Mosel und Hunsrück stets im Blick
Bernkastel-Kues · Eine Landschaft, wie sie unterschiedlicher nicht sein kann, das ist die Besonderheit der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues aus. Seit März 2000 ist Ulf Hangert dort Bürgermeister. Er war mit dem TV auf Tour in der großflächigen VG.
Bernkastel-Kues. Das Wetter ist leicht bewölkt, als die Tour mit Verbandsgemeindebürgermeister Ulf Hangert durch die 23 Gemeinden seiner Verbandsgemeinde startet. Alleine gut 33 Kilometer liegen an der Mosel zwischen den beiden VG-Gemeinden Lösnich und Neumagen-Dhron. Geht es auf den Hunsrück zur zugehörigen Gemeinde Hochscheid, dann sind noch mal vom Dienstsitz in Bernkastel-Kues aus zusätzliche 20 Kilometer auf dem Tacho. "Das macht auch einen besonderen Reiz aus: Zur VG zählt nicht nur die Mosel, sondern eben auch der Hunsrück", sagt Hangert.
Damit verbunden sei ein hohes Maß an Lebensqualität: "Steht man in Gornhausen in der Sonne, kann man von dort oben hinab ins Tal sehen, wie sich langsam die nebelverhangene Mosel zeigt", sagt Hangert. Der Bezirk sei stark von der Mosel geprägt, die Hunsrückgemeinden bildeten mit ihren großen landwirtschaftlichen Flächen ein ganz anderes Bild. Beispielhaft an einigen Projekten fahren wir unter festgelegten Gesichtspunkten seinen Arbeitsbereich ab. Dabei gibt es nicht nur Positives, sondern auch kritische Töne.
Weinbau und Tourismus: "Ich habe mich schon immer mit Wein beschäftigt. Hier dann die weltberühmten Winzer mit ihren weltberühmten Weinen zu kennen ist nach wie vor eine Faszination", so Hangert. Beispielsweise einen Braunberger Juffer zu genießen und dabei direkt in die Weinberge der Lage zu schauen, sei eine Lebensqualität, die man so nirgends finde. Wenn es um die Weine aus der Region gehe, sei die Vinothek in Kues ein interessanter Anlaufpunkt: "Über 100 Weine werden präsentiert, das ist eine grandiose Auswahl in einem starken Ambiente." Die Tourist-Info in der Stadt Bernkastel-Kues und alle die kleineren Tourist-Infos in den Orten seien für die Besucher ein guter Anlaufpunkt. "Das Römerschiff in Neumagen-Dhron zählt mit zu den Attraktionen in Sachen Wein und Tourismus", so Hangert weiter.
Bildung: Dem gebürtigen Kieler liegt besonders das Thema Bildung am Herzen: "Von der Ganztags-Grundschule bis zur Universität können wir mit allen Schulformen aufwarten, wo gibt es so etwas schon?" Stellvertretend für die zwölf Grundschulen präsentiert er die Ganztagsschule in Mülheim. 750 000 Euro Investitionssumme flossen 2008 in einen Umbau, der zusätzlich 280 Quadratmeter Nutzfläche brachte. Eine Mensa, zwei damit kombinierbare Mehrzweckräume sowie Lehrerzimmer und Lehrmittelraum sind entstanden. Neben Seniorenakademie, Akademie Kues und der geplanten Cusanus-Hochschule mit den Fachbereichen Geistes- und Therapiewissenschaft ist dem Verwaltungschef die Jugend sehr wichtig: "Mit unserer mobilen Jugendarbeit, einem tollen Jugendkulturzentrum und zwei Jugendparlamenten zeigen wir großes Engagement für den Nachwuchs."
Feuerwehren und Fusionen: In Kleinich gibt es ein Musterbeispiel einer zusammengeschlossenen Wehr - gemeinsam ist man hier mit acht Ortsteilen des Kirchspiels stark. Für 350 000 Euro gab es 2009 ein gemeinsames Feuerwehrhaus. "Strukturveränderungen und Fusionen bei den Wehren wird es auch künftig geben müssen", erläutert Hangert. "Das Engagement und die vielen 100 Stunden, die die Freiwilligen bei den Wehren leisten, sind eine herausragende Leistung für die Gemeinschaft."
Dörfliches Leben - Bürgerengagement: "Unter diesem Aspekt könnten wir eine unendlich lange Liste der Aktivitäten erstellen", sagt Hangert Einige stellt er stellvertretend für das große Engagement und den Zusammenhalt in den Orten vor. So die die teils in großer Eigenleistung entstandene Kulturscheune in Oberkleinich: "Hier findet ein sehr schöner Weihnachtsmarkt statt, den ich selbst besuche." Vor Ort sein und den Menschen "zumindest mit meiner Anwesenheit zu zeigen, dass ich ihren Einsatz schätze", das ist für Hangert ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Zum Miteinander zählt für ihn der Mehrgenerationenspielplatz in Gornhausen. Das Wintricher Netz, die Bürgerstiftung, die zahlreichen Vereine in allen Gemeinden und auch die Ehrenamtsbörse sind ein Indiz für ein ausgeprägtes und munteres Dorfleben.
Hochwasserschutz: "Für Lieser und Kesten sind die Maßnahmen zum Hochwasserschutz eine lebenswichtige Sache gewesen", erläutert Hangert. 15 Millionen in Kesten und 25 Millionen für Lieser wurde dafür berappt - zehn Prozent Eigenanteil trug die Verbandsgemeinde. "Wenn man heute sieht, wie sich die Orte seitdem positiv entwickelt haben, wie vieles neu hergerichtet wurde, war es die richtige Entscheidung."
Ausblick: Kritisch steht Hangert dem Verfall vieler Gebäude gegenüber: "Statt in die vorhandenen Strukturen zu investieren, werden immer neue Häuser gebaut, die gewachsenen Ortskerne bluten aus." Der demografische Wandel sei eine wichtige Aufgabe. Eher abweisend sieht er erneuerbare Energien: "Immer mehr Niedrigenergiehäuser, die weder Charme haben, noch schön aussehen, werden gebaut. Wer aber bedenkt den sozialen Aspekt der Energiewende?" Gerade ältere Menschen könnten kaum noch die explodierenden Strompreise schultern. Zu schultern ist auch die Sanierung der Mülheimer Brücke. Hangert: "2014 steht das auf der Agenda. Da gibt es noch Probleme, zum Beispiel wie lange und wie der Verkehr umgeleitet werden soll."Extra
Zur VG gehören 23 Orte an der Mosel und im Hunsrück. Größe: 250 Quadratkilometer, Einwohner: circa 28 000; Bildungseinrichtungen: 19 Kitas, 13 Grundschulen, zwei Realschulen plus, zwei Berufsbildende Schulen, Hotelfachschule, ein Gymnasium, eine Schule für Lernbehinderte; Gewerbegebiete: Kues, Andel/Mülheim, Hochscheid, Ürzig (Höhe), Longkamp, Zeltingen Rachtig (Ürziger Mühle), Piesport, Wintrich, Monzelfeld, Neumagen-Dhron; Pro-Kopf-Verschuldung: 424 Euro. jo