Mülheimer Sommermärchen

Rechtzeitig zur offiziellen Einweihung des Mülheimer Kunstrasenplatzes haben die Kicker mit ihrem Aufstieg gezeigt, was Motivation ausmachen kann.

Beim symbolischen Anstoß auf dem nun offiziell eingeweihten Mülheimer Kunstrasenplatz lässt es sich natürlich auch Ortsbürgermeister Horst Faust (rechts) nicht nehmen, am Ball zu bleiben. TV-Foto: Ursula Schmieder

Mülheim. (urs) Prächtig schaut er aus, der neue Kunstrasenplatz, für den die Mülheimer Kicker nicht nur gekämpft, sondern auch schwer geschuftet haben. Und verdient haben sie die Sportanlage auch, die samt Sprunggrube und Laufbahn auch Grundschule und Kindergarten offen steht. Denn während der Platz Kunsthalm für Kunsthalm seiner Vollendung entgegen geeilt ist, sind die Fußballer vorgeprescht in die A-Klasse.Monatelang haben ehrenamtliche Helfer auf dem Gelände mit angepackt, um das von der Spielvereinigung Mülheim-Brauneberg selbst gesteckte Arbeitspensum zu schaffen. Und sie haben es geschafft: Eigenleistungen im Wert von 35 000 Euro sind in die Sportanlage geflossen. Darüber hinaus will der Verein noch einige Tausend Euro reinbuttern, die teils über Spenden, teils über Patenschaften fließen sollen. Denn ansonsten hätte die Gemeinde als Bauherr und Träger das Mammutprojekt in einer Größenordnung von rund 550 000 Euro kaum schultern können. Eine entscheidende Hürde waren zudem die Mittel aus dem Goldenen Plan. Brauneberger Arbeiter leisten jährlich 100 Stunden Dienst

Die Zusage aus Mainz, das Projekt mit 208 000 Euro zu fördern, hätte sich Ortsbürgermeister Horst Faust allerdings etwas später gewünscht. Denn für den Mülheimer Haushalt ist der Gemeindeanteil von 285 000 Euro, die der Kreis um 52 000 aufstockt, ein dicker Brocken.Die fehlende finanzielle Unterstützung der Gemeinde Brauneberg begründet Beigeordneter Martin Ruppenthal, selbst Mitglied des Vereins, mit den leeren Kassen. Brauneberg leiste dafür aber künftig seinen Anteil. Und zwar mit "Manpower" von jährlich 100 Gemeindearbeiterstunden auf dem Platz. Für den Vereinsvorsitzenden Wolfgang Thiel hat sich mit dem neuen Platz ein lang gehegter Wunsch erfüllt. "Das Sommermärchen begann am 16. August 2006", lässt er Bilder der ersten Arbeitseinsätze Revue passieren. Dabei standen die Chancen anfangs gar nicht so gut. Im März 2005 hatte sich der Verein erstmals an den Gemeinderat gewandt. "Da haben viele die Farbe gewechselt", erinnert sich Thiel. Doch nach scheinbar unüberwindlichen Hürden ging es dann plötzlich doch sehr schnell. Nur wenige Wochen, nachdem die Bagger angerollt waren, wurde auf dem Platz schon wieder trainiert. "Das fand ich schon gigantisch, was hier in den drei Monaten über die Bühne ging", so Thiel. Für Verbandsbürgermeister Ulf Hangert ist der Platz ein Beispiel dafür, "was alles möglich ist, wenn viele zusammenstehen". Nach Ansicht von Landrätin Beate Läsch-Weber haben die Mülheimer aber nicht nur deshalb allen Grund zur Freude: "Jugendarbeit, Fairness — all das gehört zu einer Lebensschule und wird hier gelernt."