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Morbacher kämpfen für ihren Notarzt

Morbacher kämpfen für ihren Notarzt

Kaum ein Thema bewegt derzeit die Morbacher Bürger mehr: Seit Juni gibt es in der Einheitsgemeinde mit seinen 19 Orten keine Notarztversorgung mehr. Das TV-Forum am Mittwochabend stieß daher auf großes Interesse. 130 Bürger wollten wissen, wie es nun weitergeht. Diese Frage blieb zwar (noch) unbeantwortet, klar ist aber, dass die Bürger die aktuelle Situation nicht hinnehmen werden.

Morbach. Viele Fragen, viele interessante Antworten: Das TV-Forum zum Thema "Die Not mit dem Notarzt" im kleinen Saal der Baldenau-Halle brachte etwas Licht ins Dunkel zu der Frage, ob und unter welchen Bedingungen ein Notarztsystem in Morbach wieder aufgebaut werden kann. Und das Forum machte deutlich: Die Bürger werden mit allen Mitteln für ihren Notarzt kämpfen. Gespräch mit Ärzten am 31. Oktober

Diese Forderung nahmen alle Podiumsteilnehmer mit nach Hause, und sie versprachen das ihrige zu tun, damit Morbach schnellstmöglich wieder einen Notarzt bekommt. Ob Jürgen Haubrich von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg als für den Kreis Bernkastel-Wittlich zuständige Rettungsdienstbehörde, Gerd A. Hommelsen vom Deutschen Roten Kreuz oder Melanie Schäfer von der Kassenärztlichen Vereinigung: Sie wollen gemeinsam eine Lösung finden. Eine Lösung könnte ein Gespräch am 31. Oktober bringen, an dem neben den oben genannten Behörden- und Standesvertretern auch Ärzte teilnehmen, die Bereitschaft signalisiert haben, Notarztdienst zu verrichten. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Das wurde während der zweistündigen Diskussion, die von den TV-Redakteuren Lars Ross und Ilse Rosenschild moderiert wurde, mehr als deutlich. Juristische Fragen müssen geklärt werden, und es muss über Geld gesprochen werden, denn die Ärzte fürchten Einbußen, wenn sie bei einem Notarzteinsatz ihre Praxis verlassen müssen.Deutlich machte dies der Morbacher Arzt Folker Musial. "Wir können das nicht auf Honorarbasis machen, es muss sich betriebswirtschaftlich rechnen", sagte er. Fakt ist, dass ein Notarzt pro Einsatz nur eine Pauschale von 76 Euro tagsüber und 92 Euro in der Nacht erhält. Das ist der eine Haken. Der zweite: Bereitschaftsdienst und Notarzteinsatz sind rein rechtlich unterschiedlich geregelt. Folker Musial dazu: "Wer beides macht, steht mit einem Bein im Gefängnis." Prinzipiell bestätigte dies Melanie Schäfer von der Kassenärztlichen Vereinigung. Schäfer: "Der Bereitschaft habende Arzt muss ständig erreichbar sein. Das ist er nicht, wenn er gleichzeitig als Notarzt draußen ist." Für Bürgermeister Gregor Eibes, der ebenfalls auf dem Podium saß, ist diese Regelung schlichtweg unsinnig. Eibes: "Ein Nebeneinander von Bereitschaftsdienst und Notarztdienst muss doch machbar sein."Arzt bewegt sich in juristischer Grauzone

Der Morbacher Arzt Tobias Kühne unterstrich dies: "Das muss doch auch parallel gehen, zumal es in Morbach kein Krankenhaus gibt. Da muss die Kassenärztliche Vereinigung über ihren Schatten springen." Eibes kritisierte ferner, dass es für den Notarzteinsatz kein Zeitlimit gibt, bis er am Unfallort ist. Eibes verwies auf die Regelung bei den Feuerwehreinsätzen. Die Feuerwehren seien gesetzlich verpflichtet, innerhalb von acht Minuten am Einsatzort zu sein. Das koste die Kommunen viel Geld. Eibes sieht daher das Land in der Pflicht, auch für die Notarzteinsätze klare Vorgaben zu machen. Dass der Morbacher Arzt Guy Roger Neis, der 17 Jahre lang - sozusagen in einer rechtlichen Grauzone - für den Bereich Morbach Notarzteinsätze fuhr, wurde von den Bürgern mit viel Beifall bedacht. Bürgermeister Eibes dankte ihm ausdrücklich dafür. Das Paradoxe in Morbach: Einen Notarzt gibt es nun nicht mehr, dafür aber immer noch ein Notarzteinsatzfahrzeug, das unbenutzt in der Garage steht. Ein Zustand, den in Morbach niemand begreifen kann. Ihre Sorgen machten die Morbacher am Mittwochabend zum Teil mit deutlichen und drastischen Worten deutlich. Achim Zender fragte provokativ: "Müssen wir auf dem Land schneller sterben?" Und zum Thema Honorarabrechnung pro Notarzteinsatz meinte eine Bürgerin: "Versuchen Sie mal für 90 Euro nachts einen Schlüsseldienst zu bekommen." Meinung Hoher Erfolgsdruck Es gibt Dinge, die mit dem normalen Menschenverstand nicht nachvollziehbar sind. Unter diese Rubrik fallen gleich einige Aspekte, die bei der trotz aller Emotion sachlich geführten Diskussion am Mittwochabend deutlich zu Tage traten. Da ist zum einen - zugespitzt formuliert - die Regelung, dass ein Hausarzt mit notärztlicher Ausbildung, der einem Verunglückten auf der Hunsrückhöhenstraße nicht helfen darf, weil möglicherweise ein Patient mit Bauchgrimmen in seine Praxis kommt. Da muss man sich in der Tat fragen, wie das in den vergangenen 17 Jahren gelöst wurde! Will man nicht hinnehmen, dass im ländlichen Raum ohne Krankenhaus in unmittelbarer Nähe Menschen in Lebensgefahr bis zu einer halben Stunde und länger auf notärztliche Hilfe warten müssen, muss sich in dem Punkt einiges tun. Ebenso unverständlich ist die Regelung, dass Morbach Standort eines Notarzt-Einsatzfahrzeuges ist, Bürger allerdings dennoch keinen Anspruch auf einen dort stationierten Notarzt haben sollen. Die Liste ist fortzusetzen: Warum sind Notarzt-Bezirke mit Krankenhäusern offenbar finanziell besser ausgestattet als andere? Und warum kann man Rettungsassistenten zumuten, in Abwesenheit eines Notarztes in einer rechtlichen Grauzone zu agieren, ohne rechtliche Absicherung dem Patienten in Lebensgefahr wirksam zu helfen oder dies eben nicht zu tun und zu hoffen, dass der Notarzt aus Bernkastel-Kues oder Hermeskeil noch rechtzeitig kommt? Auf der Suche nach einer neuen Lösung sind dicke Bretter zu bohren. Doch immerhin: Ein erster Schritt ist getan. Nach mehr als vier Monaten gibt es endlich einen Gesprächstermin. Der Mittwochabend hat gezeigt, dass die Verantwortlichen unter hohem Erfolgsdruck stehen. i.rosenschild@volksfreund.de