Mit neuer Form ins Schwarze getroffen

Mit neuer Form ins Schwarze getroffen

Wandelkonzerte sind Veranstaltungen mit Bewegung. Sie sind beliebt, weil sie keinen so statischen Charakter haben. Einen neuen Weg in diesem Genre ging nun mit Erfolg das Mosel Musikfestival.

Bernkastel-Wehlen/Ürzig. Man kennt sie, die Wandelkonzerte des Mosel Musikfestivals. In der Regel sind das drei verschiedene Spielorte, an denen Musiker postiert sind, und das Publikum wechselt von einem Ort zum anderen. Intendant Hermann Lewen praktiziert das schon seit vielen Jahren.
Prinzip auf den Kopf gestellt


Ob, wie kürzlich, im Cusanusstift in Bernkastel-Kues (der TV berichtete) oder mit der "Langen Nacht der alten Musik" in der Konstantin-Basilika, dem Caspar-Olevian-Saal und dem Kurfürstlichen Palais in Trier.
In diesem Jahr hat Lewen sich etwas Neues einfallen lassen, das Prinzip der Wandelkonzerte auf den Kopf gestellt. Nicht das Publikum muss sich auf den Weg machen, sondern die Musiker kommen zu den Zuhörern. Und noch eine Neuerung gab es. Nicht in einer Kirche oder einem Konzertsaal, sondern in Weingütern fanden die Konzerte statt. Schließlich lautet das Motto 2011 "Weinberg der Klassik" und die Verbundenheit zur Region stand ja schon immer ganz zentral im Blick des Festivals. Als Spielstätten hatte Lewen die Weingüter Martin Kerpen in Wehlen sowie den Rebenhof und den Mönchhof in Ürzig ausgesucht. Lewen: "Die Problematik, die sich hier ergibt, besteht in den Räumlichkeiten. Wir brauchen immer auch eine Schlechtwetter alternative. Weingüter, die uns einen großen Innenhof bieten können, gibt es etliche. Aber wohin bei Regen?" Eine berechtigte Frage, denn beim ersten Abend unter dem Motto "Musik zwischen den Fässern" kamen immerhin über 350 Musikfreunde, die sich das Event nicht entgehen lassen wollten.
Der ganze Abend wurde ein durchschlagender Erfolg und das Publikum konnte auf verschiedenste Weise genießen. Wein und Musik gingen hier eine optimale Symbiose ein und manchmal stellte sich die Frage, wer jetzt eigentlich im Vordergrund stand.
Musik und Wein ergänzen sich


War es das Klarinettenquintett Blattgold mit Evelyn Achtenhagen, Benjamin Hummel, Hanno Pilz und Frederike Roth, das auf humorvolle und musikalisch exquisite Art von Mozart bis Tango Kurzweil verbreitete, oder war es die Riesling Spätlese. War es der Kabinett oder waren es die teilweise recht schlüpfrigen Volkslieder, die das Trio Manfred Ulrich, Thomas Kaggerman und Wolfram Cramer von Clausbruch zu Gehör brachte. Waren es Hermann Stute, Hermann Theiß, Michael Kempf, Reimund Berg, Peter Jakobs und Peter Rockel, zusammen die Running Wild Dixieland Band, die swingend das Publikum für sich einnahm, oder war es doch die beschwingende Wirkung des Rebensaftes. Egal was es war. Mit der neuen Konzertform hat das Festival wieder einmal ins Schwarze getroffen und gezeigt, dass Musik und Wein bestens miteinander harmonieren. So gut, dass manch einer, obwohl das offizielle Programm längst beendet war, gar nicht mehr nach Hause wollte. gkl

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