Mitwirken wollen und können

HUNSRÜCK. Immer weniger Menschen interessieren sich für kommunale Belange - auch im Hunsrück. Doch wenn Dörfer lebenswerte Gemeinwesen bleiben oder werden sollen, dann ist die aktive Mithilfe von Bürgern gefragt. Unter dem Titel "Dorf im Dialog" befasst sich eine Regionaltagung im Hunsrückhaus in der nächsten Woche mit diesem Thema.

"Dorfkern in Gefahr" lautete der plakative Titel der Regionaltagung im vergangenen Jahr. Eine der wichtigsten Erkenntnisse damals sei gewesen, dass Dorfkernsanierung und Dorferneuerung nicht ohne ein breites bürgerschaftliches Engagement funktionieren kann, blickt Corinna Albert vom Hunsrückhaus zurück. Sie bereitete gemeinsam mit Christiane Widera und Ralf Becker, den beiden Moderatoren aus Morbach und Thalfang, auch diese Veranstaltung vor. "Dorf im Dialog" heißt die diesjährige Regionaltagung am 28. März in einer Reihe, in der das Hunsrückhaus, die Landeszentrale für Umweltaufklärung und der Entwicklungsschwerpunkt Hochwald seit einigen Jahren Tagungen unter dem Motto "Zukunftsfähiger Hunsrück" veranstalten. Die Bürger zu motivieren, sich stärker an der Entwicklung des Gemeinwesens zu beteiligen, ist eine Schlüsselfrage der Dorferneuerung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Diplomingenieurin Rosa Vollmuth, die ein Büro für Dorferneuerung und Bauleitplanung in Kanzem leitet, der Veranstaltung starke Impulse zu diesem Thema gegeben. In diesem Jahr ist die Bürgerbeteiligung der Dreh- und Angelpunkt."Wir wollen Bewusstsein schaffen, indem wir positive Beispiele vorstellen", betont Becker. Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sich im Dorf "nicht alles nur ums neue Baugebiet und das Abwasser dreht". Zum "Mitwirken wollen" muss das "Mitwirken können" kommen, kann man in der Broschüre für die Tagung lesen. Das heißt, es müssen auchVoraussetzungen und Methoden für den Dialog zwischen Gemeinde, Planer und Bürger vorhanden sein. Neben der Theorie dürfen praktische Beispiele nicht fehlen. Schüler der Klasse 9d der Sophie-Scholl-Realschule in Morbach hatten sich in einer Projektarbeit unter dem Motto "Gutenthal startet durch" intensiv mit dem Morbacher Ortsbezirk befasst. Die Ergebnisse stellen die Schüler am kommenden Freitag vor. Welche Rolle Kultur in diesem Dialog spielt, mit dieser Frage setzt sich Diplomgeografin Nathalie Franzen aus Mainz auseinander. Unter dem Begriff ist im Dorf natürlich etwas anderes zu verstehen als in der Stadt. Auch wenn Museen und Theater fehlen, habe jedes Dorf seine eigene Kultur, ist Widera überzeugt. Osterklappern, Pfingstquak und Martinsfeuer, auch das seien Elemente der dörflichen Kultur. Exkursion: Ein Ort wird unter die Lupe genommen

Dabei dürfe man nicht vergessen, dass der Dialog mit und zwischen den Bürgern auch Orte brauche. Über die "Renaissance der Dorfsäle" wird deshalb Martina Helffenstein vom gleichnamigen Kulturbüro sprechen. Sie organisiert seit zehn Jahren das Heimtvarieté "Saalü!", das sich die Rettung der Dorfsäle auf die Fahnen geschrieben hat. Dass die ernste Thematik auch humorvolle Seiten hat, stellt am Schluss der Veranstaltung der Kabarettist Hotte Schneider aus Reckershausen unter Beweis. Er unterstreicht in einem kleinen Sketch die Bedeutung des Dorftratsches. Ein Glanzpunkt der Tagung ist die Exkursion, die sich längst in diesem Zusammenhang etabliert hat. Statt wie in der Vergangenheit fünf oder sechs Orte in der näheren Umgebung anzufahren, nehmen die Teilnehmer der Exkursion dieses Mal nur einen Ort unter die Lupe. Die Busfahrt führt in die Eifel nach Wiersdorf, eine Teilnehmergemeinde beim Europäischen Dorferneuerungswettbewerb. In Wiersdorf seien die Bürger vorbildlich mit einbezogen worden, meint Corinna Albert. Außerdem tue es sicher gut, "über den eigenen Tellerrand hinauszusehen" und das eine oder andere auf den Hunsrück zu übertragen. Impulse von außen kann das Kompetenzzentrum - dazu hat sich das Hunsrückhaus längst entwickelt - sicher gebrauchen. Die Veranstalter wollen ihre Aktivitäten zu diesem Themenkomplex nicht auf eine Veranstaltung im Jahr beschränken. Im Mai folgt beispielsweise ein Workshop zum Thema "Wenig Geld - was nun?", in dem es auch um die Motivation von Bürgern geht. Mehr als 30 Teilnehmer haben sich in der Zwischenzeit zur Dorf-Tagung angemeldet. Und die Veranstalter hoffen, dass es noch mehr werden." Angesprochen fühlen sollen sich übrigens nicht nur Ortsbürgermeister und Fachleute, sondern auch Vereine und Bürger, die im eigenen Ort etwas bewegen wollen. Die Teilnahmegebühr für die Tagung "Dorf im Dialog" am Freitag, 28. März, beträgt ohne Mittagessen zehn Euro. Für die Tagesexkursion am Samstag, 29. März, werden 23 Euro inklusive eines Mittagsbuffets fällig. Info und Anmeldung unter Telefon 06504/778.

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