1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Morbach sagt Problem-Immobilien den Kampf an.

Eigentümer haben das letzte Wort : Städtebauliche Entwicklung in Morbach: Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Morbach sagt Problem-Immobilien den Kampf an. Einiges ist schon geschehen. Doch die Gemeinde braucht viel Geduld.

Barrierefrei, energieeffizient und klimafreundlich – so müssen die Pläne für eine zu sanierende Immobilie im Morbacher Ortskern sein, wenn der Eigentümer finanzielle Unterstützung von Bund, Land und Kommune bekommen will. Mit dem sogenannten Stadtumbauprogramm will man es in den nächsten zehn Jahren „Investoren erleichtern, Problem-Immobilien anzupacken“. Das zumindest hatte Andreas Hackethal, der Bürgermeister der Gemeinde Morbach, bei der Vorstellung des Projektes vor fünf Jahren gesagt. Das Ziel ist die städtebauliche Weiterentwicklung im Innerort. Bestehende Gebäude sollen aufgewertet und nicht sanierungsfähige Häuser abgerissen werden. Gemeinsam mit dem Beraterbüro BBP aus Kaiserslautern wurde ein Integriertes städtbauliches Entwicklungskonzept (Isek) erarbeitet. Der Begriff Ortskern ist nicht ganz richtig. Im eigentlichen Zentrum hat vor Jahren bereits eine umfangreiche Ortskernsanierung stattgefunden. Jetzt geht es um ein Areal, das unmittelbar an den Ortskern angrenzt. In einem Gebiet von 11,4 Hektar im Zentralort Morbach selbst sollen insgesamt 2,1 Millionen Euro Fördergeld für Vorhaben zur Aufwertung des Ortsbildes zur Verfügung gestellt werden. Derzeit sind laut Hackethal etwa 350 000 Euro abgerufen worden. Angesichts der in Aussicht gestellten Gesamtsumme eher überschaubar, dennoch ist der Rathaus-Chef durchaus zufrieden. Ihm ist die städtebauliche Verbesserung wichtig, die durch jedes einzelne Projekt erzielt werde.

Altes Spritzenhaus Eines der ersten Vorhaben, die im Zusammenhang mit diesem Programm erfolgreich in Angriff genommen wurde, ist das ehemalige Feuerwehrhaus aus dem Jahr 1925 an der Ecke Hochwald­straße/Birkenfelder Straße (Foto). Es hatte viele Jahre leergestanden. Das ortsbildprägende Gebäude wurde saniert und ist längst wieder bewohnt. Es lebt dort eine Jugendgruppe der evangelischen Diakonie.

Ehemaliges Gebäude Foto Thömmes in der Hebegasse Auch dort gab es über viele Jahre einen städtebaulichen Missstand. An der Stelle der leerstehenden Problemimmobilie steht längst der Neubau der mehrstöckigen Immobilie inklusive Bäckerei und zweier Mietwohnungen (der Volksfreund berichtete mehrfach).

Gerberweg/Bernkasteler Straße Dort stehen gleich drei Vorhaben auf der Agenda. Auf dem Gelände, auf dem einst eine Gerberei stand, sind 25 Parkplätze geplant. Parkplätze als städtebauliche Verbesserung? Das kann Hackethal nur bestätigen. Denn zum einen lege man in Morbach einen großen Wert auf das Vorhandensein von ausreichend Parkflächen, zum anderen müsse man bei der Bewertung dieser Frage den Ist-Zustand mit dem vergleichen, was vorher auf dieser Fläche gewesen sei. In dem Fall sei dort unter anderem ein Schrottplatz gewesen. Zudem beabsichtigt die Architektenfamilie Berdi aus Bernkastel-Kues, in unmittelbarer Nähe in einem ersten Bauabschnitt insgesamt drei Gebäudekomplexe mit 28 Wohneinheiten inklusive 21 Stellplätzen zu bauen, die als Eigentumswohnungen angeboten werden. In einem zweiten Bauabschnitt sind anschließend zwei weitere Gebäude mit weiteren 16 Wohneinheiten und 22 Autostellplätzen auf dem ehemaligen Gelände des Automobilbetriebs Wilbert inklusive Tankstelle geplant. Angesichts der Tankstellenbrache liege laut Hackethal die städtebauliche Verbesserung auf der Hand. Zudem soll nahe dieser Gebäude hinauf zur Hunsrückhöhenstraße der Morbach freigelegt werden. Ein Vorhaben, das alle Anforderungen für das Stadtumbauprogramm erfüllt, das aber wohl im Rahmen eines anderen Landesprogramms bezuschusst werden soll: die Aktion Blau Plus. Dabei geht es um die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen. Der Vorteil: Die Fördersumme beträgt 90 Prozent.

Bahnhofstraße/Ecke Hebegasse  Zwei ehemalige Geschäftshauser in der Bahnhofstraße stehen seit vielen Jahr leer und sind ziemlich marode. Die Gemeinde hat sie erworben. Dort sind allerdings noch einige dicke Bretter zu bohren. Hackethal: „Wir prüfen, wie wir den gesamten Bereich einer Weiterentwicklung zuführen können.“

Breitwiese Nicht jede Idee ist von Erfolg gekrönt. Ein Beispiel: Das städtebauliche Entwicklungskonzept sieht für ein seit langem leerstehendes Gebäude, das einen „städtebaulichen Missstand“ darstellt, einen Abriss vor. Die Gemeinde konnte diese Immobilie wegen fehlender Verkaufsbereitschaft der Eigentümer nicht erwerben. Vorgesehen war die Herstellung einer öffentlichen Grünfläche namens „Mühlenpark“ mit Öffnung zum Parkplatz in der Birkenfelder Straße. Realistisch sei an dieser Stelle nach einem Abriss die Neubebauung mit barrierefreim Wohnraum – das letzte Wort haben die Eigentümer.