Modellprojekt läuft schleppend

THALFANG. Das vor einem Jahr geschnürte Angebot "Familienurlaub mit Pflegeentlastung" wird nur zaghaft angenommen. Die Kooperationspartner wollen daher gezielter werben.

Vor rund einem Jahr haben verschiedene Kooperationspartner den "Familienurlaub mit Pflegeentlastung" ins Leben gerufen. Das Modellprojekt des Arbeitskreises Gesundheit der Initiative Region Trier (IRT) hat Menschen im Blick, die ältere Angehörige oder ihre Kinder pflegen. Die Pflegenden sollen die Möglichkeit erhalten, mit diesen zusammen in Urlaub zu fahren und dabei von Fachleuten entlastet zu werden. Bisher haben dies allerdings nur wenige Familien genutzt. "Selbstläufer" läuft nicht

Dabei sitzen mit der IRT etliche Partner im Boot. Neben der Verbandsgemeinde Thalfang sind mit dabei: das Seniorenheim Charlottenhöhe (Thalfang), das Hochwald Altenzentrum St. Klara (Hermeskeil), die Paritätische Sozialstation AHZ Hunsrück-Mosel und der Ferienpark Himmelberg. "Die Buchungen können sie an zehn Fingern abzählen", bedauert Barbara Goergen-Fett vom Ferienpark, die eigentlich einen "Selbstläufer" erwartet hatte. "Wir haben uns da deutlich mehr von versprochen." Die Resonanz bisheriger Gäste sei zwar stets positiv, und die Internetseite www.pflegeentlastung.de werde gut besucht. Doch schon aus Datenschutzgründen sei es schwierig, potenzielle Interessenten, sprich Betroffene, zu erreichen. Überregionale Anzeigen wären da sicher hilfreich, aber die Kosten müssten auch im Verhältnis stehen. Dellwo: Mehr Verbündete müssen her

Enttäuscht ist auch Daniela Eis von der Gemeinnützigen Gesellschaft für ambulante und stationäre Altenhilfe (GfA), einer Tochter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. "Es ist recht schleppend angelaufen", plädiert sie für eine gezielte überregionale Vermarktung. Das Angebot sei zwar regional bekannt, doch wer in der Nähe lebe, fahre ja kaum nach Thalfang in Urlaub. Angrenzende Gebiete, wie etwa das Rhein-Main-Gebiet, seien da sicher mehr von Interesse. Außerdem werde die Zielgruppe "Junge Familien mit pflegebedürftigen Kindern" bisher nicht nachdrücklich genug angesprochen. Bei Messen und Fachtagungen treffe die Idee jedenfalls auf große Aufmerksamkeit. Auch Professor Bernd Krönig, Leiter des Arbeitskreises Gesundheit, sieht das Hauptproblem darin, "dass wir mit unserer Öffentlichkeitsarbeit regional geblieben sind". Für Betroffene aus der Region sei es halt "nicht so prickelnd", mit ihren Angehörigen Ferien im Hunsrück zu machen. Hinzu komme, dass pflegende Angehörige - wie etwa von an Demenz erkrankten Menschen - oft nur sehr schwer zu bewegen seien, mit diesen in Urlaub zu fahren. Von dem Konzept an sich sei der Arbeitskreis aber nach wie vor überzeugt. Wichtig für die Zukunft sei daher, neue Wege zu finden, die Zielgruppe zu erreichen. Dabei denkt Krönig beispielsweise an Busunternehmen, die sich spezialisiert hätten auf Reisen für Senioren oder Menschen mit einem Handicap. Auch Krönigs Stellvertreter im Arbeitskreis, Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo, hält am Angebot fest. "Ich bin überzeugt, dass wir noch mehr Verbündete finden müssen", sagt er und denkt dabei an Partner aus den Reihen der freien Wohlfahrtsverbände. Außerdem werde es sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Idee Betroffene erreiche und sich durchsetze. Daher ist er auch nicht allzu enttäuscht, dass bisher so Wenige das Angebot angenommen haben: "Der Weg muss weitergegangen werden."