Mit zehn Kindern immer was los

SALMTAL. Mit fröhlichem Lachen begrüßt Maria Heide die Schüler aus der 8c und 8d. "Ja, wo soll ich anfangen? Früher war eigentlich alles anders”, meint sie nachdenklich. Sie wurde am 23. August 1936 als siebtes von zehn Kindern in Adamshof in Mecklenburg geboren.

Wie ihre Mutter die Arbeit mit den vielen Kindern geschafft hat? "Das war damals die Regel. Fast alle Familien hatten viele Kinder”, erklärt sie. Man kochte einfach Suppe oder Eintopf, oft saßen 15 Leute am Tisch. Die meisten Lebensmittel wurden auf dem Bauernhof selbst erzeugt, das eigene Getreide wurde in der Mühle zu Mehl verarbeitet. Auch sonst war in den Familien damals der Alltag gut organisiert. Samstags war Badetag. Frau Heide schmunzelt: "Das Wasser wurde nicht wie heute ständig gewechselt, sondern die ganze Familie badete abwechselnd darin.” Die Kinder mussten schon früh mit anpacken. Auf dem Feld ernteten sie die Rüben und sammelten Kartoffeln auf. Schon mit sieben Jahren konnte die kleine Maria spinnen und stricken, denn auch die Kleidung wurde selbst genäht und ausgebessert. Für Hausaufgaben blieb nur abends Zeit. Die Leseratte musste mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen. Ab und zu musste auch jemand die Nacht bei der Oma verbringen. Der zwei Kilometer lange Schulweg war damals für die Kinder beschwerlich; Schulbusse kannte man nicht. Um die Kleidung zu schonen, trugen die Mädchen eine Schürze. Nachmittags gingen sie noch mal den selben Weg zum Unterricht ins Pfarrhaus, wo der heimliche Religionsunterricht stattfand. In der Nazizeit war er in der Schule verboten. Mit 14 war die Schulzeit beendet. Möglichkeiten zum Besuch einer weiterführenden Schule gab es nicht. So blieb der Wunsch, Lehrerin zu werden, ein Traum. Sie lernte in der Landwirtschaft. Mit 16 Jahren machte sie die Gesellenprüfung. Danach wurde sie Hilfskraft im Büro. Schon nach einem Jahr war sie bereits Sachbearbeiterin. In der Familie galt Büroarbeit als weniger anstrengend, deshalb musste sie nach Feierabend noch auf dem Hof arbeiten. Die sieben Kilometer zu ihrer Arbeit meisterte sie jeden Tag mit dem Fahrrad. In der DDR durfte sie nach dem Krieg wegen der fehlenden Jugendweihe keine Ausbildung in ihrem Wunschberuf Lehrerin machen. Sie ging nach Westdeutschland. Bis zu ihrer Hochzeit 1956 arbeitete sie auf einem Hof und betreute fünf Kinder. 1960 zog sie nach Hetzerath auf den Kalbergerhof, wo ihr Mann Verwalter war. Mit 42 Jahren wagte sie wieder den Schritt ins Berufsleben. 18 Jahre arbeitete sie bei der Zeitung als Korrekturleserin endlich durfte sie korrigieren. Nach über 30 Jahren auf dem Kalbergerhof zog sie mit ihrem Mann in ihr Haus nach Sehlem, wo sie jetzt ihren aktiven Ruhestand verbringt. "Trotz allem hatte ich eine schöne Kindheit”, meinte sie und lächelte uns zufrieden an.

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