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Mit Ziegenhaar gegen den Staub der Jahrhunderte

Mit Ziegenhaar gegen den Staub der Jahrhunderte

Zum ersten Mal seit drei Jahrhunderten sind die Handschriften im Bernkasteler Cusanusstift umfassend restauriert worden. Die Bücher sind gereinigt, schadhafte Ledereinbände ausgebessert und die alten Handschriften, die oft mit aufwendigen Zeichnungen geschmückt sind, konserviert worden. 300.000 Euro haben diese Arbeiten insgesamt gekostet.

Die Werke der Bibliothek des Cusanusstifts erstrahlen in neuem Glanz. Alle 314 Bände sind seit Januar 2009 auf Schäden überprüft und je nach Zustand restauriert oder konserviert worden. Dabei wurden die Werke, die aus dem neunten bis 15. Jahrhundert stammen, von Grund auf gereinigt, sagt Gabriele Neusius, Bibliothekarin der Cusanusstiftung.
Ledereinbände ausgebessert


Mit Ziegenhaarbürsten ist der Staub, der sich über die Jahrhunderte in den Werken angesammelt hat, entfernt worden. "Das geht nur in einer Spezialwerkstatt mit Lüftung, auch wegen der vielen Pilzsporen", sagt Marco Brösch. Er ist der Nachfolger von Neusius, die sich in Kürze in den Ruhestand verabschiedet.

"An jedem Band ist etwas gemacht worden", sagt Brösch. Dabei wurden auch schadhafte Ledereinbände ausgebessert, die aus dem 18. Jahrhundert stammen. Zu der Zeit waren die Werke letztmals in größerem Stil überarbeitet worden. Seit damals sei mit Ausnahme von wenigen Handschriften im 19. Jahrhundert nichts mehr an den Büchern gemacht worden.

Doch gerade diese "neueren" Einbände, die damals aus Schafsleder hergestellt wurden, waren aufgrund ihres großen Säuregehalts stärker beschädigt als die Ledereinbände aus den Jahrhunderten davor, berichtet Neusius. Hinzu kamen Schäden durch natürliche Alterungsprozesse, unsachgemäße Handhabung und die normale Beanspruchung, besonders an den Buchrücken, und durch Holzwürmer an den Holzdeckeln der Einbände.
"Bei der Einlederung bleibt das Originalleder soweit wie möglich erhalten", sagt Brösch.
Original bestmöglich erhalten


Neue Lederstücke werden in die vorhandenen Lederreste eingearbeitet, sagt er. "Wir wollen das Original so weit wie möglich erhalten und machen nur das Nötige, um die Handschriften benutzbar zu halten", sagt Neusius. Dabei gehe es nicht um Ästhetik, sagt sie. Die Überarbeitung der 314 Bände, die zum Teil Sammelbände sind und bis zu 30 einzelne Werke enthalten, hat 300.000 Euro gekostet, sagt Neusius. 190.000 Euro trägt die Stiftung, 75 000 Euro schießt die Kulturstiftung des Landes hinzu. Den Rest habe die Stiftung über Buchpatenschaften und Spenden finanziert, sagt Leo Hofmann, Rektor des Cusanusstifts.

Pünktlich zum heutigen Patronatsfest hat die Stiftung die Ausstellung der alten Werke überarbeitet. Insbesondere die illuminierten (kunstvoll illustrierten) Handschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert werden derzeit in den Vitrinen gezeigt. "Alle ausgestellten Bände sind restauriert", sagt Brösch. Bis zum Sommer solle die Ausstellung in der derzeitigen Form zu sehen sein, sagt er. Normalerweise sind die Schriften in den Wintermonaten nur bei angemeldeten Führungen zu sehen.

Doch die Cusanusstiftung hat entschieden, die neue Ausstellung mit dem Namen "Die schönen Bücher des Nikolaus von Kues" im gotischen Saal des Hospitals auch außerhalb von Führungen zugänglich zu machen. Dafür sind an folgenden Sonntagen Termine vorgesehen: 9. Dezember, 16. Dezember, 6. Januar, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ab April finden dienstags und freitags offene Führungen statt.
Zum Patronatsfest am heutigen Donnerstag kommt der für Bernkastel-Kues zuständige Weihbischof Helmut Dieser heute nach Bernkastel-Kues. Er hält um 16 Uhr in der Nikolaus-Kapelle des Cusanusstifts ein Pontifikalamt.
Extra

Die umfangreiche Handschriftenbibliothek hat Nikolaus von Kues in seinem Testament seiner Stiftung überschrieben. Thematisch spiegeln die 314 Bücher die Interessen des Gelehrten wider: Recht, Theologie, Philosophie, Mathematik, Physik, Astronomie und Medizin. In vielen Büchern hat sich Nikolaus von Kues während seines Bücherstudiums Notizen gemacht, die heute Einblick in seine Gedanken bieten. Die Bücher liegen seit Jahrhunderten im Bernkasteler Cusanusstift. Lediglich im 17. und 18. Jahrhundert gingen rund 60 Bände verloren, die heute in Brüssel und London liegen. red