Mittelmoselweinfest beeindruckt durch Atmosphäre - Sorgenkind ist der Sonntagabend

Mittelmoselweinfest beeindruckt durch Atmosphäre - Sorgenkind ist der Sonntagabend

Viele gut gelaunte Menschen hat Barbara Jakobs in Bernkastel-Kues beim größten Fest der Region gesehen. Auch die meisten Winzer sind sehr zufrieden. Und den weniger Zufriedenen soll geholfen werden - mit mehr Musik.

Bernkastel-Kues. Der glücklichste Teilnehmer beim Weinfest der Mittelmosel? Es könnte Tim Uttelbach aus Wuppertal gewesen sein. Der Achtjährige saß am Sonntag stolz auf dem Beifahrersitz des 60 Jahren alten Deutz-Traktor, der den Festwagen Burg Landshut zog und den Vater Markus steuerte. Tim, wie sein Vater ein großer Treckerfan, hatte sich gewünscht einmal beim Weinfestumzug dabei zu sein. Der Wunsch wurde erfüllt (TV vom 26. August).

"Während des Umzuges haben uns viele Leute zugewunken und Fotos von uns gemacht. Das ist bestimmt nur auf den schönen Artikel über uns zurückzuführen", mailt der Vater der TV-Redaktion. Danke für die Blumen, Herr Uttelbach, aber Winken und Fotografieren gehört zu den Lieblingstätigkeiten der Besucher des Festzuges.

Die Uttelbachs haben übrigens Interesse, auch im nächsten Jahr wieder den Traktor zum Einsatz zu bringen, erzählt Weinfestorganisatorin Barbara Jakobs. Ob sie auch zu den uneingeschränkt Glücklichen gehört? "Es war ein gutes Weinfest", sagt sie, wenige Stunden nachdem der letzte Weinstand am frühen Dienstagmorgen geschlossen hat.

Nach fünf Tagen Stress sieht die 55-Jährige aus wie das blühende Leben und ist gut gelaunt. Am Donnerstag, Freitag und Montag sei das Fest auch atmosphärisch toll gewesen. "Die Besucher waren gut gelaunt", berichtet sie. Das habe auch an dem guten Wetter gelegen. Das war auch am Samstag optimal. Da ist aber vor allem der Massenandrang zu bewältigen. Obwohl der Betrieb, so der allgemeine Tenor, am wichtigsten Tag des Festes nicht ganz so hoch war wie gewohnt. Aber alle geben zu: Das ist Klagen auf hohem Niveau.

"Es waren weniger Amerikaner da", sagt Winzer Gerd Fritzen, einer der Verantwortlichen im Osann-Monzeler Weinstand. Dort wird auch Federweißer ausgeschenkt. In diesem Jahr etwas weniger. "Die Amerikaner trinken den gerne", sagt Fritzen. Der normale Weinabsatz sei so gut wie in den Vorjahren gewesen. Das mit den Amerikanern ist auch Barbara Jakobs zu Ohren gekommen. Warum weniger Soldaten mit ihren Familien aus der Pfalz und aus der Eifel gekommen sind, weiß sie auch nicht.

Den Mülheimern hat es nicht geschadet. Winzer Andreas Bottler zeigt mit dem Daumen nach oben. "Eines der besten Jahre, das wir je hatten", sagt er. Ein guter Gradmesser ist auch immer der Graacher Weinstand, der für viele Besucher ein Treffpunkt ist. "Etwas besser als im Vorjahr", sagt Josef Bernard. Es habe aber auch schon Jahre gegeben, an denen es bei anderen Ständen Zuwächse gab, in Graach aber nicht. Am Brauneberger Stand sei der Umsatz etwas geringer gewesen als im Vorjahr, sagt Leo Heiden.

Der Sonntag hat in diesem Jahr durch den Regen weniger Besucher angezogen als in normalen Jahren. Am Abend sei auch relativ früh Schluss auf der Weinstraße gewesen, erläutert Barbara Jakobs. Das sei aber nicht ungewöhnlich. "Wir können tun, was wir wollen. Wir werden den Sonntagabend nicht beleben können", sagt sie und gibt ein Beispiel. Am Abend hätten mit Frantic und Soul United zwei Topbands gespielt. "Da hätten noch mehr Zuhörer auf den Karlsbader Platz und auf den Marktplatz gepasst", sagt Jakobs.

Eine Thematik spricht sie von sich aus an. Im hinteren Teil der Weinstraße, aus Richtung Brücke gesehen, gehe es immer etwas ruhiger zu. Spiele dort eine Musikgruppe, wie am Montagabend, wirke sich das positiv auf Besuch und Umsatz aus. Darüber werde bei der Manöverkritik gesprochen, sagt Barbara Jakobs. Martin Kerpen (Wehlen) und Josef Zimmermann (Kues) bestätigen das. Sie wechseln regelmäßig den Platz. Alle drei beziehungsweise vier Jahre können sie ihren Stand auf dem Karlsbader Platz aufstellen. "Dort ist der Umsatz wesentlich höher", sagen beide. Fünf der insgesamt mehr als 30 Weinstände können dort stehen. Zwei aus den Stadtteilen, drei aus den teilnehmenden Orten. Deren Plätze werden verlost. Das sorgt bei genügend Bewerbern für einen jährlichen Wechsel. Viele Standbetreiber auf der Weinstraße wollen aber nicht von ihrem angestammten Platz weg.

Was meinen Sie, liebe Leser: Wie könnte der Sonntagabend und auch der hintere Teil der Weinstraße attraktiver gestaltet werden? Mailen Sie uns Ihre Anregungen an die Adresse
mosel@volksfreund.de

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