Moselwein mit Schweden-Design

Frischen Wind hat Winzer Axel Pauly in das Weingut, das er zusammen mit seinem Vater Rudolf in Lieser bewirtschaftet, gebracht. Der junge Mann setzt in der Etikettengestaltung auf modernes Design. Schwedische Design-Studenten haben für das Weingut ein bemerkenswertes Etikett geschaffen.

Lieser. (sim) Axel Pauly ist mit seinen 27 Jahren schon viel in der Welt herumgekommen. Der junge Winzer ging in der Pfalz und im Rheingau in die Winzerlehre, arbeitete ein Jahr in Kalifornien und Neuseeland, arbeitete als Winzergeselle in Mülheim und absolvierte während seines Studiums an der Weinbau-Fachhochschule Geisenheim ein mehrmonatiges Praktikum an der deutschen Botschaft in Stockholm. Sein ganz besonderes Interesse während des Studiums galt stets den Bereichen Betriebswirtschaft und Marketing. Und diese Vorliebe kam ihm in Schweden, wo er an der deutschen Botschaft zusammen mit dem Deutschen Weininstitut Werbeaktivitäten koordinierte, zugute. Seine Di plomarbeit schrieb Axel Pauly über die Besonderheiten des schwedischen Weinmarktes. Junge Designerin gewinnt Wettbewerb

In Supermärkten und Fachgeschäften sah er sich um, führte Befragungen durch und nahm Bewertungen vor. Was ihm sofort auffiel: Die Präsentation deutscher Weine lässt zu wünschen übrig. Viele Moselweine tragen Fantasienamen wie "hidden river" (versteckter Fluss), "sweat dream" (süßer Traum) oder "red rock" (roter Felsen). Die Etiketten dazu sind zumeist bunt und billig. Pauly erinnert sich: "Ich war erschreckt." Pauly befragte daraufhin zahlreiche Konsumenten. Sein Fazit: Die Schweden stehen sehr wohl auf Tradition, aber angepasst an den Zeitgeist.Pauly nahm Kontakt zu einer der renommiertesten Designerschulen Schwedens in Stockholm auf. Und er schaffte es, die Dozenten davon zu überzeugen, ein Wein etikett für sein Weingut zu entwerfen. Die Vorgabe: Die regionale Identität und die Handschrift des Winzers müssen erkennbar sein. 15 Entwürfe lieferten die Studenten schließlich ab. Der Schuldirektor, der Designchef der Schule und Pauly wählten als Jury das beste Etikett aus. Eine junge Frau hatte es entworfen, es zeigt eine stilisierte Mosellandschaft. Der besondere Clou: Dreht man die Flasche um 90 Grad, erkennt man die Profile dreier Männer: Großvater, Vater und Sohn. Pauly: "Als ich das gesehen habe, war ich ganz begeistert, aber auch etwas gerührt." Erinnert es doch an die Geschichte des Weingutes. Großvater Peter, zunächst hauptberuflich Moselfischer, begann mit der Wein-Selbstvermarktung, sein Sohn Rudolf baute darauf auf, und nun ist Peters Enkel Axel mit am Ruder. Die junge Designerin verbrachte übrigens zur Belohnung ihren Urlaub bei Paulys in Lieser und erhält nun jedes Jahr ein Weinpräsent. Modernes Design, aber gleichzeitig traditioneller Moselwein - das ist das Credo des jungen Weinbauingenieurs. Frische, knackige Rieslinge erzeugen, nicht so alkoholbeladen, sondern säurebetont und frisch - das ist Paulys Bestreben. Mit dem Jahrgang 2006 hat Axel Pauly fast das komplette Sortiment auf das neue Design umgestellt, gleichzeitig wechselte er von Naturkork auf Schraubverschluss. "Die Reaktionen der Kundschaft waren durchweg positiv", berichtet er. Inzwischen hat Pauly in Schweden mit seinen Weinen Fuß gefasst. In Kürze geht eine LKW-Ladung mit 1600 Flaschen, selbstverständlich mit dem modernen Etikett, nach Stockholm.