Morbacher Baumarkt macht zu. Ein Nachfolger fehlt.

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Morbacher Baumarkt macht zu

Nach mehr als 30 Jahren schließt das Unternehmerehepaar Erika und Kurt Müllers sein Geschäft. Der Grund: Es gibt keinen Nachfolger. Der Räumungsverkauf beginnt offiziell am Donnerstag.

Die Schaufenster von Müllers Heimcenter in der Morbacher Bahnhofstraße sind seit drei Tagen zugeklebt. Auf der Homepage des Unternehmens ist zu lesen, dass danach ein Sonderverkauf stattfindet: ein Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Inhaber Kurt Müllers (63), der den Baumarkt gemeinsam mit Ehefrau Erika Müllers (54) betreibt, wird den Laden aus Altersgründen schließen. Was das für die Kunden bedeutet, ist den beiden klar. Als Nahversorger-Baumarkt hatte ihr Unternehmen eine Marktlücke geschlossen.

Aus heiterem Himmel kommt die Entscheidung nicht. Schließlich suchen die beiden „seit fünf, sechs Jahren“ nach einer Lösung für die Betriebsnachfolge. Sohn Philipp hat, wie Erika Müllers sagt, andere Interessen und einen technischen Beruf erlernt. Und man habe ihn auch nie in Richtung Baumarkt gedrängt.

Das Paar hat früh den Kontakt zur Industrie- und Handelkammer (IHK) gesucht und an einer Nachfolgebörse teilgenommen, Durch die Kammer kam es auch zu Radio- und Fensehbeträgen. Den Kontakt zur Boulevard-Presse scheute es nicht. Unter dem Titel „Suche Nachfolger, biete Firma“ berichtete ein Blatt über die Bemühungen der Müllers, ihren Betrieb an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch vergebens. Der Entschluss sei ihnen nicht leicht gefallen. „Immerhin ist der Baumarkt seit mehr als 30 Jahren unser Lebensinhalt“, sagt die Geschäftsfrau.

Das Unternehmerehepaar  beschäftigt derzeit vier Mitarbeiter. „Für sie tut es uns leid“, betonen beide. Bis zum vergangenen Jahr hatten sie auch einen Auszubildenden. Einen neuen Lehrling einzustellen, machte in der betrieblichen Situation keinen Sinn mehr.

Angefangen hat alles 1988. Damals übernahm Kurt Müllers, der wie seine Frau von der Mosel stammt, die Morbacher Filiale eines Baumarktes in Wittlich-Wengerohr in Eigenregie, damals rund 280 Quadratmeter groß. Kurt Müllers hatte zuvor in der Hauptstelle gearbeitet. Als Assistent der Geschäftsleitung hatte der heutige  Handelsfachwirt Einblick in die Zahlen und eine Zukunft für den Baumarkt in Morbach gesehen. Ehefrau Erika, gelernte Einzelhandelsfachfrau, begrüßte die Pläne, zumal die Betreuung des damals fünf Monate alten Sohnes Philipp damals im eigenen Betrieb einfacher gewesen sei.

„Das waren bessere Zeiten als heute“, blickt Kurt Müllers zurück. Damals habe es noch keinen Online-Handel gegeben. Und die Discounter seien im Non-Food-Bereich noch nicht so starke Wettbewerber gewesen.

1990 übernahmen die beiden  zudem ein Eisenwarengeschäft in der  Birkenfelder Straße und erweiterten das Sortiment um Geschenkartikel, Haushaltswaren sowie Gartenmöbel und Gartengeräte. Nach einer weiteren Zwischenstation in der Bahnhofstraße kauften sie schließlich am heutigen Standort die Alte Käserei der ehemaligen Molkerei in Morbach und bauten dort an und um.  Kurt Müllers: „Wir brauchten mehr Platz und wollten endlich alles an einem Standort konzentrieren.“ Sie starteten dort schließlich mit 870 Quadratmeter Verkaufsfläche. 2001 gab es die letzte Erweiterung, diesmal privater Natur. Sie bauten auf das Gebäudedach noch ein Penthouse, das sie selbst bezogen. Inzwischen haben sie ihren Lebensmittelpunkt nach Brauneberg verlegt.

Was bedeutet die Schließung des Baumarktes für den Einkaufsort Morbach? Der Zentralort verliere damit ein „Traditionsgeschäft mit einem breiten Angebot für Haus, Hof und Garten“,  sagt Andreas Hackethal, Bürgermeister der Gemeinde Morbach. Man verliere damit auch eine „Kaufmannsfamilie, die im Einkaufsort mit viel Herzblut agiert hat und die das Unternehmen nicht nur als Beruf, sondern als Berufung  praktiziert hat“.

„Die Schließung reißt eine große Lücke“, betont auch Michael Pauly, Vorstandsmitglied im Gewerbe- und Verkehrsverein, zumal mit dem Mode-Treff und dem Schuhhaus Korte vor nicht allzulanger Zeit zwei weitere Geschäfte wegen fehlender Nachfolge geschlossen haben. Er bedauert, dass es immer schwieriger sei, Leute zu finden, die sich selbstständig machen.

Mehr von Volksfreund