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Moselschlösschen vs. Deinhard's: Wer sind die Gäste der Hotels?

Interview : Wer sind die Gäste in den edlen Hotels Moselschlösschen und Deinhard’s?

Beide Hotels haben 2022 neu eröffnet, beide wollen mit exklusiven Angeboten bei ihren Gästen punkten: Das Moselschlösschen in Traben-Trarbach bietet luxuriöses Wellness&Spa an, das Deinhard’s in Bernkastel-Kues eine Weinkultur-Erlebniswelt. Haben sie damit Erfolg?

Es sind die beiden aufsehenerregendsten Hotelprojekte des Jahres 2022 an der Mosel: das Moselschlösschen in Traben-Trarbach und das Deinhard’s in Bernkastel-Kues. Dort ist nach rund siebenjähriger Bauzeit eine Weinkultur-Erlebniswelt entstanden. Ein Hotel mit 54 Zimmern und Wellnesslandschaft, ein Restaurant, eine Sektwerkstatt, eine Weinbank, Seminarräume und ein Coworking-Space erstrecken sich auf dem Gelände der alten Weinbauschule mit ihren Nebengebäuden. Investor Michael Willkomm beabsichtigt, mit dem Haus ein Zentrum für Kunst, Kultur, Begegnung Wein & Sekt werden.

Hotelier Matthias Ganter hat das Moselschlösschen in Traben-Trarbach inklusive dem Annex ehemalige Moselgalerie zu einem exklusiven Wellnesshotel mit insgesamt 72 Zimmern und einem 2500 Quadratmeter großen Wellnessbereich umgebaut. Vorträge zu gesundheitsrelevanten Themen, Ayurveda, dazu Wellness-Menüs, Weinproben und eine Kochschule mit allabendlichen Kursen runden das Angebot ab, das vor allem auch jüngere zahlungskräftige Kunden begeistern soll.

 Das Deinhard’s in Bernkastel-Kues eröffnete im September 2022.
Das Deinhard’s in Bernkastel-Kues eröffnete im September 2022. Foto: TV/Björn Pazen

Wie ist der Betrieb in beiden Hotels angelaufen? Haben die Macher mit ihren Konzepten ins Schwarze getroffen? Wir haben mit Hotelier Matthias Ganter in Traben-Trarbach und Hoteldirektor Andreas Heidingsfelder in Bernkastel-Kues gesprochen.

Im April 2022 eröffnete das Wellnesshotel Moselschlösschen Resort&Spa in Traben-Trarbach, im September das Deinhard’s in Bernkastel-Kues. Wie ist der Hotelbetrieb angelaufen?

Matthias Ganter: Das Moselschlösschen ist sehr gut angelaufen, und wir hatten in den Monaten Mai bis Dezember eine durchschnittliche Auslastung von 88 Prozent. Das liegt aber auch daran, dass wir einen sechsstelligen Betrag für PR und Marketing ausgegeben haben.

Andreas Heidingsfelder: Er ist sehr gut angelaufen durch die allgemein gute Buchungslage an der Mosel.

Hotelier Matthias Ganter aus Traben-Trarbach.
Hotelier Matthias Ganter aus Traben-Trarbach. Foto: WILLY SPEICHER

Wie sieht die Buchungslage aktuell aus?

Ganter: Aktuell liegt die Auslastung für Januar bei zirka 60 Prozent. Das klingt zwar viel für ein Hotel an der Mosel. Für ein reines Wellness- und Spa-Resort ist da aber noch Luft nach oben.

Heidingsfelder: Aktuell ist es etwas ruhiger durch die Jahreszeit (Januar bis März). Dennoch buchen Geschäftsreisende, Geschäftskunden lokaler Firmen. An den Wochenenden sind es Gäste, die ausspannen möchten. Das Tagungsgeschäft mit kleineren Tagungen, Abteilungsleitern, Managern bis 30 Personen läuft gut. Sehr positiver Ausblick für das Jahr 2023.

Andreas Heidingsfelder, Hoteldirektor des Deinhard’s in Bernkastel-Kues.
Andreas Heidingsfelder, Hoteldirektor des Deinhard’s in Bernkastel-Kues. Foto: Andreas Heidingsfelder/Privat

Woher kommen Ihre Gäste? Sind es eher Besucher aus dem Ausland oder aus Deutschland, die es an die Mosel lockt?

Ganter: In erster Linie kommen unsere Gäste aus den Ballungsgebieten Rhein-Main und Köln-Düsseldorf. Darüber hinaus kommen viele Gäste aus den Benelux-Ländern mit Schwerpunkt Luxemburg. Gäste aus Übersee sind in der Minderheit.

Heidingsfelder: Überwiegend kommen sie aus Deutschland, den Benelux-Staaten, vereinzelt aus den USA.

Welche Klientel zieht das Moselschlösschen an? Welche das Deinhard’s? Sind es gut situierte ältere Paare oder junge Besserverdiener?

Ganter: Unter der Woche eher die Generation 50plus, am Wochenende aber auch viele junge Pärchen ab 25, was uns natürlich sehr freut, da wir mit unserem Invest die Mosel ja insbesondere auch im Winter für Gäste aller Altersgruppen attraktiv machen. Außerdem nutzen sehr viel Gäste aus der Region das Day-Spa-Angebot, das wir täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr anbieten und sich gerade in den Wintermonaten als kleiner Urlaub in der eigenen Region eignet.

Heidingsfelder: Beides bunt gemischt, es ist keine spezifische Altersgruppe zu erkennen.

Was schätzen Ihre Kunden besonders? Warum kommen sie gerade in Ihre Hotels?

Ganter: Der Spa-Bereich im Moselschlösschen ist an der Mosel aufgrund seiner Größe und des vielseitigen Angebots derzeit sicher das führende Wellnesshotel mit direkter Flusslage.

Heidingsfelder: Die persönliche und individuelle Ansprache. Ein Hotel, das es in Bernkastel-Kues in dieser Form noch nicht gegeben hat. Die Gäste möchten etwas Neues und etwas Anderes erleben – daher haben wir unsern Slogan für Deinhard’s richtig gewählt: Deinhard’s – mehr als ein Hotel.

Sind die Gäste anspruchsvoller geworden?

Ganter: Generell sind die Gäste unglaublich dankbar, dass sie wieder unbeschwert reisen dürfen und sehr angetan über das besondere Angebot, das sie bei uns vorfinden. Wir spüren aber auch, dass die Gäste aufgrund der gestiegenen Kosten preissensitiver geworden sind. Gleichzeitig sehnen sie sich aber auch nach kurzen Auszeiten, da die derzeitigen Herausforderungen die Menschen sehr fordern und stressen.

Heidingsfelder: Wir haben sehr nette Gäste, die dem neuen Produkt sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. In der Zwischenzeit gibt es schon viele „Wiederholungstäter“, worüber wir uns besonders freuen.

Auf welche Kriterien legen die Kunden heute mehr Wert als früher? Gute Matratzen, ein besonders zuvorkommender Service oder ein ausgefallenes Frühstück?

Ganter: Preiskampf findet überall dort statt, wo nichts Besonderes ist. Unsere Motivation ist daher nicht, das preiswerteste Hotel unserer Kategorie zu sein, sondern liegt darin, unsere Gäste in allen Bereichen zu begeistern und ihnen eine Art Glücksgefühl zu vermitteln. Das Gesamtpaket muss stimmen.

Heidingsfelder: Die Kriterien haben sich hier nicht geändert. Das Gesamtpaket muss stimmen – von der Reservierung bis zur Abreise. Unser Haus sticht hervor, da unsere Gäste an einem Ort alles finden können, was sie gerne hätten: Es beginnt bei der Tiefgarage, freundlichem Service, Wellnessbereich, Bar, Shop, Veranstaltungsräumen, Ruhe und gleichzeitig unmittelbare Nähe zur Altstadt und in die Natur. Nicht zu vergessen ein einzigartiges Restaurant in Design und Speisen und einer reichhaltigen regionalen Weinkarte.

Wie beurteilen Sie das Angebot von gehobenen Hotels an der Mosel? Ist da noch Luft nach oben oder ist der Bedarf mittlerweile gedeckt?

Ganter: Ich bin seit 30 Jahren selbstständig. In dieser Zeit sind viele gute Häuser im hochpreisigen Segment dazugekommen, die wirtschaftlich erfolgreich sind. Als Beispiel nenne ich gerne Mülheim, aber auch andere Orte wie in Pünderich die Marienburg, das Schloss Lieser oder das Hotel Goldene Traube in Traben-Trarbach. Meiner Meinung nach trägt eine permanente Steigerung der Qualität zu einer Verbesserung der Marke Mosel bei. Noch leidet die Mosel unter einem Billig-Image. Häuser wie das Deinhard‘s wirken dem entgegen und Bernkastel kann stolz auf so ein Spitzenhaus sein.“

Heidingsfelder: Der Bedarf ist noch nicht ganz gedeckt, und abhängig davon, wie sich der Tourismus langfristig entwickelt, es stellt sich hier die Frage: Bleiben die deutschen Gäste nach der Corona-Krise und den gestiegenen Kosten im privaten Bereich für Energie und Lebensmittel Deutschland als Reiseziel treu?

Ihre Hotels sind aufgrund Ihres Standards sehr personalintensiv. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, damit Sie vom Zimmerservice über Küche bis zur Rezeption alle Stellen dauerhaft besetzt halten können?

Ganter: Die Akquise und das Halten von guten Teammitgliedern ist die größte Herausforderung für die Branche. Unsere Auszubildenden kommen teilweise aus der Region, aber eben auch aus Indonesien, Madagaskar und Kirgisien. Wichtig ist neben einer ansprechenden Entlohnung die Wertschätzung und Betreuung sowie eine ansprechende Unterbringung in Appartements oder durch die Hotels angemieteten Wohnungen.

Heidingsfelder: Mitarbeiter müssen genauso wie Gäste zufriedengestellt werden. Dies ist nicht nur durch finanziellen Ausgleich, sondern auch durch Schulungen, Mitarbeiterevents, verschiedene Vergünstigungen und eine gutes, freundliches Betriebslima möglich.

Was sind die großen Herausforderungen des Moselschlösschens und des Deinhard’s für die Zukunft?

Ganter: Die größte Herausforderung für unsere Branche liegt meines Erachtens darin, trotz der extrem gestiegenen Kosten bei Team, Energie und Waren für unsere Gäste ein bezahlbares Preis-Leistungs-Verhältnis bieten zu können und weiterhin auch international wettbewerbsfähig zu sein.

Heidingsfelder: Die Herausforderung ist der 365-Tage-Betrieb in Bernkastel. Es gilt, attraktive Angebote und Rahmenprogramme für die Wintersaison zu gestalten, zu formulieren und zu verkaufen.