Mit Pappschildern auf Stimmenfang

Der Landtagswahlkampf geht in den Endspurt. Auch im Kreis Bernkastel-Wittlich ist das nicht zu übersehen. Doch wie teuer sind die Plakate, und bewirken sie überhaupt etwas? Der TV hat nachgefragt.

Lächelnde Gesichter so weit das Auge reicht: Täglich laufen die Wittlicher an ihnen vorbei. Politiker-Porträts hängen an Littfasssäulen und Laternenmasten überall in der Kreisstadt und der Region.

Aufgehängt wurde die Wahlwerbung bereits vor Wochen, doch schon bald wird sie wieder verschwunden sein. Das Anbringen und Abreißen der Plakate übernehmen Freiwillige aus den Ortsvereinen der Parteien. Geld bekommen sie dafür nicht. Für die Parteien im Kreis entstehen aber trotzdem Kosten. Zwar stemmen die Landesverbände einen Großteil - die Plakate mit den lokalen Kandidaten müssen die Kreisverbände aber aus eigener Kasse finanzieren. Wie viel investiert wird, ist unterschiedlich.

Die Kosten liegen zwischen wenigen hundert und mehreren tausend Euro. Am wenigsten haben die Linken ausgegeben (400 Euro). Für die Partei waren im gesamten Kreisgebiet lediglich sechs Freiwillige unterwegs. Die CDU hingegen hat für die Wahlwerbung das größte Budget zur Verfügung gestellt. Rund 100 Helfer haben für etwa 3700 Euro plakatiert.

Auch die FDP lässt sich die Werbung für die Landtagswahl einiges kosten. Die Liberalen gehen mit mehr als 1000 Plakaten für etwa 1500 Euro ins Rennen. Nach vielen Niederlagen wollen die Liberalen wieder in den Landtag. Das stellt Marvin Stablo, Vorsitzender der FDP Wittlich, klar: "Gerade für uns sind die knalligen Plakate als ein ‚Wir sind noch da!' zu verstehen.

Die SPD und die Grünen im Kreis haben dem TV keine konkreten Auskünfte über ihre Ausgaben erteilt. Auch die Alternative für Deutschland will ihre Kosten nicht angeben. Teurer könnte es für die rechtspopulistische Partei geworden sein, weil sie ihre Werbung teils mehr als einmal aufhängen musste. Direktkandidatin Brigitte Hoffmann beklagt sich darüber, dass die Plakate immer wieder übermalt oder abgerissen würden.

Diese Problematik betrifft auch die NPD. Um ein Statement zu setzen hat die rechte Partei vermehrt Plakate mit dem Slogan "Konsequent Abschieben" in der Nähe der Wittlicher Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber aufgehängt. Dass bei der Auswahl der Standorte Strategien verfolgt werden, sei nicht ungewöhnlich, sagt Politikwissenschaftler Uwe Jun von der Universität Trier. Dabei gebe es einen Unterschied zwischen kleinen und großen Parteien. Demnach stellen SPD, CDU & Co. ihre Werbung vor allem in Durchfahrtsstraßen und Kreuzungen zur Schau. Kleinere Parteien hängen ihre Plakate vor allem in den Wohngebieten auf,wo sie ihre Unterstützer vermuten, so der Parteienexperte. Aber lohnt sich der Aufwand am Ende überhaupt?

Jun ist skeptisch: "Eine zentrale Rolle spielen die Plakate bei der Wahl nicht." Studien belegten, dass die Plakate die Wahlentscheidung der Bürger kaum beeinflussten. Schließlich blieben Autofahrer und Fußgänger nur selten stehen, um sie sich anzusehen. Wesentlich effektiver seien dagegen Online-Banner, glaubt der Politikprofessor. Denn Internetnutzer ließen sich in der Regel mehr Zeit, um die Werbung zu betrachten.

Kommentar
Christian Altmayer


Plakatwerbung ist, nach Meinung von Experten, alles andere als wahlentscheidend. Das hält Parteien aber Jahr für Jahr nicht davon ab Städte und Dörfer für Tausende von Euros mit ihren Pappbannern vollzukleben. Und mögen die Themen auch andere sein als 2011- es bleibt bei Porträts und austauschbaren Slogans. Hätten sich die Kandidaten nicht geändert, wäre es wohl kaum aufgefallen, wenn SPD, CDU und CO. die Plakate von 2011 wieder aufgehängt hätten. Dieses Mal haben sich die Parteien bei der Gestaltung allerdings noch weniger Mühe gegeben als vor fünf Jahren.

Sowohl Union als auch Sozialdemokraten schmücken die Fotos ihrer Vorzeigedamen mit Schlagworten: "Erfahrung" und "Verlässlichkeit" trifft auf "frischen Schwung" und "neue Kraft". Klöckner kann offenbar "zuhören" und "begeistern", Dreyer steht für "Verantwortung" und "Zusammenhalt". Würde jemand diese Phrasen austauschen, würden es die Wähler vermutlich noch nicht einmal bemerken. Warum sollte Dreyer nicht zuhören können, Klöckner nicht verlässlich sein? Politische Inhalte spielen keine Rolle - sie werden von den beiden Frauen einfach weggelächelt.

Bei den Linken wäre diese Strategie wohl nicht aufgegangen.Jochen Bülow und Katrin Meß, die Spitzenkandidaten der Partei, werden die wenigsten Rheinland-Pfälzer kennen. Statt eigenem Personal hat die Partei deshalb kurzerhand den Papst aufs Papier gedruckt. Ob der Pontifex überhaupt informiert ist? Wenn das so weitergeht, sehen wir bei der nächsten Bundestagswahl vielleicht Albert Einstein oder Mahatma Gandhi an der Littfasssäule hängen. Die können sich wenigstens nicht mehr beschweren.

Sex sells - dachten sich wohl die Freien Wähler. Um ein Thema wie Bahnlärm, das so garnicht sexy klingt, ansprechend zu vermarkten, haben die Parteilosen ihre Plakate mit einer jungen Frau dekoriert. Da können die Direktkandidaten Matthias Schneider und Ulrich Müller optisch leider nicht mithalten.

Dass die Plakate von Jahr zu Jahr schlechter werden, ist eigentlich kein Drama. Denn eines ist doch klar: Niemand trifft seine Wahlentscheidung aufgrund eines Pappschildes. Aber könnten sich die Parteien das Geld und den Aufwand dann nicht sparen?