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Mosel: Am Wochenende wird es kritisch

Mosel: Am Wochenende wird es kritisch

Vor acht Jahren gab es das letzte große Mosel-Hochwasser. Nun droht eine ähnliche Flut. Die Anwohner wappnen sich. Viele haben aus dem verheerenden Weihnachtshochwasser des Jahres 1993 gelernt.

Bernkastel-Kues/Lieser/Kesten/Traben-Trarbach. Wie hoch steigt die Mosel angesichts der steigenden Temperaturen, der damit verbundenen Schneeschmelze und des Regens, der gestern um die Mittagszeit einsetzte? Das Hochwassermeldezentrum Mosel in Trier schließt für Samstag und Sonntag einen Pegel (gemessen in Trier) zwischen neun und zehn Metern nicht aus. Zum Vergleich: Das Weihnachtshochwasser 1993, die größte Flut seit über 100 Jahren, erreichte in Trier einen Pegel von 11,28 Metern. Das letzte größere Moselhochwasser liegt acht Jahre zurück. Im Januar 2003 stieg der Pegel bis auf 9,81 Meter. Und noch ein Vergleich: Vor zwei Wochen, an Weihnachten, lag der Pegel bei 8,41 Metern.

Regenmenge ist der große Unsicherheitsfaktor



Der große Unsicherheitsfaktor war und ist die Regenmenge. Am Donnerstag kam bis in die Abendstunden nicht so viel Regen vom Himmel wie erwartet. Deshalb war Karl-Heinz Ginsbach, Referent für Hochwasserschutz bei der Struktur-und Genehmigungsbehörde Nord (SGD) und in der Region als "Hochwasserpapst" bekannt, gestern auch noch ganz entspannt. "Es taut langsam. Hochwasser bekommen wir aber auf jeden Fall. Ich rechne mit 9,50 bis 9,80 Metern", lautete seine Prognose.

Im Kreis Bernkastel-Wittlich gibt es nach Auskunft von Kreisfeuerwehrinspekteur Willi Herres bei Hochwassergefahr fünf Alarmstufen. Stufe 1: fünf bis sechs Meter, Stufe 2: sechs bis sieben Meter, Stufe 3: acht bis elf Meter, Stufe 4: zwischen elf Metern und 11,50 Metern. Die fünfte Stufe wurde noch nie erreicht und ist nicht definiert. Jeder Ort sei anders betroffen, manche gar nicht. Deshalb werde erst ab Stufe vier ein Krisenstab auf Kreisebene gebildet, sagt Herres.

Die Moselanwohner haben, so der Experte, aus dem Weihnachtshochwasser 1993 gelernt. Viele Heizöltanks seien vom Keller in höhere Stockwerke verlagert, viele Trafo-Stationen höher gelegt worden. 1993 waren viele Tanks umgefallen und leckgeschlagen. In vielen Haushalten fiel der Strom aus.

Der Kreis hat 30 000 Sandsäcke auf Lager. Sie werden, so Herres, aber nur auf sein Geheiß oder das der Einsatz zentrale ausgegeben. Jede Feuerwehr in den betroffenen Orten verfüge über ein Boot. Auch Pumpen seien verfügbar. "Die Feuerwehr kann aber nicht für jedes Dorf Pumpen be reithalten", sagt Herres.

Die Lieserer gehen mit den Prognosen ganz entspannt um. Ihr Ort wird seit dem Jahr 2000 von einem Damm geschützt, der erst überlaufen würde, wenn der Pegel aus dem Jahr 1993 erreicht ist.

Heute werden die ersten Straßen gesperrt



Eine erste Bewährungsprobe könnte es einige Kilometer weiter flussaufwärts für den 2010 in Betrieb genommenen Hochwasserdamm Kesten geben. Bis zu einem Pegelstand von zehn Metern, wieder auf Trier gerechnet, sei er sicher, sagt Karl-Heinz Ginsbach.

Der Scheitel der Welle sei fünf Stunden später in Kesten zu erwarten. Es sei entscheidend, wie viel Wasser in dieser Zeit hinzukomme.

Ginsbach: "Ich bin aber selbst gespannt, wie sich das entwickelt, wir haben ja noch keine Erfahrungswerte. Wir gehen derzeit aber davon aus, dass die Zehn-Meter-Marke nicht erreicht wird."

Die Kestener waren in früheren Zeiten immer besonders vom Hochwasser betroffen. 1993 stand fast der gesamte Ort unter Wasser. Teilweise erreichte die Mosel damals die ersten Etagen der Häuser. "Die Leute sind wachsam und hoffen, dass das Wasser nicht über den Damm fließt", gibt Ortsbürgermeister Michael Beer die Stimmungslage wider.

Vorbereitungen werden auch in Traben-Trarbach getroffen. Der im Jahr 2004 fertiggestellte Hochwasserschutz für Trarbach wird am Wochenende seine erste Bewährungsprobe bestehen müssen. Im Januar 2003 waren noch große Teile der Trarbacher Altstadt überflutet worden. 70 Häuser waren betroffen. Ein ungesicherter Heizöltank in einem Imbiss in der Moselstraße lief damals aus. Die Mauer, die teilweise aus mobilen Aluminiumbohlen besteht, sichert die Stadt bis zu einem Wasserstand von 10,20 bis 10,50 Metern am Pegel Trier. Sie wird heute installiert.

Die Stadt Bernkastel-Kues verfügt nicht über einen Hochwasserschutz. Erreicht der Pegel in Trier 9,40 bis 9,60 Meter, läuft das Moselwasser in Teile der Bernkasteler Altstadt. Der Karlsbader Platz und mehrere Gassen werden überflutet. Gestern haben bereits einige Gastronomen damit begonnen, Inventar in Sicherheit zu bringen.

Im Laufe des heutigen Tages werden voraussichtlich bereits folgende Straßen gesperrt: die B 53 zwischen dem Zeltinger Kreisel und Ürzig, die L 134 zwischen Lieser und Kesten, die K 65 zwischen Reil und Kövenig, die L 192 zwischen der B 53 und Enkirch und die K 86 zwischen Trittenheim und Leiwen.