmal von Derya und Mehmet nichts zu sehen. Sie halten zurück und warten ab. Und zu hören ist auch nichts - vom Lärm der vielen Autos, die auf der Wittlicher Friedrichstraße unterwegs sind und an der das Haus mit der Wohnung der Damars liegt.

Erst in der Türkei und dann in Deutschland aktiv



Doch dann schauen Grundschülerin Derya und Realschüler Mehmet doch vorbei - die Neugier und das gute Essen der Mutter sind offensichtlich doch größer als erwartet.

Auf die Frage, was Ali Damar in seiner Freizeit macht, muss der 40-Jährige nicht lange nachdenken. "Politik", sagt der Mann, der schon in der Türkei in der sozialistischen Arbeiterpartei aktiv war. 2002 kam er dann nach Deutschland. Vor allem wegen der wirtschaftlichen, "aber auch wegen der politischen Situation", sagt Damar.

Bücher mit politischen Themen sind es dann auch, die einen Großteil seines Buchbestands ausmachen. "Ich habe rund 700 Bücher in meiner Bibliothek", sagt Ali Damar. Ein Großteil davon in türkischer Sprache, jedoch rund ein Drittel auf Deutsch.

Derzeit arbeit der gelernte Restaurantfachmann bei einem Betrieb aus der Fensterbaubranche in der Produktion. Falls er daneben nicht noch politisch oder als Stadtrat aktiv ist, kümmert er sich um seinen Garten im nahen Lüxem. Dort baut er Obst und Gemüse an. Mit großer Begeisterung, wie man seinem Bericht über die Ernte anmerkt.

Beim Fußball schlagen zwei Herzen in seiner Brust



Und während er so erzählt, fällt dem Wittlicher die Kommunikation in der ihm bis 2002 unbekannten Sprache immer leichter. Anders sieht das aus, wenn er einer Rede vor dem Stadtrat halten muss. Doch Ali Damar lässt sich davon nicht beirren. Er will mitgestalten und engagiert sich. Diese Haltung wünscht er sich auch von vielen seiner türkischstämmigen Mitbürger, sagt der Mann, für den es keine Frage war, ob er die türkische Staatsbürgerschaft neben der deutschen behalten soll.

Das bedeutet jedoch nicht, dass er seiner alten Heimat vollends abgeschworen hat. Die Frage, für wen sein Herz bei einem Fußballspiel zwischen Deutschland und der Türkei schlägt "habe ich schon so oft gehört", sagt Damar und lacht. Die Antwort ist so komfortabel wie einfach "Meine Mannschaft gewinnt immer", sagt der 40-Jährige.

Mehr von Volksfreund