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Mit Saxofon und Posaune zu 2000 Proben

 Hans Neumann (links ) und Norbert Hower inmitten der Winzerkapelle Platten, bei der sie seit 60 Jahren aktiv sind. TV-Foto: Christina Bents
Hans Neumann (links ) und Norbert Hower inmitten der Winzerkapelle Platten, bei der sie seit 60 Jahren aktiv sind. TV-Foto: Christina Bents FOTO: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"
Platten. Viel erlebt haben Hans Neumann und Norbert Hower mit der Winzerkapelle Platten. Sie sind schon seit der Gründung aktiv. Mit dem Lastwagen sind sie anfangs zu Auftritten gefahren, und zunächst wurden selbst geschriebene Pfundnoten gespielt. Christina Bents

Platten. Jürgen Lejeune, Dirigent der Winzerkapelle Platten, hebt seinen Taktstock, und die 42 Musiker beginnen, sich einzuspielen. Mit dabei sind ein Elfjähriger, der kurz vor seinem ersten Konzert steht, sowie die Urgesteine, Hans Neumann am Tenorsaxofon und Norbert Hower an der Posaune. Die beiden haben schon mehr als 100 Konzerte mitgespielt, in den vergangenen 60 Jahren an mehr als 2000 Proben teilgenommen und sieben Dirigenten erlebt.
Klarinette in Raten gezahlt


An die Anfänge erinnern sich beide noch gut. Hans Neumann, der 14 Jahre Vorsitzender des Vereins war, weiß noch, dass Leo Neidhöfer mit einigen anderen, die Initiative für die Gründung des Musikvereins ergriff. "Damals hatten die Menschen kaum Geld, um ein Instrument zu kaufen. Die Firma Rech hat die Instrumente vorfinanziert und ich habe meine Klarinette in Raten von fünf und zehn Mark an den Verein zurück bezahlt."
Norbert Hower ergänzt: "Trotzdem war die Begeisterung für den neuen Verein groß, denn es gab ja nicht viel." Die Ausbildung der Blechbläser hatte damals Wilhelm Kranz übernommen. Die Holzbläser wurden von einem Kollegen aus dem Wittlicher Blasorchester geschult. Nach drei Monaten war dann der erste Auftritt bei der Fronleichnamsprozession. Anschließend spielten sie beim Sängerfest in Wittlich-Bombogen.
"Das war ja damals nicht selbstverständlich, dass bei einem Fest ein Musikverein mitgewirkt hat", sagt Hower, der im Laufe der Jahrzehnte Trompete, Saxofon, Tuba und schließlich Posaune gespielt hat. "Was gebraucht wurde, habe ich gespielt", sagt er.
Hans Neumann hat mit Klarinette angefangen und dann auf das Tenorsaxofon gewechselt. "Die ersten Stücke hat Dirigent Kranz selbst geschrieben, mit vielen Pfundnoten, die halbe Notenwerte hatten, weil die für uns einfach zu spielen waren", wissen beide noch.
Lachen müssen Hower und Neumann, wenn sie daran denken, wie sie damals zu den Auftritten kamen - mit einem Lastwagen, auf dessen Ladefläche die Vereinsmitglieder saßen.
Die beiden haben mit der Kapelle gute und schwierige Zeiten miterlebt: Dazu gehörten Musikfeste mit 1000 Quadratmeter großen Zelten und Jahre, in denen man mit wenigen Musikern auskommen musste. Aber der Verein hat mit viel Durchhaltevermögen und Jugendarbeit viel erreicht.
Geändert hat sich in den sechs Jahrzehnten die Ausbildung, die Neumann und Hower aktuell als perfekt bezeichnen. Zudem habe sich auch das musikalische Niveau erhöht.
"Früher wurde leichte Unterhaltungsmusik gespielt, jetzt sind es meist Mittelstufenliteratur und konzertante Stücke, die auf die Notenständer kommen", sagt Hans Neumann. "Wir spielen anspruchsvolle Stücke, aber wir haben einen Dirigenten, der uns motiviert und bei dem die Musiker mitziehen", fügt er an. So können sich die Spieler, die vor ihrem ersten Konzert stehen und die, die schon bei Hunderten von Auftritten dabei waren, auf das Jubiläumskonzert freuen.Extra

Das Jubiläumskonzert findet am Sonntag, 18. Dezember, um 15 Uhr im Barocksaal von Kloster Machern statt. Gründungstag der Winzerkapelle Platten ist der 12. Februar 1956. Mit 30 Musikern ist der Verein gestartet, heute sind es 42. In der Ausbildung sind 20 Jugendliche, die mit Lieser in einem Jugendorchester spielen können. Im Jahr hat der Verein durchschnittlich 15 Auftritte. Das Jubiläum wurde bereits mit einem Jahreskonzert im April dieses Jahres und einem Fest im Juni gefeiert. Erster Vorsitzender ist Werner Hower, Dirigent ist Jürgen Lejeune. chb