Morbacher bündeln Windkraft

Im Morbacher Gemeinderat herrscht Konsens: Neue Windkraftgebiete sollen nur noch gebündelt entwickelt werden. 98 Prozent der Fläche der Einheitsgemeinde sind für Windkraft tabu. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Morbach. Mit der Energielandschaft war die Einheitsgemeinde Morbach bereits vor vielen Jahren Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien. Das ehemalige Munitionslager der US-Armee bei Wenigerath wurde in einen Windpark mit Gewerbebetrieben umgewandelt. Wenn schon von weitem sichtbare Propeller, dann sollten sie gebündelt und auf einer Fläche konzentriert werden, um das Landschaftsbild nicht zu sehr zu beeinträchtigen. An diese Philosophie halten sich die Morbacher auch heute noch.
Das wurde in der Sitzung des Gemeinderats am Montagabend deutlich, denn es ging um den Flächennutzungsplan für den Ranzenkopf im Bereich der Einheitsgemeinde Morbach. Dort wird ein über die Grenzen mehrerer Kommunen reichender Windpark erweitert (der TV berichtete mehrfach). "Es macht Sinn, wenn wir effektive Standorte nutzen und Windkraftanlagen bündeln. Wir haben uns dabei auf die Fläche am Ranzenkopf vertieft," erläutert Bürgermeister Andreas Hackethal die Planung.
Die Pufferzone zu den Ortschaften liege bei mindestens 1000 Metern, auch Biotope und Wasserschutzgebiete seien in der Planung berücksichtigt. Mit dem Flächennutzungsplan seien nun weite Teile der Einheitsgemeinde, 98 Prozent, von Windkraft ausgeschlossen. Im Rahmen der Energiewende wird Windkraft gefördert, und ihr Ausbau ist politisch gewollt. Deshalb zählen Windkraftanlagen zu privilegierten Bauvorhaben. Das bedeutet konkret, dass es in einem unbebauten Gebiet leichter ist, eine Windkraftanlage zu bauen als etwa eine Fabrik. Das geht aber nur, wenn es keinen Flächennutzungsplan (FNP) für dieses Gebiet gibt.
Der von der Verwaltung ausgearbeitete Plan für Morbach sei ausdrücklich von der Landesregierung gelobt worden, sagt Hackethal. Michael Grehl von der Bauabteilung wies darauf hin, dass sich Windkraftanlagen grundsätzlich schon auf den Tourismus auswirken. Der Hochwald, Idarwald und das Dhrontal seien als besondere Erholungsgebiete ausgewiesen. Mit dem Flächennutzungsplan sei ausgeschlossen, dass sich Anlagen auf diese Gebiete auswirken. Jürgen Jakobs (CDU) kritisierte den Widerstand gegen den Windpark am Ranzenkopf: "Ich bin schon über manche Stellungnahmen verärgert. Wenn der Nabu dagegen ist, dann frage ich mich, wie wir sonst den Strom erzeugen sollen." Jakobs wies auf die Landschaft um Rheinböllen hin, wo Windkraftanlagen weit gestreut gebaut worden sind: "Schauen sie sich das an. Da sind Fehlentwicklungen gelaufen. Das war das Land. Bei uns haben wir vorbildlich geplant."
Willi Feilen (FWM) sagte: "An den Anblick der Windräder werden wir uns gewöhnen müssen. Wir wollen ja keinen Atomstrom." Dem pflichtete Uwe Andretta (Bündnis 90/Die Grünen) bei. Schließlich habe der Gemeinderat nach dem Reaktorunglück von Fukushima auch eine Resolution gegen Atomkraft verabschiedet. Theo Wagner (SPD) sagte: "Die Gründlichkeit der Planung war notwendig, denn die Anlagen beeinträchtigen schon das Landschaftsbild. Wir wollen vom Atomstrom weg und müssen diese Kröte nun einmal schlucken." Das Gremium beschloss die Planung mehrheitlich bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Damit sind bis zu acht Anlagen mehr möglich.
Weitere Neubaugebiete für Morbach:

Extra

Weitere Neubaugebiete für Morbach: Der Gemeinderat hat einstimmig die Bebauungspläne für die Erweiterung der Neubaugebiete Bischofsdhron-Auf der Rau und Morbach-Auf der Huhf beschlossen. In Morbach werden 44 Grundstücke mit jeweils 675 Quadratmeter ausgewiesen. Die Häuser können ein- oder zweigeschossig gebaut werden, mit Sattel- oder Pultdach. In Bischofsdhron kommen 20 Einheiten dazu. Die Gebäude sollen eingeschossig bleiben. Die Grundstücke haben eine Grundfläche von 770 Quadratmetern. Zudem wurde der bereits bestehende Bebauungsplan Gonzerath-In der Geisch geringfügig modifiziert und beschlossen. Dort sind weitere 24 Bauplätze vorgesehen. Die Quadratmeterpreise stehen, so Andreas Hackethal, noch nicht fest. Insgesamt könnten also in der Einheitsgemeinde 88 neue Eigenheime entstehen. hpl

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