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Mit Maschinen quer durch Steilstlagen

Mit Maschinen quer durch Steilstlagen

Wolfer Goldgrube haben jetzt Querterrassen. Das ist ein Novum außerhalb der Terrassenmosel.

Traben-Trarbach-Wolf In der Wolfer Goldgrube, einer berühmten Steillage, kommen erstmals Maschinen zum Einsatz. Ein Tiroler Fachunternehmen hat dort Querterrassen angelegt - mit Rebstöcken, die sich entlang sehr schmaler Wege reihen. Anders als an der Untermosel, der sogenannten Terrassenmosel, ist das an der Mittelmosel neu - zumindest so wie es nun in Wolf realisiert wurde (siehe Infokasten).
Der Vorteil von Querterrassen ist, dass sie sich leichter bewirtschaften lassen. Trauben können bequemer gelesen und Böden mithilfe spezieller Schmalspurschlepper maschinell bearbeitet und gepflegt werden.
In der steilen Goldgrube war das bisher nicht möglich. Die in traditioneller "Falllinie" bepflanzten Weinberge konnten selbst mit seilgezogenen Spezialraupen nicht bewirtschaftet werden. Denn oberhalb der Weinberge fehlt der dafür unverzichtbare Weg.
Damit steigen dank Querterrassen die Chancen, dass sich weiterhin Winzer finden, die bereit sind, solche Steilstlagen zu bewirtschaften. Entscheidend dafür ist nicht nur die komfortablere Bearbeitung. Wichtig ist auch, dass dank der nur 1,1 Meter bis höchstens 1,4 Meter schmalen Wege mehr Platz für Rebstöcke bleibt.
In der Goldgrube konnten sie in einer wirtschaftlich vertretbaren Zahl angepflanzt werden. Für die Winzer vor Ort war das entscheidend, als sie sich für das Projekt entschieden. Umgesetzt wird es im Zuge eines förmlichen Flurbereinigungsverfahrens unter Leitung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel.
In Spitzenlagen wie der Goldgrube schreckt es besonders ab, Stöcke zu reduzieren oder den Ertrag durch größere Erdbewegungen zu gefährden, erklärt Winzer Markus Boor. Er ist Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft (TG) des Verfahrens. Die TG ist vorübergehende Eigentümerin der Fläche mit etlichen Besitzern - aber nur einer Handvoll bewirtschaftender Winzer.
Vorbild für das Projekt waren laut Ulrike Boor Weinberge in Südtirol. Von dort stammt auch die Fachfirma, die mit speziellen Baggern binnen acht Wochen in der Goldgrube Querterrassen mit nur einem schräg bergan verlaufenden Auffahrtsweg anlegte.
Wegen der schwierigen Bodenverhältnisse begleitete laut Markus Boor ein Geologe die Arbeiten. Denn anfangs gab es im DLR Bedenken, ob sich Querterrassen in einer solchen Steillage überhaupt realisieren lassen. Inzwischen sind bereits Rebstöcke gepflanzt: je Hektar etwa 5000 Pflanzen statt annähernd 7000 in traditionell bepflanzten Steillagen. Dank angesäter Wildsamen spezieller Gräser und Kräuter sind die Böschungen sogar schon wieder grün.Extra: QUERTERRASSEN


Die Goldgrube-Querterrasse ist die erste ihrer Art "außerhalb der Terrassenmosel", betont Uwe Thömmes vom DLR. Es gebe zwar Versuchsanlagen wie in Kinheim und Zeltingen-Rachtig. Doch dort seien die Wege breiter. Der Vorteil der Wolfer Terrassen sei, dass sie sich auch für Steillagen in Rutschgebieten eigneten. Die einzige Alternative für die Goldgrube - ein zusätzlicher vier bis fünf Meter breiter Weg oberhalb der Weinberge - wäre wegen erforderlicher Stützmauern schlichtweg nicht finanzierbar gewesen. Die nun umgesetzte Idee stammt aus der Schweiz und Norditalien und war bis vor drei Jahren kaum bekannt. Laut Claudia Strauch, die das Verfahren für die DLR leitet, ist die Goldgrube das erste Projekt von drei geplanten. Weitere Querterrassen sind auf der gleichen Moselseite auf Höhe der alten Moselbrücke Wolf sowie oberhalb der Einfahrt zur Goldgrube vorgesehen.