1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Mosel Musikfestival: Marion & Sobo Band in der Synagoge in Wittlich

Konzert : Kraftvolle Stimme, tolle Soli und eine Badewanne voll Bier

Klein und fein, aber stimmgewaltig begeisterte die Marion & Sobo Band in Wittlich. Das Konzert des Mosel Musikfestivals wurde in die Synagoge verlegt.

Da schwingt schon ein bisschen Sehnsucht mit bei der Marion & Sobo Band. Die Sehnsucht nach der Leichtigkeit des Lebens. Nach dem unbeschwerten Treffen mit Freunden. Nach Feiern. So erklärt Marion Lenfant-Preus die Entstehungsgeschichte ihres ersten eigens in Deutsch geschriebenen Titels „Die Badewanne voller Bier“. Es war reine Nostalgie. „Das ist meine Hommage an WG-Partys“, erläutert die franko-amerikanische Sängerin.

 Eine Zeit vor Corona, in der spontane Treffen selbstverständlich waren. „Ich finde, diese WG-Partys waren die besten“, sagt Lenfant-Preus. Weil mangels Platz im Kühlschrank die Getränke in der Badewanne gekühlt werden mussten, entstand so eines der fröhlich-leichten Stücke, die die Mario & Sobo Band am Sonntagvormittag in Wittlich spielte.

 Der aus Polen stammende Gitarrist der Marion & Sobo Band, Alexander Sobocinski, begeisterte mit akrobatischen Soli.
Der aus Polen stammende Gitarrist der Marion & Sobo Band, Alexander Sobocinski, begeisterte mit akrobatischen Soli. Foto: TV/Holger Teusch

 Mit ihrer Musik will die Bonner Formation Lebensfreude vermitteln. Das kommt bei jedem Ton rüber. Dass das Konzert wegen der un­sicheren Wetter­pro­gnose von den Wittlicher Lieser­terrassen in die Kultur- und Tagungsstätte Synagoge verlegt wurde, war im Nach­hinein vielleicht sogar ein Glücksfall. Die facettenreiche und kraftvolle Stimme der Sängerin füllte den Raum bei den verschiedenen Stücken aus. Sie brachte die Gitarren-­Soli des aus Polen stammenden Alexander Sobocinski, genannt Sobo, ebenso zur Geltung wie den Kontrabass des Esseners Moritz Götzen. Ob das am Flussufer mit den vorgesehenen Kopfhörern fürs Publikum den gleichen Effekt gehabt hätte?

 Marion Lenfant-Preus beeindruckte die Zuhörer in Wittlich mit ihrer ebenso kraftvollen wie facettenreichen Stimme.
Marion Lenfant-Preus beeindruckte die Zuhörer in Wittlich mit ihrer ebenso kraftvollen wie facettenreichen Stimme. Foto: TV/Holger Teusch

 Einige wenige Karten seien nach der Verlegung in den Innenraum nicht abgeholt werden, erzählt der Geschäfts­führende Intendant des Mosel Musikfestivals, Tobias Scharfenberger. Der Corona-Effekt. Aber auch, wenn letztendlich am Sonntagvormittag die Sonne schien, die Unsicherheit sei nach den Wetter­prognosen zu groß gewesen, sagt Scharfenberger. Die Sicherheit ist in der Synagoge gegeben: Bei 30 Zuhörern gibt es reichlich Platz und Luft. Und die volle Konzentration – nicht nur, um der Musik im Stil aus Chanson, vokalem Gypsy-Jazz und Weltmusik zu lauschen, sondern auch den Geschichten, die dahinter steckten. „Stellen sie sich vor, sie laufen durch das Paris der Zwanziger Jahre, durch die Künstlerviertel mit ihren schönen alten Häusern“, fordert Lenfant-Preus die Zuhörer beispielsweise auf.

Bei der Zugabe versetzt das Trio alle zehn Jahre zurück zu einer Jazz-Session in einem Bonner Café. Dort trafen sich Marion Lenfant-Preus und Alexander Sobocinski an der Theke und fantasierten über eine Band­gründung. „In 99 Prozent solcher Fälle wird die Band dann doch nicht gegründet“, erzählt der Pole aus Erfahrung. Bei Marion und Sobo passierte es zum Glück doch.