Morbacher befürchten mehr Fluglärm

Morbacher befürchten mehr Fluglärm

Die Gemeinde Morbach will einen strengeren Schutz vor Fluglärm, als ihn das Land bisher vorsieht. Besonders betroffen sind die Orte im Osten der Einheitsgemeinde.

Morbach. Der Lärmschutz für die Flughäfen in Deutschland wird einheitlich geregelt. Dies sieht das Lärmschutzgesetz aus dem Jahr 2007 vor, das jetzt umgesetzt wird. Das hat Auswirkungen auf die Gemeinde Morbach, denn die Fläche zwischen Hundheim, Hinzerath und Wederath liegt im Bereich der vom Lärmschutz betroffenen Gebiete der Einflugschneise des Flughafens Hahn. Doch bei den derzeit laufenden Anhörungen der betroffenen Kommunen steht die Einheitsgemeinde im Widerspruch zur Landesregierung. Denn diese will für den Flughafen Hahn die Lärmschutzbedingungen für bestehende Flughäfen in Anwendung bringen. Die Vertreter im Morbacher Gemeinderat möchten jedoch, dass die Lärmschutzbedingungen für neue oder wesentlich baulich erweiterte Flughäfen gelten. Denn diese sehen strengere Grenzwerte vor.
Der Flughafen Hahn war 2004 durch Verlängerung der Start- und Landebahn wesentlich erweitert worden. Damals waren Lärmschutzgebiete festgelegt worden, die in ihren Schutzzielen weiter gehen als die neuen Regelungen, die künftig gelten sollen.
Die Gemeinde Morbach fordert, dass der Dauerschallpegel, der durch den Fluglärm nachts hervorgerufen wird, nicht höher liegen darf als 50 Dezibel. Das sind fünf Dezibel weniger, als das Land der Gemeinde zugestehen will. Sechsmal darf demnach ein fluglärmbedingter Maximalpegel von 53 Dezibel erreicht werden. Bei den Vorschriften, die das Land favorisiert, sind es sechs mal 57 Dezibel. Drei Dezibel mehr empfindet ein Mensch als Verdopplung einer Lautstärke.
"Wenn sich der Hahn so entwickelt, wie es die Flughafengesellschaft plant, wird der Fluglärm in unserer Region besonders nachts zunehmen", sagt der Grüne Uwe Andretta. Er verweist darauf, dass die Landeschwelle auf dem Flughafen Hahn 400 Meter in Richtung Morbach verlegt wird, so dass die Flugzeuge künftig 50 Meter tiefer fliegen als bisher. "Wir müssen das Maximum fordern", sagt Jürgen Jakobs, Sprecher der CDU-Fraktion. Für ihn ist der Lärmschutz der Bevölkerung wichtig. Jedoch lehnt der Hinzerather Ortsbeirat als Vertreter eines vom Fluglärm betroffenen Dorfes den strengeren Lärmschutz ab. Das Gremium befürchtet, dass die Weiterentwicklung des Dorfes behindert wird, denn in einer Lärmschutzzone dürfen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden.
"Die Nachteile für Hinzerath sind größer als die Vorteile durch strengeren Lärmschutz", sagt Ortsvorsteher Hermann Moseler. Für ihn ist das dadurch bedingte Verbot von Neubaugebieten untragbar. "Und wer will bei dem Fluglärm noch in Hinzerath bauen?" lautete die rhethorische Zwischenfrage von Andretta. Für bereits ausgewiesene Baugebiete und Baulücken innerhalb der Ortsgrenzen gilt das Bauverbot nicht, sagt Bürgermeister Andreas Hackethal auf die entsprechende Anfrage des Hundheimer Ortsvorstehers Joachim Gutweiler. "Im Innenbereich stehende Parzellen können bebaut werden", erläutert der Bürgermeister. Er weist darauf hin, dass es sich bei dem Beschluss um eine Stellungnahme zu einer Anhörung des Landes handelt. Hackethal: "Welche Lärmschutzregelungen kommen werden, weiß derzeit niemand."
Extra

Das Lärmschutzgesetz ist neu geregelt worden, um die Fluglärmvorschriften in Deutschland zu vereinheitlichen. Das veraltete Vorgängergesetz aus den 70er Jahren hat dazu geführt, dass zu den Flughäfen und dem Fluglärm zahlreiche Einzelfallgenehmigungen erteilt worden waren, sagt Thomas Recktenwald von der Morbacher Verwaltung. Dadurch sei es gekommen, dass die Flughäfen in Deutschland unterschiedliche Vorschriften zur Einhaltung des Fluglärms erhalten hatten.

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