Moselbühne rückt ins Zentrum

Seit 57 Jahren lockt das Internationale Kröver Trachtentreffen Besucher in den Ort. Diesmal wird vieles anders sein. Da die große Tribüne nicht mehr den Sicherheits-Standards entspricht, wird die schwimmende Moselbühne 300 Meter flussabwärts verlegt.

Kröv. Das große Folklore-Festival Kröver Trachtentreffen vom 2. bis 5. Juli wartet mit einem neuen Konzept auf. Den Anstoß dafür gab eine neue EU-Verordnung. Die Statik der 1500 Menschen fassenden Tribüne, von der die Besucher das bunte Treiben auf der schwimmenden Moselbühne beobachten konnten, genügt laut neuer EU-Verordnung für solche Anlagen nicht mehr den Vorschriften.

Was tun? Eine komplett neue Tribüne kostet rund 130 000 Euro, und für das Ausleihen müsste die Gemeinde rund 20 000 Euro zahlen. Zu viel für den hochverschuldeten Weinort. Im Haushalt 2010 fehlen 475 000 Euro, und der Schuldenstand ist inzwischen auf 3,6 Millionen Euro gewachsen.

Der 15-köpfige Festausschuss hat nun ein neues Konzept vorgelegt und will die erzwungene Änderung als Chance nutzen. Rund 300 Meter moselaufwärts, genau unterhalb der Weinbrunnenhalle "Kröver Nacktarsch", soll die schwimmende Bühne platziert werden. Dort wird nach Auskunft von Ortsbürgermeister Günter Müllers eine Zeltstadt entstehen - mit Pagoden, Zeltelementen und Sonnenschirmen. Für rund 1500 Menschen werden Tische und Bänke aufgestellt. Sie werden umrahmt von kulinarischen Spezialitäten- und Getränkeständen. Vom Balkon der Weinbrunnenhalle werden die Besucher den besten Blick auf die schwimmende Moselbühne haben.

Für die Zuschauer, die gewohnt waren, von der Tribüne aus die Tanzvorführungen zu beobachten und nun unten sitzen, wird es eine Umstellung sein. Die Sicht auf die Bühne ist nicht optimal, dafür können die Besucher während der Show aber am Tisch sitzen und in Ruhe ein Glas Wein genießen. Und das für weniger Geld als die Jahre zuvor. Ein Tribünenplatz kostete zwischen acht und zwölf Euro, in diesem Jahr kann man für die Musik- und Tanzveranstaltungen am Freitag und Samstag für fünf Euro eine Festplakette erwerben.

Trachtentreffen als Marke für den Ort



Bürgermeister Müllers rechnet dennoch nicht mit geringeren Einnahmen als in den Jahren zuvor. Dass das Trachtentreffen auch 2010 der Gemeinde einen Fehlbetrag bescheren wird, ist aber bereits einkalkuliert. Im Haushaltsplan sind 28 000 Euro dafür vorgesehen. Der Gesamtetat für das viertägige Fest beträgt 82 000 Euro. Er beinhaltet aber auch die Personalkosten für die Gemeindearbeiter und die Mitarbeiter der Tourist-Information, die eingespannt sind.

Ortschef Müllers sieht diesen "Zuschuss" aus der Gemeindekasse als Werbemaßnahmen. Müllers: "Das Trachtentreffen ist seit Jahrzehnten eine Marke und macht unseren Ort in In- und Ausland bekannt."

Eine weitere Neuerung dürfte die vielen Weintrinker freuen. Die Gemeinde wird vor dem Fest im Amtsblatt einen Zettel mit dem Programm einlegen - er gilt gleichzeitig als Gutschein für ein Glas Wein.

Extra Genehmigung versagt: Die 1500 Personen fassende Zuschauertribüne für das Trachtentreffen ließ die Gemeinde 1958 bauen. Sie kann in diesem Jahr nicht genutzt werden, da sie die Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt. Diese basieren auf europäischen Normen, die seit März 2010 Gültigkeit haben. Nach Angaben eines Ingenieurbüros ist mit der Einführung neuer Din-Normen und den anzusetzenden Belastungen für fliegende Bauten und Zuschauertribünen der jetzige Zustand nicht mehr vertretbar und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Eine Genehmigung durch den Tüv werde es daher nicht geben. (sim)

Meinung Chance für eine Veränderung
Die Kröver machen aus der Not eine Tugend: Weil die große Tribüne nicht mehr zur Verfügung steht, rückt in diesem Jahr die schwimmende Moselbühne vor die Weinbrunnenhalle - genau ins Zentrum des Geschehens. Die Tanzdarbietungen, die Musik mit bekannten Bands aus der Region, die Krönung der Weinkönigin und die einzigartige Flussfeier auf der schwimmenden Moselbühne - das alles konzentriert sich an einem Punkt - was für die Atmosphäre sicherlich von Vorteil sein wird. Zu erwarten ist eine große Sommer-Party. Eine Party, die die Gemeinde nach wie vor viel Geld kostet — im Schnitt 20 000 Euro im Jahr. Schwarze Zahlen schrieb die Gemeinde mit dem Trachtentreffen zuletzt vor 30 Jahren. Damals waren die Ansprüche des Publikums ans Unterhaltungsprogramm noch nicht so hoch, und es gab insgesamt weniger Feste und damit weniger Konkurrenz. w.simon@volksfreund.de