Müllsammler schwärmt für Königinnen

Kreis Birkenfeld/Kröv · Rainer Schäfer aus Kröv hat eine neue Herausforderung: Der Müllsammler aus Kröv ist zurzeit im Kreis Birkenfeld unterwegs, um die Deutsche Edelsteinstraße von Unrat zu befreien. Den Impuls dafür gab eine Begegnung mit der deutschen Edelsteinkönigin.

Unterwegs an der B 422: Stolz präsentiert Rainer Schäfer seinen auffälligen Sammeltornister für Pfandflaschen. Foto: Michael Fenstermacher

Kreis Birkenfeld/Kröv. Das "Müllrätsel" ist gelöst. Nachdem sich seit dem Wochenende Berichte über rote, mit Müll gefüllte Säcke an Straßenrändern häuften, rätselten viele Menschen: Wer ist der uneigennützige Mensch in orangefarbener Schutzkleidung, der im Bereich von Algenrodt und Rötsweiler von Autofahrern dabei beobachtet wurde, wie er den Müll seiner Mitmenschen wegräumt? Kurze Zeit später ist klar: Es handelt sich um Rainer Schäfer aus Kröv an der Mosel, der sich als Abfall-Robin-Hood bereits einen Namen gemacht hat (der TV berichtete mehrfach). Für Aufsehen sorgte zuletzt sein Engagement in Mainz, wo er vor Weihnachten tonnenweise Unrat sammelte und zur Abholung durch die Müllabfuhr bereitstellte. Mehrere Fernsehsender und Zeitungen berichteten über die Aktion des Hartz-IV-Empfängers, der nach eigenen Angaben bereits seit 28 Jahren als Müllmann aus Leidenschaft kostenlos Abfall aufsammelt.
186 Kilometer bis Ende März


Nun stellt Rainer Schäfer sich einer neuen Herausforderung: Rechtzeitig zum 40-jährigen Bestehen der Deutschen Edelsteinstraße (DES) will er entlang der touristischen Route für Sauberkeit sorgen. 186 Kilometer will er bis Ende März in mindestens elf Tagesetappen zu beiden Straßenseiten der großen und der kleinen DES-Route bewältigen und dabei eine Fläche von fast 1,5 Millionen Quadratmetern vom Müll befreien. Bereitwillig gibt er auch Auskunft über ein ganz besonderes Motiv dafür, sich die Edelsteinregion als neues Betätigungsfeld auszusuchen: "Dafür trägt die aktuelle Edelsteinkönigin die Hauptverantwortung." Im vergangenen Jahr begegnete der passionierte Schachspieler bei den Rheinland-Meisterschaften in Idar-Oberstein Edelsteinkönigin Magdalena Meng, die dort einen offiziellen Auftritt absolvierte. "Wir sind ins Gespräch gekommen, und sie hat sich von mir das Schachspiel erklären lassen. Sie hat mit ihren blauen Augen wirklich die Ausstrahlung einer Königin", schwärmt Schäfer.
Die Begegnung verursachte beim Müllsammler nicht nur Herzrasen, sondern weckte auch sein Interesse an der Funktion der Majestäten: "Ich habe ein bisschen recherchiert und festgestellt, dass auch die Vorgängerinnen alle sehr schöne Frauen sind - und dass die Königinnen eine Menge leisten."
Romantisches Motiv


Aus diesem Grund habe er sich dazu entschieden, eine Reinigungsaktion "zu Ehren aller Edelsteinköniginnen" zu starten.
Das romantische Motiv ändert allerdings nichts daran, dass er seine Aufgabe mit wissenschaftlicher Präzision angeht. So vermisst er die Strecke nicht nur im Voraus am Laptop, sondern führt auch genauestens Buch über das Ergebnis seiner Sammlung: 1232 Liter Müll in 77 Tüten hat er auf seinen ersten beiden Etappen aufgelesen - durchschnittlich 49 Liter pro Kilometer.
Schlechtes Gewissen machen


Das sei naturgemäß deutlich weniger als in der Großstadt Mainz, aber mehr als in seiner Heimatregion rund um Wittlich. "Ich merke nämlich deutlich, wie das Umweltbewusstsein durch meine Aktionen steigt", sagt Schäfer. Der Müllsammler, der mit seiner orangefarbenen Jacke sowie dem Tornister für Pfandflaschen mit Blinklicht und Regenschirm zum Aufstecken sofort im Straßenbild auffällt, sieht sich selbst als "Umweltpsychologe", der Müllsündern ihr Fehlverhalten vor Augen führt. "Wenn die Leute mich beim Sammeln sehen, bekommen sie ein schlechtes Gewissen und ändern ihr Verhalten", erklärt Schäfer den Effekt, über den man sich bei der Deutschen Edelsteinstraße freuen dürfte.