Monsieur malt mit Riesling

KINHEIM. "Weinimpressionen – Monsieur wird 80" lautet eine Ausstellung, die am Donnerstag, 4. Mai, um 18 Uhr im Foyer der Kreisverwaltung in Wittlich eröffnet wird. "Monsieur" – das ist Winzer Heinz Ames, der kürzlich 80 Jahre alt geworden ist. Ames malt, seitdem er den Winzerberuf aufgegeben hat, Aquarelle, besser gesagt Vinorelle. Die Farben mischt er mit Wein, seine Motive sind die Schönheiten der Mosellandschaft.

Ein Winzer, der malt, das ist schon ungewöhnlich. Doch damit nicht genug. Der Mann, der seit Anfang der 90er-Jahre mehrere hundert Bilder gefertigt hat, verwendet zur Mischung der Farben nicht Wasser, sondern Wein - genauer gesagt trockenen Mosel-Riesling. Verschmitzt sagt er: "Damit tue ich auch etwas für den Weinabsatz." Heinz Ames wurde das Malen in die Wiege gelegt. In der Schule hatte er im Zeichnen stets eine Eins. Mit Bleistift und Zeichenpapier konnte er als Heranwachsender genau so gut umgehen wie mit Hacke und Rebschere. Der am 14. April 1926 als Spross einer Kinheimer Winzerfamilie geborene Künstler musste, wie das zu jener Zeit üblich war, Winzer werden. Doch zuerst kam der Krieg. Als 18-Jähriger wurde er eingezogen, zum Glück geriet er schnell in amerikanische Gefangenschaft. In Frankreich arbeitete er in mehreren Verpflegungsdepots. Dort fand er auch etwas Zeit und Muße, um seiner großen Leidenschaft nachzugehen. Ein farbiger amerikanischer Soldat entdeckte sein Talent, und Ames karikierte zur Freude seiner Bewacher Dutzende von Gesichtern. Sein Vater kehrte aus dem Krieg nicht mehr zurück; der junge Mann musste, als er 1946 nach Hause kam, den Betrieb führen. Er baute ihn auf und verdingte sich außerdem als Weinkommissionär. Noch heute ist Ames für viele Winzer, bei denen er Wein für die Kellereien aufkaufte, ein Begriff. Oft griff er im Keller zu einem Stück Kreide und zeichnete mit einigen gekonnten Strichen die Winzerköpfe auf die Fassböden. Als 1990 seine Frau verstarb, verpachtete er sein Weingut und begann zu malen. Damals war auch die Zeit der Wein-Übermengen. Die Winzer wussten zeitweise nicht mehr wohin mit dem Most und Wein, die Preise für Fassware fielen ins Bodenlose. Ames hatte eine geniale Idee: Anstatt mit Wasser, male ich mit Wein, sagte er sich, - und zwar die gesamte Mosel, von der Quelle in den Vogesen bis zum Rhein. Er hat sogar ein kleines hübsches Gedicht verfasst: Darin heißt es unter anderem: "Anstatt mit Wasser Aquarelle, mal ich mit Wein halt Vinorelle. Und glaube, dass auf diese Weise, ich erziele bessere Absatzpreise. Ein eingerahmter Moselwein soll doch etwas Besonderes sein!" Die Mosel, der Wein, die Natur - Ames liebt diesen unvergleichlichen Dreiklang. Alle seine Bilder strahlen die unbeschwerte Stimmung und die Lieblichkeit dieser Kulturlandschaft aus. Es sind allesamt "feine" Bilder, stets fröhlich und beschwingt. Ames, der 1995 seine zweite Ehefrau Martha heiratete, hat seine Bilder auf mehreren Ausstellungen gezeigt. Unter anderem vor sieben Jahren im Kreishaus in Wittlich, im Jahr 2001 im Weinmuseum Bernkastel-Kues und im Jahr 2002 im Europaparlament in Straßburg. Vor einigen Jahren wurde auch die Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues auf Ames aufmerksam. Die Kellerei brachte eine Weinserie namens "Ars Vitis - Die Kunst der Rebe" auf den Markt. Die durchsichtigen Fensteretiketten der aufwändig gestalteten Flaschen zeigen Vinorelle von Heinz Ames. Mehrmals bereits war Ames, der wegen seiner Liebe zu Frankreich liebevoll "Monsieur" genannt wird, an der Moselquelle in den Vogesen. Von dort ist er flussabwärts gereist und hat die schönsten Motive entlang des Flusses auf der Leinwand festgehalten. Am liebsten malt er in der freien Natur. "Die Stimmung, die Farben - das inspiriert mich", sagt er. Die Ausstellung am Donnerstag, 4. Mai, wird um 18 Uhr im Foyer der Kreisverwaltung in Wittlich von Landrätin Beate Läsch-Weber eröffnet. Ferner spricht Altbürgermeister Willy Mathy aus Kinheim. Musikalisch gestaltet wird die Vernissage vom Gefangenenchor Traben-Trarbach.

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