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Mundart lebt in Kröv weiter

 Als schwer arbeitende Winzerfrauen machten Marlene Junglen und Helga Kneib (von links) auf der „brääda Rooch" Pause und finden Zeit für ein Schwätzchen. TV-Foto: Holger Teusch
Als schwer arbeitende Winzerfrauen machten Marlene Junglen und Helga Kneib (von links) auf der „brääda Rooch" Pause und finden Zeit für ein Schwätzchen. TV-Foto: Holger Teusch FOTO: Holger Teusch (teu), Holger Teusch ("TV-Upload Teusch"
Kröv. Mammutprogramm mit 17 Programmpunkten: Fast vier Stunden lang wurde beim 29. Kröver Mundartabend Platt gesprochen und gesungen. Holger Teusch

Als sie auf ihre Großmutter Gudrun Hüls-Beth zu sprechen kam, musste Katrin Schühlein doch ein paar Mal schlucken. Die im vergangenen Jahr verstorbene Kröver Ehrenbürgerin hatte 1988 den alljährlich stattfindenden Kröver Mundartabend ins Leben gerufen und moderiert. "Bis bis Joach war immer Gudruns letzter Satz zum Abschied", erzählte Schühlein.

Die Enkelin ist in die großen Fußstapfen ihrer Oma hinein gewachsen. "Bis demnächst", so frei ins Hochdeutsche übersetzt, wird es deshalb alljährlich wohl auch weiterhin nach der Traubenlese bei den Kröver Mundarttagen heißen.

Dass der rund 100 Personen fassende Saal der Reichsschenke Ritter Götz am Sonntagabend bei der 29. Auflage wieder voll besetzt war, zeigt, wie beliebt die Veranstaltung ist. "Ich finde es prima, dass sich der Mundartabend so gut hält", freute sich die 78-jährige Kröverin Resi Feichtinger, dass sie mit ihrem Mann Charly wieder einmal moselfränkischen Dialekt lauschen kann. "Man hört Begriffe, die man sonst nicht mehr hört, und denkt dann: Ja, so war das bei Oma und Opa", erklärte Elmar Römer, weshalb er immer wieder gerne kommt.

"Es wird von Jahr zu Jahr besser", fand Christof Schmidt. "Es ist immer wieder etwas Neues. Es wird nie langweilig", sagte der vor 30 Jahren an die Mosel gezogene Mann aus Norddeutschland.

Sein Beispiel zeigt: Nicht nur gebürtige Moselaner verstehen die Vorträge, Lieder und Sketche. Interessant war es allemal, wenn zum Beispiel Thomas Kaufmann auf Platt erklärte, weshalb ein Fuder früher 960 Liter maß oder was Peterlinge waren. Ein bisschen karnevalistisch wurde es bei den Sketchen. Ob bei Marlene Junglen und Helga Kneib bei der "Paus off da brääda Rooch" oder den "Zwuu Freindinnä" Marlene Pohl und Mechthild Servatius, die sich nach ihrem Vortrag ein "Hellau" verkneifen mussten.

17 Programmpunkte von jeweils maximal zehn Minuten Länge waren beim 29. Kröver Mundartabend geplant. Obwohl in Morbach aufgewachsen versuchte sich auch Traben-Trarbachs Verbandsbürgermeister Marcus Heintel als "Plattschwätzer". Rund vier Stunden dauerte das Programm, ohne dass es langatmig wurde. Ein Höhepunkt war das improvisierte Comeback des Geschwisterduos Carina Röhl und Kai Weißkopf. Das Lied über die alte Wingertsmauer weckte bei manchem melancholische Gefühle.