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Mit Pferd und Maultier durch Brasilien

Mit Pferd und Maultier durch Brasilien

WITTLICH-LÜXEM. (peg) Elf Jahre lang arbeitete Rosemarie Metz in Brasilien. Ein halbes Leben lang ist sie bereits zurück in Deutschland. Ihr Einsatz für die Armen hat jedoch nie aufgehört.

Nichts liegt ihr ferner, als die Armut zu romantisieren. Dafür hat Rosemarie Metz sie viel zu gut kennen gelernt. Dennoch, wenn sie von Brasilien erzählt, haben neben den schrecklichen Dingen auch die schönen Erlebnisse ihren festen Platz. Zum Beispiel die Geschichte von den Erstkommunionkindern in Buraco Quente, einem Slum von São Paulo. "Wir unterhielten uns über eine ganz schrumpelige, alte Frau", erzählt die ehemalige katholische Seelsorgehelferin. Das entspreche dem heutigen Berufsbild der Gemeindehelferin. Deutsche Kinder, inzwischen rund um die Uhr von fragwürdigen Schönheitsidealen bombardiert, würden sich vermutlich an eine Hexe erinnert fühlen, vermutet Metz. "Dort schwärmte eines der Kinder: ,Die ist sooo schön!'" Das sei damals eine kleine, aber entscheidende Begegnung gewesen. Geschichten wie diese hatten sie 1958 dazu bewogen, nach einem ersten Aufenthalt Anfang der 50er Jahre noch einmal nach Brasilien zu gehen. 1967 kehrte sie zurück, weil ihre Mutter sie dringend brauchte. Das Leben der in Düsseldorf aufgewachsenen Frau hat viele Farben. Insgesamt absolvierte sie drei Ausbildungen: eine zur Landwirtin, eine zur Seelsorgehelferin, und später schloss sie ein Studium der Sozialarbeit an. Zurück in Düsseldorf wollte sie im Gefängnis arbeiten. Heraus kam dann das Jugendamt in Wittlich. Metz war immer flexibel: Das hat sie spätestens in Brasilien gelernt. Lange Jahre lebte sie im tropischen Alcantara, inmitten eines bunten Völkergemischs, ohne Ärzte, mit Bischöfen ohne Sutane, mit Malariaanfällen, Hängematte, Pferd oder Maultier und Unmengen von Fledermäusen. In den Tropen ist das ein anderes Kaliber als in Westeuropa. Auf ihren Ritten durch den Dschungel, wenn sie wieder einmal versuchte, Männer für die von ihr gegründete "Leader-School" zu rekrutieren, schlief Rosemarie Metz stets ganz nahe beim Pferd, um die Blutsauger zu vertreiben. Die Alternative waren "Busse": Wackelige LKW mit offenen Pritschen. Rosemarie Metz hat die Zeit des Konzils mitgemacht, als die Befreiungskirche bestrebt war, den oft isoliert lebenden südamerikanischen Gläubigen ein Höchstmaß an Selbstständigkeit mit auf den Weg zu geben. Dinge selbst in die Hand nehmen, auch die Feier von Gottesdiensten - daran hat Metz mitgearbeitet, am Ende ihrer Zeit in Brasilien finanziert von Adveniat und Misereor. Das Projekt ist eingegangen, passend zum herrschenden Zeitgeist. Mit Verantwortlichkeiten für Laien wird wieder gegeizt. Doch Metz jammert auch im Alter nicht, schimpft höchstens und packt vor allem weiterhin an. Seit vielen Jahren unterstützt sie das Projekt "Cristo Rei", übersetzt Christkönig, in Fortaleza im Nordosten des Landes. Besonders zuverlässig sammeln die Lüxemer Kinder mit: An jedem Erntedankfest klingeln sie mit ihren Bollerwagen an allen Häusern (der TV berichtete). Für mehr als 200 Kinder - teils interne, teils externe - bedeutet die Schule Cristo Rei Hoffnung auf ein Stück Normalität im Erwachsenenalter. Sie lernen lesen, schreiben, vernünftig essen und manches Handwerk. "Ein Junge ist sogar Arzt geworden." 1992 war Metz zum letzten Mal selbst dort. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass die zwischenzeitlich geschlossene Schreinerei wieder eröffnen konnte. Dringende Hilfe benötigt zurzeit der 11-jährige Eugenio aus Fortaleza: Die Tumore in seinem Kopf müssen rasch in einer Spezialklinik behandelt werden. Wer helfen möchte, kann sich mit Rosemarie Metz in Verbindung setzen unter Telefon 06571/5523.