"Moselochsen im Schnitzelparadies": Moselaner kochen vor Wut über FAZ-Artikel

"Moselochsen im Schnitzelparadies": Moselaner kochen vor Wut über FAZ-Artikel

Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat für Aufruhr gesorgt. Ein Journalist schreibt eine Polemik über die Moselregion, in der von „Schnitzelparadiesen und uneinsichtigen Moselochsen“ die Rede ist. Landrat Gregor Eibes hat sich in einem offenen Brief an die Herausgeber der Zeitung gewandt und fordert nun eine Entschuldigung. Im Kreistag trifft der Wutbrief auf viel Applaus.

Das emotionalste Thema der Bernkastel-Wittlicher Kreistagssitzung in dieser Woche war ein Brief, den Landrat Gregor Eibes den Mitgliedern der Versammlung vorlegte - und dem diese nachdrücklich zustimmten. Der Brief richtet sich an die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Eibes schreibt darin unter Bezugnahme auf einen Artikel des Reisejournalisten Jakob Strobel y Serra: "Bleiben Sie tatsächlich dabei, die Menschen an der Mosel ,Ochsen‘ zu nennen? (…) Falls ja, lassen Sie uns Moselaner dies wissen. Falls nein, erwarten wir eine öffentlich wirksame Entschuldigung."

Was war passiert und warum bezeichnet ein FAZ-Journalist die Moselaner als Ochsen?

Der 1966 in Bonn geborene Journalist Jakob Strobel y Serra schreibt für das Reiseblatt der FAZ. In der Serie "Abschied von gestern" war am 23. August in besagtem Blatt ein Artikel mit dem Titel " Der Schönheit wohnt der Schrecken inne " zu lesen. Darin wird die Mosel als Ferienregion beschrieben, beginnend bei Cochem. "Cochem ist (…) eine Art Mosel-Ballermann, dessen muffiger Charme irgendwo zwischen Heinz Erhardt und Helmut Kohl angesiedelt werden muss."

Strobel y Serra schreibt aber auch: "Ein hübscher Fluss wäre sie ohne ihre Reben. Eine überwältigende Schönheit ist sie dank ihnen." Doch sie werde von der Liebe ihrer Bewunderer fast erdrückt und die "liebenswerten, aber auch kolossal sturköpfigen Moselmenschen" würden gerne mit dem Spitzenamen "Mosel-ochsen" bezeichnet.

Weiter lobt Strobel einzelne Winzer, die mit Leidenschaft Spitzenweine produzieren, aber er kritisiert auch das "Hänsel- und Gretchen-Städtchen" Bernkastel-Kues, in dem sich die "altbackene Spießigkeit" bräsig bequem gemacht habe. Ausgerechnet in diesem "Hänsel- und Gretel-Städtchen" tagte auch noch der Kreistag, der traditionell zum Weinfest der Mittelmosel von Wittlich aus einen Ausflug nach Bernkastel- Kues macht, um sich im dortigen Sparkassengebäude zu treffen.

Landrat Gregor Eibes erinnert daran, dass man sich der Kritik stellen wolle, man wolle die Aussagen von Strobel aber relativiert wissen. "Mit schlecht recherchierten Inhalten, mit polarisierender Darstellung und mit einem überzogenen sarkastischen Schreibstil" werde eine ganze Tourismusregion verunglimpft und beschimpft. Für den beleidigenden und entwürdigenden Schreibstil habe Eibes kein Verständnis. Zudem habe Strobel am Ende des Artikels geschrieben, dass die Moselland-Touristik ihn unterstützt habe. Dabei habe es sich aber lediglich um die Zusendung von Informationen gehandelt.

Und was sagt die FAZ dazu? Das Sekretariat des Vorstands der FAZ konnte auf TV-Anfrage die Ankunft des Briefes noch nicht bestätigen. Der Autor des Artikels sei derzeit noch auf Reisen, komme aber in dieser Woche wieder ins Büro und werde den Brief umgehend erhalten.
Meinung

Eine Debatte wäre wünschenswertOb der Moselregion wegen eines kritischen Zeitungsartikels nun wirklich ein Imageschaden entsteht, ist fraglich. Der Brief des Landrats hat dennoch seine Berechtigung, denn angesichts dieser enormen Kritik und der hitzigen Diskussionen muss er ein Signal an die Menschen der Region senden und zeigen, dass er hinter ihnen steht. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich jetzt eine Debatte über Qualitätstourismus entwickeln könnte, die konstruktive Ergebnisse bringt. hp.linz@volksfreund.de

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