Mit Trommeln, Trompeten und Böllerschüssen

Mit Trommeln, Trompeten und Böllerschüssen

Vor 40 Jahren haben passionierte Musiker den Kolping-Fanfarenzug der Bernkasteler Bürgerwehr gegründet. Seither ist er von großen Festen und Umzügen wie an der Mosel nicht mehr wegzudenken. Den runden Geburtstag ihres heute selbstständigen Vereins wollen die Musiker stilecht feiern.

Bernkastel-Kues. Ohne die Bernkasteler Bürgerwehr würde bei Großveranstaltungen wie dem Weinfest der Mittelmosel etwas fehlen. Wenn die Musiker mit Trommeln, Trompeten und Fanfaren durch die Stadt ziehen, sind ihnen Aufmerksamkeit und Applaus der Passanten gewiss. Denn der ursprüngliche "Kolping"-Fanfarenzug kann sich auch sehen lassen. Die Uniformen in den historischen Stadtfarben Schwarz-Gelb sind denen schwedischer Truppen im Dreißigjährigen Krieg nachempfunden. Vor den mittelalterlichen Fassaden kommen sie optimal zur Geltung. Die ersten Uniformen hatten Frauen der Pfarrei St. Michael genäht. Genauer, die frühere Paramentengruppe, die auch die Messgewänder in Ordnung hielt. Den Stoff sponserte zweimal ein großes Textilhaus in Bernkastel-Kues.
Heute müssen die Musiker die rund 300 Euro pro Uniform - Hut und Stiefel nicht eingerechnet - selbst einspielen. Laut Trommler Otto Oster, der mit Bläser Joss Haubrich die Gruppe leitet, ist das eine Herausforderung. Durch die von schweren Ledergürteln gehaltenen Trommeln ist der Samt der Kleidung in drei, spätestens vier Jahren verschlissen. Außerdem müssen auch Instrumente neu gekauft werden. Eine Trommel kostet 500 bis 600 Euro, ein Kornett, eine trompetenähnliches Horn, 800 bis 1200 Euro. Gagen wie für Auftritte beim Weinfest, in der Partnerstadt Karlsbad oder in anderen Orten, die den Fanfarenzug für Umzüge und Feste engagieren, sind daher unverzichtbar.
Der von acht Förderern unterstützte Verein finanziere sich aus Gagen und Mitgliedsbeiträgen, erklärt Oster. Er und Haubrich stehen bei Auftritten der 25 Aktiven meist nebeneinander, was laut Oster wichtig ist für die stimmige Kommunikation von Bläsern und Trommlern. Ebenfalls von Anfang an (siehe Extra) mit dabei ist Lothar Marmann. Er spielt die Fanfare, eine in der Tonart Es gestimmte Naturton-Trompete ohne Ventile. Was die Musiker, die auch immer gern mit Böllerschüssen beeindrucken, zusammenschweißt, ist ihre Begeisterung für Musik und ihr Spaß an der Umzugs-Atmosphäre. "Wir sind ein lockerer Haufen", hofft Oster, dass jüngere Kollegen dem Fanfarenzug weiterhin die Treue halten.
Ihren runden Geburtstag will die Bürgerwehr, ein wichtiger Werbeträger der Stadt, stilecht feiern. Und zwar am Wochenende vor dem Bernkasteler Weinfest (29. August bis 2. September) am Karlsbader Platz, wo dann schon die Bühne aufgebaut sein wird. Am Samstag und Sonntag, 24. und 25. August, und eventuell auch tags zuvor sollen dort Musik-Gruppen auftreten.
Extra

Initiatoren des heute selbstständigen Vereins "Fanfarenzug Bernkasteler Bürgerwehr 1848 e.V." waren der langjährige Leiter Wolfgang Gilles und Norbert Töpfer. Sie hatten bei jungen Leuten der Jung-Kolping-Gruppe für ein solches Ensemble geworben. Binnen zwei Jahren brachte Gilles ihnen das Fanfarenspiel bei. Der erste offizielle Auftritt war am Ostersonntag 1973 auf dem Marktplatz von Bernkastel. Der damalige Vorsitzende der Bernkasteler Kolpingfamilie, Bürgermeister Peter Boeck, stellte die Bürgerwehr der Jung-Kolping-Gruppe vor. Dabei erinnerte er an die reale Bürgerwehr des Revolutionsjahres 1848. Von ihrer Existenz zeugen Zettel, auf denen Musketen und Kugeln angefordert werden. Die Fahne der historischen Bürgerwehr Bernkasteler Bürger hängt heute im Heimatmuseum Graacher Tor. urs

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