Morbach-Hinzerath: Anwohner beschweren sich über Lärm

Kommunales : Die Gleise sollen weg

Die alten Schienen der Hunsrückbahn, die eine Hauptverkehrsstraße in Hinzerath kreuzen, sorgen für Unmut bei den Anwohnern. Die Freie Wählergruppe Morbach will sie demontieren lassen.  

Oft sind die ersten Sitzungen nach einer Wahl, die sogenannten konstituierenden Sitzungen, eine Routineangelegenheit: Die neuen Ratsmitglieder werden verpflichtet, und die Beigeordneten werden gewählt. In Morbach war es dieses Mal anders, denn die Freie Wählergruppe hatte kurzfristig einen Antrag gestellt, der bereits für die erste kontroverse Diskussion sorgte. Schon der Titel hatte es in sich: „Entfernen der Bahngleise im Zuge des Ausbaus der L 159 im Ortsbezirk Morbach-Hinzerath“. Die genannten Bahngleise sind nämlich Bestandteil der stillgelegten Hunsrück­bahn, für deren Reaktivierung sich seit Jahren Vereine, Interessensgruppen und auch Politiker einsetzen.

Achim Zender, Sprecher der Fraktion, begründet: „Wir haben Hinzerath besucht. Dort gibt es zwei Gleisanlagen als Bahnübergang, die Lärm verursachen, wenn Autos und besonders der Schwerlastverkehr darüber fahren. Der Verkehr aus Idar-Oberstein wird über Hinzerath zur B 50 neu fahren, deshalb wird die Ortslage zukünftig auch vom Schwerlastverkehr heftiger frequentiert werden.“ In der Diskussion um die Reaktivierung der Hunsrückbahn hingegen ginge es schon seit Jahren nicht weiter. Um die Lärmbelastung zu reduzieren schlägt die Fraktion deshalb vor, die Bahngleise zu entfernen, „ohne den rechtlichen Charakter des Bahnüberganges für eine seitens der Landesregierung angedachten Nationalparkbahn, wenn sie irgendwann kommen sollte, aufzugeben.“

Das sah Hermann Moseler (SPD) ähnlich: „Bereits 1998 und 2002 wurden Untersuchungen gemacht, die ergeben haben, dass die Hunsrückbahn keinen Nutzen bringt. Dann gab es eine 60 000 Euro teure Mobilitätsstudie mit ebenfalls negativer Aussage. Es ergibt keinen Sinn, die Bahnstrecke zu erhalten. Es ist auch vollkommen unrealistisch, dort eine Touristenbahn zu betreiben. Ich kann den Unmut der Hinzerather Bürger gut nachvollziehen.“

Frank Klein von der FDP sagte: „Es ist zu befürworten, dass Dynamik in den Prozess kommt. Dort ist ständiger Lärm, obwohl die Gleise nicht genutzt werden. Es muss geklärt werden, ob ein Rückbau der Gleise auf einer Länge von fünf Metern möglich ist und ob es Folgekosten für die Gemeinde gibt.“

Manuel Blatt (CDU) wehrte sich gegen einen Rückbau der Gleise: „Solange die Widmung besteht, bleibt eine Gleisanlage. Ich sehe aber eine Gefahr für den Wiederaufbau der Gleise für die Hunsrückbahn. Da gibt es das Thema mit der Verkehrssicherheit, besonders wenn der Autoverkehr zunimmt. Dann wäre der neue Bahnübergang teurer, weil ein einfaches Andreaskreuz möglicherweise nicht reicht. Man muss fragen, ob die Bahn da noch mitgehen würde.“

Uwe Andretta von den Grünen schlug vor, die Gleise in den Asphalt einzulassen und die Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu beschränken: „Das könnte den Lärm vermindern. Deshalb werden wir dem Antrag auf Rückbau nicht zustimmen.“

Bürgermeister Andreas Hacke­thal warnte vor einem Rückbau: „Es macht Sinn, die Infrastruktur dort, wo sie ist, zu erhalten und setzen uns seit Jahren für eine Stärkung des Bahnverkehrs ein. Ich höre aus dem Antrag heraus, dass das Interesse an der Bahn weiterhin besteht.“

Jürgen Jakobs (CDU) ergänzt: „Da können sich Dinge ändern, von denen wir noch keine Vorstellung haben. Ich bin mir nicht so sicher, dass der Individualverkehr hier so bleibt. Deshalb kann ich nur sagen: Finger weg davon.“

Das Gremium einigte sich einstimmig auf einen modifizierten Beschluss: Der Bürgermeister wird beauftragt mit dem LBM, der Deutschen Bahn AG und dem Land zu prüfen, wie im Zusammenhang mit dem Ausbau der L 159 das Bahngleis der Hauptstrecke einerseits erhalten und andererseits die Lärmbelästigung vermieden werden kann.

Mehr von Volksfreund