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Morbach: Verein Teestube wird aufgelöst, Jugendtreff bleibt

Aus nach fast 40 Jahren : Sie war Vorbild und in vielem auch Vorreiter : Warum sich die Morbacher Teestube jetzt auflöst

Jugendräume, Discos, Musikbühnen und LAN-Partys: Fast 40 Jahre haben junge Leute in der Morbacher Teestube in Eigeninitiative zahlreiche Events organisiert und einen Raum als Jugendtreff unterhalten. Doch damit ist jetzt Schluss.

Profil vor Profit – das ist immer die Devise der Morbacher Teestube gewesen. Viele Jahre hat sich der Verein für junge Leute engagiert, hat für sie Angebote gemacht, einen Jugendraum geschaffen und große Events organisiert. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Verein löst sich in diesen Tagen auf.

Der Grund: Im Verein kommt niemand mehr nach. „Wir haben keinen Nachwuchs an Gästen und keinen Nachwuchs an Teamern“, sagt Horst Zimmer, nominell Erster Vorsitzender der Teestube, was er aber nicht gerne hört. „Wir haben uns immer als Team verstanden“, sagt er.

Teestube von Morbach war Untergeschoss der Baldenauhalle

Bereits Anfang der 2000er Jahre, als die Teestube im Untergeschoss der Baldenauhalle täglich geöffnet hatte und gut besucht war, hatten sich die Teamer der Teestube zurückgezogen, wollten nur noch im Hintergrund tätig sein und Jüngeren das Feld überlassen.

Doch 2006 hätten diese mit ihrer Tätigkeit aufgehört. „Und bevor die Teestube stirbt, sind wir nochmal nach vorne gegangen“, sagt Thorsten Zimmer. Nicht einfach für Leute, die damals schon Mitte/Ende 30 Jahre alt waren, die Jugendlichen noch zu erreichen. Doch jetzt hat Corona mit seinen Einschränkungen dem Verein endgültig den Todesstoß verpasst. Alles an Aktionen habe dadurch am Boden gelegen. „Wir haben mit um die 50 Jahre im Altersschnitt keinen Neuanfang mehr machen wollen“, sagt Horst Zimmer.

So fing alles an mit der Teestube Morbach

Begonnen haben die Aktivitäten 1982, als junge Leute nach Räumen für einen Treffpunkt in Morbach gefragt hatten. „Die Initiative ging von einigen Jugendlichen aus“, sagt Wolfgang Paul. Die Gemeinde habe daraufhin Räume im Keller des damaligen Verkehrsamts, der ehemaligen Zahnarztpraxis Faber neben dem Rathaus, zur Verfügung gestellt. Der damalige Jugendpfleger Roman Sturm habe ein Team von zwölf Jugendlichen zusammengestellt, das allein verantwortlich den Raum organisiert hat. Gleichzeitig begannen die ersten Aktivitäten der Jugendlichen: erste Disco-Abende oder ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt.

1985 hatte die Gemeinde den Jugendlichen dann den Raum im Untergeschoss der Baldenauhalle angeboten, der heute noch der Jugendraum für die Morbacher Jungen und Mädchen ist. Mit der Auflage, für die Trägerschaft einen Verein zu gründen und eine Benutzungsordnung zu erstellen.

Der Raum erwies sich als reiner Rohbau. „Wir haben ein Jahr Arbeit reingesteckt“, sagt Anja Zimmer, Gründungsmitglied des Vereins. 1986 konnte der Raum eingeweiht werden. Nachdem 1989 der damalige Jugendpfleger seinen Dienst beendet hatte und die Gemeinde keinen Nachfolger eingestellt hatte, haben die jungen Leute den Raum bis 2008 alleine gemanagt, bis die Gemeinde einen neuen Jugendpfleger eingestellt hatte, ebenfalls eine Initiative der Teestube.

Legendäre Discos in Morbach, Info-Abende und viel Engagement für das Dorf

Über Jahre war der Raum täglich geöffnet und Anlaufpunkt für viele junge Leute. Hinzu seien Aktionen gekommen, wie eine Mini-Teestube, in der jüngere Kinder von den Jugendlichen betreut wurden, Musikabende, bei denen Bands zum ersten Mal überhaupt auftreten konnten, legendäre Disco-Abende und Fastnachtsfrühschoppen, aber auch Themenabende wie Drogendiskussionen und Tage, an denen sich Insassen der Justizvollzugsanstalt Wittlich mit ihrer Lebensgeschichte vorgestellt haben.

Hinzu kamen etliche Veranstaltungen in der Turnhalle. „Wir haben wochenlang mit 20 Mädels abends Dekorationen gebastelt. Es waren tolle Konstruktionen, die dort entstanden sind“, erinnert sich Marion Bollig.

Zudem habe die Teestube viele Sachen angestoßen, die anschließend von anderen kopiert worden seien, sagt Thorsten Zimmer. Dazu gehöre der Getränkestand an Hexennacht und 1990 die erste Musikbühne an der Kirmes, auf dem Parkplatz Bernkasteler Straße. Legendär auch die Schaumparty, bei der morgens die jungen Leute den Schaum mit Schneeschiebern aus dem Zelt geschaufelt haben, damit der Pastor dort eine Messe halten konnte.

1990 nach der Grenzöffnung seien 70 junge Leute in die thüringische Partnergemeinde Geraberg gefahren, mit einem ganzen Equipment für eine Zeltdisco. „Das war eine Mammut-Aktion“, erinnern sich die alten Teamer. Hinzu kamen LAN-Partys mit mehr als 500 Teilnehmern im Festsaal und der Turnhalle der Baldenauhalle. Und auch die erste Kleidertauschbörse „Klamotte“ sei von der Teestube organisiert worden. „Es ging uns darum, gute Sachen zu machen“, sagt Wolfgang Paul. „Wir haben nur Veranstaltungen gemacht, an denen wir auch Spaß hatten.“

„Wir waren Inspiration für viele“, sagt Horst Zimmer. „Wir haben das halbe Leben in der Teestube verbracht“, ergänzt Thorsten Zimmer. „Wir wären nicht die Menschen, die wir heute sind, wenn wir uns nicht in der Teestube engagiert hätten.“ „Die Teestube war für uns ein Herzensprojekt“, sagt Anja Zimmer. Es seien prägende Jahre gewesen. „Wir haben uns gedanklich schon davon verabschiedet“, sagt sie. „Die Teestube war eine feste Institution, die Morbach geprägt hat, kulturell und in der Jugendarbeit“, fasst Marion Bollig deren Bedeutung zusammen.