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Mitten in der Stadt: Ein neuer Platz zum Ausruhen und Parken

Mitten in der Stadt: Ein neuer Platz zum Ausruhen und Parken

Gut 60 Wittlicher haben sich zwei Stunden intensiv mit möglichen Gestaltungen des provisorischen Parkplatzes in der Karrstraße beschäftigt. Erste allgemeine Resultate: Es wird ein Erhalt der Anwohnerparkplätze an der Klosterstraße gewünscht und eine Lösung mit eher mittig angeordneten Stellplätzen favorisiert.

"Es ist klar geworden, dass es nicht die Lösung wird. Jeder wird etwas abgeben müssen und wird etwas dazugewinnen." Das Fazit von Planer Christoph Heckel passt auf vieles. Eben auch auf die Suche nach Antworten, wie der Parkplatz Karrstraße einmal aussehen soll.

Das interessiert rund 60 Wittlicher über das übliche Maß hinaus: Sie sitzen in der Synagoge, blicken auf Pläne, zeichnen mit Bleistiften Bäumchen auf Papier, messen Abstände mit dem Lineal, diskutieren über Zu- und Abfahrten und über früher. Ein Mann zeigt Fotos vom Abriss der Alten Markusschule, von gefällten Bäumen. "So sah das einmal aus. Mit Platanen und Lindenbäumen. Kerngesund waren die", sagt er. Er wünscht sich wieder Bäume, aber vor allem, dass die Anwohnerparkplätze an der Klosterstraße bleiben. Da hat er Eigentum.

Diesen Wunsch unterstützen viele, zumal ein Teil dieser 15 Stellplätze noch in Privatbesitz sind. Elisabeth von den Hoff etwa betont: "Es geht bei der Neugestaltung doch nur um das Karrstraßengelände. Der Bürgerentscheid hatte nichts mit dem Bereich an der Klosterstraße zu tun." Das kommt auch bei Christoph Heckel an. Er fasst diesen Punkt am Schluss zusammen: "Für die Belange der Bewohner der Klosterstraße soll es ein adäquates Angebot geben."

Er wird sich nun auch darum kümmern, was die Mehrheit ihm mit auf den Weg gegeben hat: Vereinfacht gesagt, geht es um eine Begrünung an den Rändern, wobei eine Gruppe den Blick auf die Fassaden in Karrstraße, Kordel und Klosterstraße erhalten haben will. Ein Bereich ohne Parkplätze mit Bänken, Spielgeräten soll schwerpunktartig zum Kindergarten hin gesehen entstehen. Inwieweit die Mauer bleibt, bleibt noch unklar. Einige wünschen auch, dass der jetzige "Buckel" auf den 2800 Quadratmetern abgetragen wird. Dazu sagt Bürgermeister Joachim Rodenkirch. "Dazu sind riesige Erdbewegungen notwendig. Wir wissen noch nicht, welche Klasse von Material das ist. Wenn das auf die Deponie muss, wird es noch teurer."

Billig wird die Umgestaltung bei Erhalt von rund 70 Parkplätzen sowieso nicht. Rodenkirch: "Wir sprechen über eine Größenordnung von weit jenseits einer halben Million Euro. Deshalb müssen wir uns alle Mühe geben, damit Bürger auch in 20, 25 Jahren noch mit dem Platz zufrieden sind." Deshalb gibt es auch große Wünsche. Ein Wittlicher denkt an ein halb unterirdisches Parkdeck, ähnlich wie die Sparkasse es errichtet hat. Sein Argument: "Da ist ringsum unheimlich viel Wohnbebauung, und es ist wichtig, dass Leute hier wohnen. Die brauchen sicheren Parkraum."

Einer der Initiatoren des Bürgerentscheids gegen eine einst geplante Bebauung, Karl-Heinz Kaspari, hat umgedacht: " Bei meinem Favoriten wäre zu viel Verkehr auf die Klosterstraße zugekommen. Deshalb bin ich umgeschwenkt." Er ist für den Plan, der aus der Vogelperspektive so aussieht, als sei der Platz von Bäumen umrahmt. Hans Gelz, ebenfalls Mann der ersten Stunde, sagt: "Wichtig ist, alle, die hier sind, zeigen Herzblut für die Altstadt. Und wir werden nächstes Jahr Eröffnung eines neuen Platzes feiern. Meinetwegen mit einem Volksfest."Extra

Christoph Heckel vom Trierer Büro BGH Plan soll laut Bürgermeister Joachim Rodenkirch die Bürgerideen in eine Art Konzentrat umwandeln. Dann hat der Stadtrat noch mitzuentscheiden, und es muss eine Finanzierung auf die Beine gestellt werden. Wenn die Ausschreibung noch dieses Jahr erfolgt, soll im Frühjahr 2017 gebaut werden. "Dann könnte der Platz im Sommer 2917 fertig sein", so Rodenkirch.Kommentar
Sonja Sünnen

Die Bürgerversammlung war ein gelungener Abend mit einer Mischung von Menschen, die nicht alle Tage zusammenfinden, darunter keinem, der sich hervortun wollte. Hier kann man tatsächlich von einem "Wir-Gefühl" sprechen. Das ist dem unermüdlichen Einsatz der Initiativgruppe zu verdanken. Auch liegt das Thema Menschen am Herzen, die nicht unmittelbar als Eigentümer, Mieter, Ladenbesitzer betroffen sind und relativ neutral handeln. Außerdem hat die Verwaltung lobenswert schnell nach dem Bürgerentscheid reagiert, und der Planer kommt zudem gut an. Weiter so!