Morbach setzt aufs Wandern

Mit neuen Marketingplänen will Franziska Fleckser, Chefin der Tourismus-Information in Morbach, das Geschäft beleben. Das erläuterte sie auf der Sitzung des Fremdenverkehrsausschusses am Montag. Der Nationalpark sorgt bislang für keine Belebung der sinkenden Übernachtungszahlen.

Die vier Traumschleifen werden in den nächsten Jahren von den Morbacher Touristikern nach vorne gebracht. Dieses Ziel wurde bei der Präsentation der Tourismus-Chefin Franziska Fleckser deutlich, die im Fremdenverkehrsausschuss ihren Jahresbericht vorstellte. Die Übernachtungszahlen in der Einheitsgemeinde Morbach gehen kontinuierlich leicht zurück. Lagen sie im Jahr 2004 noch bei 76 515 Übernachtungen, wie es das Statistische Landesamt in Bad Ems vermeldet, so sind sie im Jahr 2014 auf 60 244 zurückgegangen. Im Jahr 2013 lagen sie bei etwa 62 338 Gästen, das ist ein Rückgang von 3,4 Prozent. Die aktuellen Zahlen für 2015 liegen bislang erst für neun Monate vor. Das vierte Quartal ist noch nicht abgeschlossen. Beim Vergleich des Zeitraums Januar bis September zeigt sich in den Untersuchungen des Landesamtes ein Minus von 9,6 Prozent. "Da fehlt aber noch der Oktober, der in diesem Jahr warm und mild war", sagt Fleckser Das Oktoberergebnis würde den Rückgang wiederum etwas abfedern.

Wie es zu dem Rückgang an Übernachtungsgästen kommt, lässt sich kaum erklären, so Fleckser. Das sei aber ein Trend, der sich im gesamten Hunsrück abzeichne. Dementsprechend setzen die Maßnahmen auch verstärkt auf Wander- und zusätzlichen Tagestourismus. "Das Problem ist aber, dass die Tagestouristen statistisch nicht erfasst werden", sagt Fleckser.
Zu den touristischen Höhepunkten des Jahres zähle unter anderem die Eröffnung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald an Pfingsten. Eine spezielle Info-Säule in der Tourist-Info informiere über Angebote wie etwa Ranger-Wanderungen. Das Gästemagazin sei neu gestaltet worden, um die Werbung zu beleben, außerdem gab es Ortsjubiläen, die Eröffnung der Hängeseilbrücke Geierlay in Mörsdorf, den Morbacher Herbst und den neu eingerichteten Historischen Rundgang durch Morbach. Als besonderen Erfolg wertete Fleckser die 76 Erlebnispunkte der Traumschleife "Hunolsteiner Klammtour", die in diesem Jahr erneut zertifiziert wurde. Damit steigert sich die Bewertung um elf Punkte von den vor drei Jahren, vergebenen 65 Punkten. "Wir haben die Beschilderung verbessert, ein Eingangsportal geschaffen und Notrufschilder aufgestellt. Das macht uns durchaus stolz", sagte Fleckser. Neben der Hunolsteiner Klammtour gibt es in Morbach drei weitere Wanderwege, die als Traumschleifen einzustufen sind. Der neu eingerichtete Jakob-Maria-Mierscheid-Weg habe zwar noch keine Zertifizierung, werde aber nächstes Jahr eingestuft. Die Zertifizierung der "LandZeitTour" stehe auch im nächsten Jahr wieder an. Zudem gebe es die "Ölmühlentour", die ebenso Wanderer anziehe. Und diese würden nicht nur aus der Nähe, sondern auch aus der weiteren Umgebung kommen, so etwa aus dem Rhein-Main-Gebiet, führte Fleckser weiter aus.Überraschung im Schuhkarton


Ein zusätzliches Werbeprojekt starte außerdem am 10. Dezember. Dann liegen in den Schuhkartons eines namhaften Herstellers von Wanderschuhen Broschüren, in denen unter anderem die Hunolsteiner Klammtour beschrieben ist. Bürgermeister Hackethal ergänzte, dass der Bereich Öffentlichkeitsarbeit im nächsten Jahr auch finanziell aufgestockt werden soll.
Manfred Armbruster, Mitglied des Ausschusses, bemängelte fehlende Zukunftsperspektiven: "Wir leben hier von den Monteuren der Industrie, die Windräder bauen. Es übernachten kaum mehr Touristen in unseren Hotels". Dem widersprach Hackethal, der betonte, dass der Ausbau des Wandertourismus ein beschlossener Schwerpunkt sei. "Wir haben eben weniger Übernachtungsgäste, dafür gibt es aber mehr Tagesgäste in Morbach." Und die würden letztlich auch ihr Geld in der Einheitsgemeinde lassen, essen gehen oder auch einkaufen.
Der neu eingerichtete Nationalpark mache sich jedenfalls noch nicht bei den Übernachtungszahlen bemerkbar, stellte Fleckser auf TV-Nachfrage fest: "Das muss sich erstmal rumsprechen und braucht eine Anlaufzeit von ein, zwei Jahren. Aber da bin ich optimistisch."Meinung

Das Freizeitverhalten ändert sich
Die zunehmenden Vernetzung durch das Internet und die sozialen Netzwerke verändert das Freizeitverhalten der Menschen. Die Ansprüche sind vielfältiger und auch individueller geworden. Für den Rückgang der Übernachtungsgäste mag die zunehmende Mobilität, die mit der Individualisierung einhergeht, eine Ursache sein. Wissenschaftlich belegen lässt sich das natürlich mangels Zahlen nicht, was auch die Ursachensuche erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. Deshalb muss schon ein besonderer Anreiz geboten werden, wie etwa die landschaftlichen Besonderheiten der zertifizierten Traumschleifen, um Urlauber - und dann vor allem Tagestouristen - in den Hunsrück zu locken. Das erfordert intelligente Werbemaßnahmen und eine ständige Anpassung an die Bedürfnisse der Gäste. Die Morbacher sind mit ihren Plänen auf dem richtigen Weg, denn Tourismus als Einnahmequelle ist schon lange kein Selbstläufer mehr. hp.linz@volksfreund.de

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