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Monzelfelder packen Energiewende selbst an

Umwelt : Monzelfelder packen Energiewende selbst an

Die Genossenschaft „Energiewende Hunsrück-Mosel eG“ besteht seit einem Jahr und expandiert: 62 Bürger sind Mitglied, bereits zehn Prozent des Stroms stammt aus regenerativen Energien.

Die einen fordern immer mehr Verbote um die Umwelt zu schonen, die anderen nehmen das Thema selbst in die Hand: Vor einem Jahr haben Monzelfelder Bürger die erste Energiegenossenschaft im Kreis gegründet (der TV berichtete mehrfach). Am 27. August 2018 wurde die Genossenschaft „Energiewende Hunsrück-Mosel eG“ geschäftsfähig und darf seitdem die Bezeichnung „eingetragene Genossenschaft“ (eG) tragen. Wie der technische Leiter, Robert van den Bosch, mitteilt, ist die Zahl der Mitglieder bereits von 17 auf 62 gewachsen und hat sich damit in Jahresfrist fast vervierfacht. Zum Jahresjubiläum blicken die Mitglieder zusammen mit Vorstand und Aufsichtsrat denn auch motiviert in die Zukunft.

Der Kaufmännische Vorstand Wolfgang Stein erklärt: „Wir wollten nicht länger auf die zögerliche Politik warten und die notwendige Energiewende selbst gestalten. Die Mitglieder der Genossenschaft sind davon überzeugt, dass die Energiewende gerade dann gelingt, wenn die Menschen sowohl in Entscheidungen einbezogen werden, als auch von Gewinnen profitieren. Die Beteiligung der Bürger schafft Akzeptanz für die Transformation der Energieerzeugung, die so dringend benötigt wird.“ Durch den Bau von regenerativen Energieanlagen seien Firmen und Handwerker aus der Region beschäftigt worden. Geld, das früher für Energieimporte ausgegeben wurde bleibe jetzt in der Region, werde in Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung umgewandelt. Stein sagt: „So werden Erneuerbare Energien ein immer wichtigerer Wirtschaftsmotor für die Region und für deren Zukunftsfähigkeit.“

Der Technische Vorstand Rainer van den Bosch ergänzt: „Für unsere Arbeit ist viel Engagement und Durchsetzungskraft nötig.“ Er verweist auf die komplizierten Genehmigungsprozesse des Gesetzgebers, besonders für private Energieerzeuger.

Van den Bosch: „In diesem schwierigen Umfeld sehen wir es als großen Erfolg, dass die Genossenschaft nach nur einem Jahr Geschäftsfähigkeit bereits sieben Anlagen betreibt, und sich eine achte Anlage im Bau befindet. Diese Erfolgsgeschichte könnte aber nicht erzählt werden, ohne die Bereitschaft der privaten, gewerblichen und kommunalen Gebäudeeigentümer, ihre bislang ungenutzten Dächer an die Genossenschaft zu verpachten und mit Photovoltaik-Modulen belegen zu lassen.“

In zwölf Monaten hat die „Energiewende Hunsrück-Mosel eG“ fast 225 000 Euro für Photovoltaik-Anlagen an ihrem Geschäftssitz Monzelfeld im Hunsrück investiert. Mit den Einlagen der 62 Mitglieder standen die nötigen 20 Prozent an Eigenkapital zur Verfügung um die Projekte zu verwirklichen. Die restlichen 80 Prozent der Investitionssumme wurden über zwei regionale Banken finanziert, die damit auch an der regionalen Wertschöpfung teilhaben können.

Mit der jährlich erzeugten Strommenge der acht Anlagen könnten rechnerisch, so van den Bosch, bereits zehn Prozent der knapp 1400 Einwohner zählenden Gemeinde Monzelfeld mit solarem Strom vom Dach versorgt werden. Die Akzeptanz im Ort ist groß: Die Mitglieder haben im Schnitt 1000 Euro an Einlagen gezeichnet, obwohl für die Mitgliedschaft nur drei Anteile zu je 100 Euro erworben werden müssen.

„Dass sich auch drei regionale Firmen sowie die Gemeinde Monzelfeld als erstes kommunales Mitglied an der Genossenschaft beteiligen, sehen wir als deutliches Zeichen, dass nicht nur ökologisch engagierte Mitmenschen das Konzept tragen, sondern dass unsere Genossenschaft ‚Energiewende Hunsrück-Mosel eG’ in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, freut sich van den Bosch. Für nächstes Jahr sei sogar eine Dividende von einem Prozent möglich – das sei in Hinblick auf die drohenden Minuszinsen auch ein Anreiz für Investoren.

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es außerdem auch online unter www.ewhm.de oder per E-Mail an info@ewhm.de.