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Mosellandtouristik will Gästekarte einführen
Wird der Tourismus an Saar und Mosel revolutioniert?

FOTO: Mosellandtouristik
Bernkastel-Wittlich/Trier-Saarburg . Die Moselcard soll Gästen ermöglichen, viele Einrichtungen von Saarburg bis Koblenz viel günstiger zu nutzen. Der TV erklärt das Projekt. Von Christian Thome

Die Ferienregion Mosel-Saar ist die führende Tourismusregion in Rheinland-Pfalz. Ihre Zahlen sind beeindruckend und steigen weiter. Von Januar bis November vergangenen Jahres kamen mit 2,5 Millionen Ankünften 4,6 Prozent mehr Gäste. Auch die Zahl der Übernachtungen steigt: Sie betrug 2018 sieben Millionen – ein Anstieg von 3,6 Prozent. Das ist doch alles super, das kann man genau so weitermachen, oder? Nein, zumindest nicht, wenn es nach der Mosellandtouristik geht. Denn die möchte ein Projekt durchsetzen, das mal eben den gesamten Tourismus von Saarburg bis Koblenz revolutionieren könnte: die Moselcard. Ihre Pläne hat sie nun in Traben-Trarbach vorgestellt.

Das ist geplant Das Konzept der Moselcard dürfte vielen Urlaubern bereits aus den Ferien im Schwarzwald, dem Allgäu oder in der Pfalz bekannt vorkommen. Die Idee ist, dass jeder Besucher in seinem Hotel einen gewissen Betrag zahlt und dafür zusätzliche Leistungen erhält. Diese sollen der Eintritt in verschiedene Freizeiteinrichtungen und Bus und Bahn sein. Jeder Gast bekommt also beim Check-In im jeweiligen Hotel seine Karte und kann mit dieser viele Einrichtungen entlang Saar und Mosel kostenlos besuchen.

Und entlang Saar und Mosel ist hier wörtlich zu nehmen, denn das Gebiet soll sich von Saarburg bis nach Koblenz erstrecken. Zum Beispiel kann sich also ein Feriengast etwa in Cochem in den Zug setzen und nach Trier fahren, dort verschiedene Einrichtungen besuchen und wieder zurückfahren – ohne auch nur einen Cent extra zu zahlen. Und das Gebiet führt noch weiter, wie die Geschäftsführerin der Mosellandtouristik, Sabine Winkhaus-Robert erklärt: „Wir schauen auch ins Saarland und bis nach Koblenz, welche Einrichtungen da interessant sein könnten.“ Im Saarland könnte das etwa die Saarschleife sein, in Koblenz die Seilbahn und die Festung Ehrenbreitstein. Insgesamt sollen am Konzept 60 bis 70 Freizeiteinrichtungen teilnehmen.

FOTO: TV / Christian Thome

Dabei steht es den Beherbergungsbetrieben und Freizeiteinrichtungen frei, ob sie mitmachen. Nach Ansicht der Mosellandtouristik würden sie damit ihr „eigenes Leistungsangebot spürbar aufwerten“. Dazu soll es einen Reiseführer und eine App geben, auf der „das gesamte touristische Angebot der Mosel vernetzt wird“. Der Plan ist, dass dann die Gäste außerdem mehr Geld in der Urlaubskasse übrig haben und dieses in anderen Angeboten in der Region ausgeben.

So wird das Projekt finanziert Hier muss man differenzieren. Zunächst einmal ist die Karte an sich umlagefinanziert. Das bedeutet, dass der Beherbergungsbetrieb einen Fixbetrag pro Gast und Nacht bezahlt. Dieser soll den aktuellen Kalkulationen nach bei 2,80 Euro für Erwachsene und 1,70 Euro für Jugendliche liegen. Dieser sogenannte Umlagebetrag wird von der Mosellandtouristik eingezogen und nach einem Schlüssel an die teilnehmenden Freizeitpartner ausgeschüttet.

Die Kosten, die zum Start des Projektes anfallen, werden von den Gesellschaftern der Mosellandtouristik getragen. Seit 2002 sind die vier Landkreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Trier-Saarburg, Mayen-Koblenz sowie alle Verbandsgemeinden, die Stadt Trier und die Weinwerbung Mosel-Saar-Ruwer Gesellschafter der Mosellandtouristik.

Sie sind bis jetzt dabei „Momentan läuft die Akquise der Projektpartner“, erklärt Thomas Kalff, stellvertretender Geschäftsführer der Mosellandtouristik. Was Namen angeht, halten er und Sabine Winkhaus-Robert sich zurück. „Wir wollen den Wunsch der Teilnehmer respektieren, die noch nicht wünschen, dass das publik gemacht wird“, sagt die Geschäftsführerin. Auf TV-Nachfrage kristallisieren sich dann doch Teilnehmer heraus. „Ja, ich bin dabei“, sagt Matthias Ganter, Inhaber des Vier-Sterne-Hotels Moselschlösschen und des Jugendstilhotels Bellevue in Traben-Trarbach, „das ist eine historische Chance für die Region“. Seiner Meinung nach müsse man das Kind nun auf die Welt bringen, ordentlich füttern, und dann werde es ein Selbstläufer.

Schon jetzt mit im Boot sind auch das Hotel Deutschherrenhof in Zeltingen-Rachtig und das Hotel Moselpark in Bernkastel-Kues, erklärt Sebastian Bodensteiner, der als Vertreter des Dehoga vor Ort ist. „Wir als Dehoga unterstützen das Projekt mit voller Kraft“, sagt er.

So geht es weiter Alles hängt davon ab, wie viele Beherbergungsbetriebe noch mitmachen. „Unsere Kalkulation geht auf, wenn wir Hotels mit einer Million Übernachtungen zusammenhaben“, sagt Sabine Winkhaus-Robert. Nur dann könne das Projekt realisiert werden.

Um diese Zahl zu erreichen, sprechen die Projektleiter seit Januar mit vielen Hotelbetreibern. Nach kurzer Zeit sind bereits jetzt zehn Prozent der Übernachtungen und ein Drittel der Freizeiteinrichtungen mit im Boot. Diese Zahl soll auch besonders durch die Info-Veranstaltungen erhöht werden, die im März und April in der Region stattfinden werden (siehe Info).

Wird die Zahl erreicht, dann möchte die Mosellandtouristik schnell handeln, geplanter Projektbeginn soll der 1. April 2020 sein. Im Sommer soll entschieden werden, ob das Projekt realisiert wird.