Mit Ochsenblut zum Sieg geradelt

Opel ist derzeit in aller Munde, und auch Hugo Fritzen aus Reil kann mitreden: Fast 50 Jahre lang stand auf dem Dachboden das Rad seines Vaters Leo, das 84 Jahre auf den hölzernen Felgen hat und sich bei vielen Rennen in den 20er Jahren bewährte. Dem TV stellte Hugo Fritzen (66) jetzt das einstmals stolze Rennrad der Marke Opel vor.

Reil. Leo Fritzen wurde 1905 in Kövenig geboren und machte in Trier eine Metzgerlehre. Dort kaufte er 1925 das Rennrad und schloss sich dem Radfahrerverband "Schwalbe Trier" an. "Der Vater wohnte dort im Gasthaus und war damals Junge für alles", erzählt Sohn Hugo und berichtet, dass der Gastwirt eine Jagdpacht im Hochwald hatte. Und so gehörte es auch zu den Aufgaben des Vaters, das erlegte Wild per Rad an die Mosel zu bringen. Leo Fritzen besaß auch ein normales Fahrrad, aber besonders stolz war er auf sein Opel-Rennrad mit der Gestell-Nummer 1585544 und dem Aufdruck "Das hat der traditionelle Sieger".

Tatsächlich radelte er von Sieg zu Sieg, und Sohn Hugo zeigt stolz die vielen Urkunden in großen Eichenrahmen. Den zweiten Preis errang er beim 80-Kilometer-Rennen des Radler-Clubs "Sturmwind Cröv" am 8. April 1926. Die Fahrzeit ist penibel auf der Urkunde vermerkt "2 Stunden, 15 Minuten, 1 Sekunde". Im Juli des Folgejahres errang Fritzen beim 80-Kilometer-Rennen des Radler-Clubs "Diamant Trier" wieder den zweiten Platz, und 150 Kilometer bewältigte er 1929 in fünf Stunden, 52 Minuten und einer Sekunde. Die Kette des Rades mit vier Gängen musste seinerzeit von Hand umgesteckt werden, der vernickelte Lenker hatte an seinen Enden Holzknäufe, und auf den Pedalen sind noch die Lederschlaufen erhalten. Der Sattel kam im Laufe der Jahrzehnte abhanden. "Das Rad zu restaurieren, wäre viel Arbeit", meint Hugo Fritzen, der selbst mit Radeln nichts am Hute hat. Sein Vater hingegen, der mit Ehefrau Elisabeth später in Reil lebte, liebte es auch noch im Alter. "In jeden Wingert fuhr er auf seinem alten Drahtesel, man hat ihn immer mit dem Fahrrad gesehen", erzählt Nachbar Albert Wenker über den 1986 verstorbenen Leo Fritzen. Das Rennrad jedoch staubte auf dem Dachboden ein. "Früher haben die auch schon gedopt", merkt Hugo Fritzen fast etwas verlegen an und rückt dann mit der Sprache heraus: Ochsenblut habe der Vater vor den Rennen getrunken. "Ich weiß nicht, ob es gewirkt hat, aber damals haben sie dran geglaubt", sagt er schmunzelnd.